Posted on Bombay Bustle

Vor über einer Dekade haben wir mit dem Ivory Club ein für Deutschland völlig neues kulinarisches Genre installiert. Erstaunlicherweise bespielen wir das Thema Indian-Fine-Dining trotz unseres überwältigenden Erfolgs noch immer praktisch im Alleingang. In anderen Ländern hingegen eskaliert der Hype um die faszinierende Aromen- und Vitalküche mittlerweile völlig. Epizentrum dieser furiosen Entwicklung ist nach wie vor London. Erst kürzlich berichteten wir in diesem Kontext ausführlich über das neu eröffnete Jamavar im exklusiven Mayfair. Nun haben nach nur wenigen Monaten schon wieder zwei weitere hochspannende Top-Notch-Inder ihre Pforten geöffnet. Zum einen die wundervolle Upscale-Tiffin-Formel Bombay Bustle, zum anderen das kulinarisch hochambitionierte Multi-Unit-Brand Indian Accent. Speziell das grandiose Bombay Bustle konnte uns durch eine ungewöhnliche Speisekarte und ein geradezu geniales Design-Konzept begeistern. Folgt uns nun in die faszinierende Welt des Bombay Bustle…

Die liebevoll gestaltete Inneneinrichtung des Bombay Bustle erinnert aufmerksame Kino-Enthusiasten natürlich sofort an das erstaunlich kinematografische Œuvre von Wes Anderson. Die komplette Szenerie zitiert mit ihrer pastelligen Farbenwelt geradezu plakativ cineastische Meisterwerke wie Moonrise Kingdom, Grand Budapest Hotel, The Life Aquatic with Steve Zissou, The Royal Tenenbaums oder Darjeeling Limited.

Speziell der großartige Rail-Movie Darjeeling Limited scheint die Innenarchitekten des Bombay Bustle inspiriert zu haben. Die gesamte Kulisse ist optisch eine perfekt geglückte Reminiszenz an den namensstiftenden Zug aus Darjeeling Limited. Dementsprechend finden sich neben dem eigentlichen „Speisewagen“ auch noch eine „Bord-Bar“ und diverse liebevoll gestaltete „Zugabteile“ im Restaurant. Verantwortlich für dieses geniale architektonische Bravourstück sind die in London ansässigen Fable Studios. Das 2011 von Tom Strother, Steven Saunders and Simon Gallagher gegründete Architekturbüro durfte in seiner kometenhaften Firmengeschichte schon diverse erstaunliche Hospitality-Venues realisieren. Zu ihren prominentesten Werken gehört dabei sicherlich das grandiose Jamavar in Mayfair, das Dinner by Heston Blumenthal in Knightsbridge und das Restaurant Gordon Ramsey in Chelsea. Aber das wissen aufmerksame Mook Magazin-Leser ja alles schon längst.

Das Bombay Bustle gehört genau wie das fabelhafte Jamavar zu der indischen 5-Star-Hotelkette Leela Palace & Resort. Wer mehr über die exklusive Hotelkette und das Bombay Bustle-Schwesternrestaurant erfahren möchte, sollte sich unbedingt einmal unseren Bericht über das wundervolle Jamavar durchlesen. Der Artikel ist problemlos über die Suchleiste des Mook Blogs zu finden. Das Jamavar erhielt übrigens kurz nach unserer euphorischen Mookular-Besprechung seinen verdienten ersten Michelin-Stern. Damit haben sich mal wieder die Prophezeiungen der Mook Redaktion als richtig erwiesen. Hier nun ein Blick auf die kleine aber feine Bord-Bar des Bombay Bustle.

Wie man unschwer an den liebevoll gestalteten Türen erkennt, zieht sich das Zug-Sujet konsequent durch das gesamte Lokal. Die Fable Studios haben hier großartig recherchiert und handwerklich perfekt exekutiert. Es muss einfach wundervoll sein, wenn man bei der Ausstattung eines Restaurants so verschwenderisch auf Details achten kann. In Deutschland hat die repressive Steuerphilosophie leider dafür gesorgt, dass die ethisch geführte Individualgastronomie praktisch keine größeren Investitionen mehr in einem kaufmännisch vernünftigen Zeitrahmen recoupen kann. Die staatlich verordnete Investitionsbremse hat dabei übrigens nicht nur extrem negative Konsequenzen auf die notleidende Gastronomie, sondern erzeugt selbstverständlich auch insgesamt einen immensen volkswirtschaftlichen Schaden. Leider ist diese traurige Tatsache bisher offensichtlich noch nicht im Berliner Elfenbeinturm angekommen.

Hier sehen wir Michaela Mook beim kritischen Studium der fazinierenden Speisekarte. Die First Lady der Mook Culinary Research Teams ist seit vielen Jahren überzeugte Ayurvedin und eine profunde Kennerin der indischen Aromen- und Vitalküche. Ihr umfangreiches Wissen ist allerdings nicht nur von theoretischer Natur. Die begnadete Köchin hat im Rahmen ihrer unzähligen Panchakarma-Treatments schon diverse Kochkurse absolviert und produziert mittlerweile sogar begeistert ihr eigenes Ghee und Paneer.

Lange bevor Foodora, UBER Eats und Deliveroo in aller Munde waren, haben indische Hausfrauen schon für ihre Männer gekocht und das Essen von Zug- und Fahrradkurieren zum Arbeitsplatz ihrer Männer transportieren lassen. Die Kuriere werden in Indien Dabbawalas genannt und lassen aus Effizienzgründen die Speisen in mehrstöckigen Metall-Henkelmännern verpacken. Die hochkomplexe Lieferkette der Dabbawalas ist besonders in Bombay verbreitet und basiert auf einer absolut einzigartigen Farb-, Buchstaben- und Ziffern-Kodierung. Die Dabbawalas sind in verschieden Kollektiven organisiert und übergeben die sogenannten Tiffins staffelartig viele Male. Durch das perfekt optimierte System schaffen sie es allerdings täglich weit über 200.000 Tiffins praktisch fehlerfrei zu übergeben und anschließend wieder korrekt an die Absender zu retournieren. Die Koordination ist dermaßen ausgeklügelt, dass mittlerweile sogar führende Logistikunternehmen die raffinierte Systematik von Mathematikern analysieren lassen. Das Bombay Bustle hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, die rustikale Hausfrauenküche der Dabbawalas-Kultur in ein moderne und gourmetesquere Form zu transkribieren. Um aber die ursprüngliche Herkunft der Gerichte zu betonen, werden im Bombay Bustle noch viele Gerichte in traditionellen Tiffin-Metallbehältern serviert. Hier sehen wir beispielsweise ein Tiffin mit einem köstlichen Pappadam-Mix mit zweierlei Chutneys.

Vor nicht allzu langer Zeit hat sich das Frankfurter Museum für Moderne Kunst mit einer großen Retrospektive dem erstaunlichen Œuvre von Sudbodh Gupta gewidmet. Seine riesigen Objet-trouvé-Installation und großformatigen Metall-Skulls bestehen größtenteils aus den aus den typischen Tiffin-Metalltornistern und haben dazu geführt, dass sich neuerdings auch viele Menschen in Deutschland mit der faszinierenden Kultur der Dabbawalas auseinandersetzen. In London hingegen ist die köstliche Tiffin-Wohlfühlküche schon seit geraumer Zeit in aller Munde und zahlreiche exzellente Casual-Konzepte bespielen dieses faszinierende kulinarische Feld. Erst kürzlich hat auch noch die prominente Fernsehköchin Asma Khan ein von der Tiffin-Kultur inspiriertes Restaurant im quirligen Kingly Court eröffnet. Wer übrigens mehr über den Sudbodh Gupta und sein interdisziplinäres Œuvre erfahren will, sollte sich unbedingt einmal unseren Mookular-Bericht über das Song Qi in Monaco durchlesen. Ihr findet den entsprechenden Artikel problemlos über die Suchleiste des Mook Blogs.

Dosas sind im Prinzip die indische Version eines teutonischen Pfannkuchens. Dosas werden auf großen gusseisernen Platten zubereitet und bestehen aus einem fermentierten Hybrid-Teig aus Urdbohnen und Reismehl. Serviert werden die wundervoll fluffigen Dosas traditionell mit Aloo Masala-Kartoffelbrei, Kokosnuss-Chutney und Sambar, einer Curry-Sauce aus Linsen und Tamarinden.

Das klassische Papri Chaat wurde vom Head-Chef Bhaskar Banerjee in einen delikaten Kokon aus Raita-Joghurt, Minze-Chutney und Tamarind-Sauce gehüllt. Als finales Crescendo finished der Meister die köstliche Kreation noch mit einer großzügigen Portion Aloo Bhujia Sev. Die kross frittierten Fadennudeln aus Kichererbsen, Kartoffeln und Garam Masala komplettieren den Klassiker so noch geschickt um eine krosse Komponente. Sensorisch wie geschmacklich erinnert das aromatische Potpourri frappierend exakt an das legendäre Jumbo Pani-Puri  im Ivory Club. Wer mehr über Chaats und Pani Puris erfahren will, sollte sich unbedingt unseren Mookular-Bericht über das skurrile Carnival by Tresind durchlesen. Ihr findet auch diesen Artikel mühelos über die Suchleiste des Mook Blogs.

Wie aufmerksame Mook Magazin-Leser ja unlängst gelernt haben, gilt Indien schon lange nicht mehr nur als die Heimat der facettenreichsten Ethnoküche der Welt, sondern auch das Land der tausend Brote. Auch auf der Speisekarte des Bombay Bustle finden sich dementsprechend diverse Kreationen mit Brot. Besonders gut gefallen hat uns das delikate Chole Bhature. Das Gericht ist ein Klassiker der sogenannten Punjabi Cuisine und besteht traditionell aus einer soufflierten Bhature-Brot-Sphäre und einem vegetarischem Kichererbsen-Curry.

Hier sehen wir das korrespondierende Chana Masala oder auch Chole genannte Kichererbsen-Curry, das traditionell zum frittierten Bhature-Brot gereicht wird. Ein rustikaler wie köstlicher Snack. Wirklich kein Gast im Bombay Bustle sollte sich diese vegetarische Delikatesse entgehen lassen.

Die hauchdünnen Crêpes werden in Indien Hoppers oder auch Appam genannt. Interessanterweise findet man die filigrane Delikatesse selbst in London nur auf sehr wenigen Speisekarten. Appams sind speziell in Südindien, Sri Lankas und Malaysia beliebt und bestehen vornehmlich aus Kokosnussmilch, Reismehl, Wasser und Hefe. Um die typische Schüsselform zu erzeugen werden die köstlichen Hopper-Crêpes in speziellen Appam-Woks zubereitet. Oft wird am Boden der konvex gekrümmten Hopper-Bowl noch ein Spiegelei platziert. Im Bombay Bustle serviert man das Appam dagegen mit einer Schale pikant gewürztem Lamm-Curry. Es macht wirklich viel Freude, kleine Teile des Appam-Crêpe abzurupfen, um damit wie mit einem äthiopischen Injera-Fladenbrot durch das würzige Curry zu gleiten.

Alle von uns degustierten Currys sind selbst kritischen Kennern uneingeschränkt zu empfehlen. Allerdings konnten wir wieder einmal erleichtert feststellen, dass das Vindaloo Curry im Ivory Club auch weiterhin seine Pole Position für couragierte kalibrierte Curry-Gerichte erfolgreich verteidigen konnte.

Wie man unschwer erkennt, wird auch das butterzarte Kolhapuri Spit-Chicken auf dem typischen Tiffin-Geschirr serviert.

Die Mook Redaktion verhält sich in Restaurants immer sehr diskret und zuvorkommend. Wir fallen höchstens am Ende des Essens mit einer ungewöhnlich hohen Trinkgeldzahlung auf. Unsere gezielten Fragen und die riesige Bestellung haben allerdings die Neugier des Chefkochs geweckt. Er wollte unbedingt wissen, warum zwei Personen praktisch die komplette Speisekarte hoch und runter bestellen. Kurz entschlossen verlies er seine Küche, um uns persönlich danach zu fragen. Daraus entwickelte sich ein sehr anregendes Fachgespräch über die faszinierende Aromen- und Vital-Küche des bezaubernden Subkontinents.

Hier ein kleiner Blick ins Reich der Köche.

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp der Mook Redaktion. Wes Anderson ist ein so extrem detailverliebter Regisseur, dass er sogar das mit Tier-Motiven punzierte Reisegepäck aus Darjeeling Limited speziell für den Film anfertigen ließ. Fans von Wes Anderson haben neuerdings die Möglichkeit, das wundervoll verspielte Reisegepäck käuflich zu erwerben. Die handwerklich exzellenten Replikas werden von der Firma „Very troubled Child“ hergestellt und können problemlos über das Internet bestellt werden. Die Mook Group erhält für diese ernstgemeinte Kaufempfehlung übrigens keinerlei Provisionen bezahlt.

Posted on Le CouCou, New York

Die Mon amie Maxi-Recherchen führten die Mook Redaktion schon in die erstaunlichsten französischen Restaurants und Brasserien dieser Welt. Wir haben den Big Apple besucht, um im 3-Sterne-Restaurant Per Se winzige Hasen-Nieren zu degustieren. Wir sind nach London gereist, um dort die wunderschönen Trompe-l’œi Malereien im Vestibül der spektakulären Zedel Brasserie persönlich in Augenschein zu nehmen. Wir sind nach Las Vegas geflogen, um in der Bouchon Brasserie von Thomas Keller die legendäre Brandade de Morue zu verkosten. Wir standen staunend im Gare de Lyon und bewunderten die operettenhafte Fin-de-Siècle-Kulisse des „Le Train Bleu“. Wir haben sogar in der abenteuerlichen Pariser Chartier Brasserie Pansen und Andouillette für Euch degustiert. Nie wurden von uns Kosten und Mühen gescheut, um für unsere Gäste nach neuen Ideen und Anregungen zu fahnden. Auch ist die Mon amie Maxi-Recherche natürlich ein niemals endender Prozess. Als uns nun diverse Berichte aus Manhattan erreichten, dass eine neue französische Better-Brasserie-Formel die verwöhnte New Yorker Klientel in ekstatische Verzückung versetzt, war die Aufgabenstellung für die Mook Redaktion natürlich klar definiert. Sofort wurden die Koffer gepackt, um für Euch das wundervolle Le CouCou unter das gestrenge Mookular zu nehmen.

Das Le CouCou ist das neuste Brainchild des sagenumwobenen Gastro-Entrepreneurs Stephen Starr. Seine extrem erfolgreiche Starr Restaurant Group betreibt unter anderem so schillernde Konzepte wie das Buddakan, El Vez, Butcher & Singer, Fette Sau und Steak954. Zusätzlich betreibt er noch in Kooperation mit Iron Chef Masaharu Morimoto das fabelhafte Neo-Izakaya-Multiple Morimoto. Auch das Le CouCou ist wieder ein kongeniales Joint Venture mit einem sehr renommierten Koch. Daniel Rose, Partner und Chefkoch im Le CouCou, hat schon mit seinen kulinarischen Skills in der Pariser Restaurantszene für ordentlich Furore gesorgt. Sein Restaurant „La Bourse et la Vie“ wurde beispielsweise schon vom beliebten Gastro-Guide „Paris by Mouth“ zum Gewinner in der Kategorie „Klassische „Brasserie“ gewählt. Nun hat Stephen Starr den ambitionierten Yannick Alléno-Schüler nach New York geholt, um dort gemeinsam mit ihm die Restaurant-Szene im Sturm zu erobern.

Verantwortlich für das anheimelnde Interior-Design und die gemütlich orchestrierte Lichtarchitektur ist das in New York ansässige Design-Studio Roman and Williams Buildings and Interiors. Die beiden Besitzer Robin Standefer und Stephen Alesch sind für emsige Mook Magazin-Leser ja schon lange keine Unbekannten mehr. Beispielsweise sind die sympathischen Kreativköpfe verantwortlich für so spektakuläre Locations wie dem legendären Boom Boom Room und die stringent komponierte Kingside Brasserie im Viceroy Hotel NYC. Auch haben die beiden schon Prominenten wie Gwyneth Paltrow und Ben Stiller beim Design ihrer New Yorker Residenzen hilfreich zur Seite gestanden. Mark Zuckerberg überlies den visionären Shootingstars sogar eine gestalterische Carte Blanche für die Ausstattung seiner Facebook-Kantine in Menlo Park. Wer mehr über das erstaunliche Œuvre des dynamische Duos erfahren will, findet die Berichte über die Kingside Brasserie und den Boom Boom Room problemlos über die Suchleiste des Mook Blogs.

Für das geglückte Design des Le CouCou erhielten Standefer und Alesch Ende 2017 den begehrten Ahead Award in der Kategorie „Restaurant Design“ verliehen. Die beiden emsigen Award-Gewinner sind übrigens wahre Allroundtalente und stammen genau wie der TAO Innenarchitekt David Rockwell ursprünglich aus dem Theater- und Kulissenbau. Das Paar ist auch im wahren Leben liiert und lernte sich bei einem gemeinsamen Auftrag für eine Hollywood-Produktion kennen und lieben. Aus der Kreativschmiede der beiden Tausendsassas stammen beispielsweise so berühmte Filmsets wie Zoolander und Addicted to Love.

Die Speisekarte im Le CouCou liest sich wie eine wundervolle Hommage an die kulinarischen Urgesteine Georges Auguste Escoffier und Jean Anthelme Brillat-Savarin. Man serviert der frankophilen New Yorker Hautevolée beispielsweise noch so wundervoll nostalgische Feel-Good-Klassiker wie Seezunge à la Véronique, Kalbsbries mit Tomaten-Estragon-Sauce, Rochenflügel mit Kapern-Paprika-Jus, Kalbszunge mit Osietra Kaviar und Crème fraîche, Blutwurst mit Piment d’Espelette, Hechtklösschen in Hummersauce und ein fabelhaftes Potpourri aus köstlichen Kaninchen-Innereien. Das Le CouCou ist wahrlich ein zivilisierter Hort der kulinarischen Erbauung.

Das Le CouCou liegt zwar im quirligen Szeneviertel Soho, die illustre Klientel stammt aber augenscheinlich primär aus der Upper East Side. Viele Männer tragen gedeckte Paisley-Krawatten und dunkle Madison-Fit-Blazer von Brooks Brothers. Man sieht allerdings auch einige Herren aus Downtown mit scharf geschnittenen Thom Brown Anzügen und schwarzen Sol Moscot Brillen. Die intellektuelle New Yorker Damenwelt trägt dagegen offensichtlich wieder gerne elegante Perlen-Pumps von Nicholas Kirkwood, klassische Pencil-Cut-Kleider von Lavin und dezente Clutch-Bags von Roger Vivier. Hier übrigens ein kleiner Blick in die wunderschöne Bespoke-Küche aus dem Hause Athanor Fourneaux.

Würde Bret Easton Ellis heute noch einmal seinen legendären Protagonisten Patrick Bateman durch die beeindruckenden Wolkenkratzerschluchten von Manhattan streifen lassen, um ein akzeptables Sea Urchin Ceviche zu finden, würde er seine verzweifelte Suche ganz sicherlich im Le CouCou enden lassen. Momentan ist das lässige Restaurant im angesagten Soho die mit Abstand heißeste Adresse der Stadt. Kurzfristig einen Tisch im Le CouCou zu ergattern, gestaltet sich deshalb aktuell ähnlich grotesk wie im fiktiven Dorsia. Um unsere Bewunderung für das literarischen Œuvre von Bret Easton Ellis zu dokumentieren, beginnen wir unsere kulinarische Tour de Force natürlich standesgemäß mit einer köstlichen Seeigel-Kreation aus dem Hause Starr!

Als nächsten Gang serviert uns Chefkoch Daniel Rose eine paar Stangen pochierten Lauch mit Haselnüssen. Ein wahrlich köstliches kleines Horsd’œuvre, das mit seiner kargen Schönheit schon fast an die ätherische Simplizität eines abstrakt-expressionistischen Mark-Rothko-Farbfeld-Gemäldes erinnert. Allerdings ist die Mook Redaktion etwas unschlüssig, ob die schlichten Strünke in Deutschland von jedem Gast sofort in seiner archaischen Erhabenheit verstanden werden würden. Wir sind jedenfalls mit unseren Versuchen, Solitär-Gerichte wie Carottes Rapées oder Céleri Rémoulade im Mon amie Maxi zu installieren, kläglich gescheitert.

Als nächstes entscheiden wir uns für eine Tomates à l’Antiboise. Das monochrome Nachtschattengewächs ist die materialisierte Antithese zur aktuell so beliebten Pipetten-Küche. Nach Myriaden von Dots, Brushstrokes, Airs und sphärisierten Liquids ein wahrhaft erfrischend schlichter Anblick.

Gefüllt ist die köstliche Tomaten-Sphäre mit Thunfisch, Oliven, Gewürzgelatine und den traditionellen Kräutern der Provence. Eine wahrlich delikate Ouvertüre.

Ja, Ihr seht richtig, es gibt im Le CouCou tatsächlich ein Coquille Saint Jacques-Ceviche.

Das köstliche Kalbsbries wird vom Meister in einer mit Estragon aromatisierten Tomatenreduktion gereicht. Das sublime Säurespiel der tomatisierten Butter-Sauce korrespondiert hervorragend mit der cremigen Konsistenz der lymphatischen Thymus-Drüse. Das Kalbsbries im Le CouCou steht damit geschmacklich dem Ris de Veau im Mon amie Maxi in nichts nach.

Gerichte wie Pilotfisch mit Tulpen und Zimt und Freiland Tintenfisch findet man zwar nicht auf der Speisekarte des Le CouCou, dafür ist der klassische Rochen-Flügel mit süßer Paprika-Kapern-Vinaigrette umso köstlicher.

Als nächstes serviert uns der Meister eine Seezunge à la Véronique. Die köstliche Véronique-Sauce besteht klassisch aus Sahne, Fischfond, Noilly Prat, kernlosen grünen Trauben und einem Spritzer Zitronensaft. Somit ist die Zugabe von Pfifferlingen eine durchaus sinnvolle Kreativleistung von Chefkoch Daniel Rose. Übrigens soll Georges Auguste Escoffier das Véronique-Rezept angeblich nach der gleichnamigen Operette von André Messager benannt haben.

Auch ein paar handwerklich tadellose Lamm Koteletts finden sich auf der Karte des Le CouCou. Wer die schnörkellose französische Produktküche im Mon amie Maxi liebt, wird sicherlich auch das Le CouCou zufrieden verlassen.

Die verwöhnte New Yorker High-Society  bettelt täglich um Einlass. Die Kritiker überschlagen sich vor euphorischer Begeisterung. Kein Wunder, dass die junge Crew extrem gute Laune hat. Der Herr im schwarzen T-Shirt ist übrigens Co-Owner und Chefkoch Daniel Rose.

Hier noch ein letzter Blick in die wundervolle Bespoke-Küche aus dem Hause Athanor Fourneaux.

Fin

Posted on Carnival by Tresind – Dubai

Als der Ivory Club vor über einer Dekade seine Pforten öffnete, wurden wir von allen nur belächelt. Wirklich niemand wollte damals glauben, dass eine exklusive indische Upscale-Formel in Deutschland performen könnte. Wir aber haben noch nie versucht, opportunistisch den Markt zu lesen. Wir wollten nicht einfach auf Nummer sichergehen und uns risikolos in die unendliche Phalanx der uninspirierten Shabby-Chic-Restaurants einreihen. Wir haben uns ganz bewusst entschieden, die finanzielle Komfortzone zu verlassen, um unseren tiefsten Überzeugungen zu folgen und couragiert etwas völlig Neues zu wagen. Unser mutiges Engagement wurde allerdings prompt belohnt. Sofort nach der Eröffnung wurde uns der begehrte  Fizzz-Award für das innovativste neue Gastronomie-Design verliehen. Auch überhäufte uns speziell die internationale Fachpresse geradezu überschwänglich mit Lob und Anerkennung. Glücklicherweise erkannte aber auch die hiesige Klientel schnell, dass hier im beschaulichen Frankfurt etwas ganz Besonderes vonstatten ging. Erstmalig war Mainhattan die Geburtsstädte einer international relevanten Restaurantformel geworden. Wir waren zwar praktisch mit allen unseren Konzepten immer die First-Mover in Deutschland, mit dem Ivory Club war uns allerdings noch etwas viel Dramatischeres gelungen. Mit dem Ivory Club haben wir es tatsächlich geschafft, erstmalig einen echten globalen Game-Changer am kulinarischen Weltmarkt zu etablieren. Die Formel „Englischer-Explorer-Club-im-kolonialen-Indien“ war zum damaligen Zeitpunkt etwas völlig Einmaliges. Nicht einmal im kolonial geprägten England gab es vergleichbare Konzepte. Erstaunlicherweise dauerte es trotz unseres überwältigen Erfolgs noch fast ein Jahrzehnt, bis mit dem umjubelten Gymkhana in London ein erstes vergleichbares Follow-up-Konzept die kulinarische Weltbühne betreten hat. Allerdings hat sich in diesem Zeitraum die indische Küche insgesamt angeschickt, die internationale Hospitality-Szene im Sturm zu erobern. Mittlerweile feiern die unterschiedlichsten indischen Restaurant-Konzepte rund um den Globus geradezu unglaubliche Erfolge. Als engagierte Pioniere dieses faszinierenden Trends verfolgen wir natürlich auch weiterhin die Entwicklung mit großer Freude und Akribie. Im Rahmen dieser Recherchen sind wir nun über ein ganz besonders kurioses indisches Restaurant-Konzept gestolpert. Das neue Carnival by Tresind in Dubai ist ein geradezu bizarres Mash-up aus kunterbuntem Kindergeburtstag, bizarrer Location und ambitioniertem Fine-Dining-Restaurant.

Angesiedelt ist das Carnival by Tresind im lebhaften Business-Hub DIFC. Der beliebte  Financial-District hat sich die letzten Jahre zu einem beeindruckenden gastronomischen Supercluster entwickelt. In einem Radius von nur wenigen Kilometern finden sich praktisch alle relevanten kulinarischen Global-Multiplayer wieder. Unteranderem so prominente Namen wie Zuma, Mint Leaf, Petite Maison, Gauchos, Robertos und Cipriani.

Vor einem Dinner im Carnival by Tresind lohnt es sich übrigens, ein wenig durch das nahegelegen DIFC-Center zu flanieren. Es befinden sich dort diverse spannende Galerien. Speziell Liebhaber der zeitgenössischen Kunst sollten sich dieses Vergnügen auf keinen Fall entgehen lassen. Hier sehen wir übrigens ein fotorealistisches Großformat der iranisch stämmigen Künstlerin Afshin Pirhashemi. Ihr oft kontrovers diskutiertes Œuvre beschäftigt sich primär mit starken Frauen in der postmodernen arabischen Welt. Die in Teheran arbeitende Malerin ist übrigens aktuell auf der künstlerischen Überholspur und wird unter Insidern schon seit geraumer Zeit als echter Blue Chip gehandelt.

Hier sehen wir das Entree zum Carnival by Tresind. Im ersten Moment erinnert uns das Foyer ein wenig an unseren Besuch im circushaften Ticket Restaurant der beiden Adrià-Brüder. Wie wir schnell feststellen, finden sich auch im weiteren Repertoire des Carnival by Tresind einige raffinierte Reminiszenzen an das avantgardistische Restaurant-Konzept in Barcelona. Offensichtlich haben die Betreiber des Carnival by Tresind ihre Hausaufgaben gemacht und einige sehr inspirierende Recherche-Reisen nach Spanien unternommen.

Als in jeder Facette vorbildliche Gäste versuchen wir natürlich immer eine opulente Rechnung zu produzieren. Aus diesem Grund glühen wir erst einmal mit ein paar Drinks an der Carnival-Bar vor.

Das Interieur im Carnival by Tresind ist ein fröhlicher Wirrwarr aus schwarz-weißen Razzel-Dazzel-Teppichen, kunterbunten Stühlen, goldenen Kunstbäumen und grazilen Stahl-Jurten. Das internationale Publikum scheint diesen architektonischen Spagat offensichtlich zu goutieren. Bei unserem Besuch platzte das Carnival by Tresind jedenfalls förmlich aus allen Nähten.

Indien gilt unter Experten schon lange nicht mehr nur als die Heimat der facettenreichsten Ethnoküche der Welt, sondern auch das Land der tausend Brote. Bei den meisten Deutschen erschöpft sich das Wissen über die indische Brotkultur meistens schon bei Pappadam, Chapati, Naan, Roti, Paratha und Dosa. Darüber hinaus gibt es aber noch Luchi, Sheermal, Appam, Bakshalu, Baati, Kachori, Puran, Taafttan, Thalipeeth, Uttapam und Sanna. Die Liste könnte man an dieser Stelle noch fast unendlich weiterführen. Selbst den geschulten Mitgliedern der Mook Redaktion ist es nicht möglich, die gesamte Vielfalt der indischen Brotwelt in voller Gänze zu überschauen. Das Carnival by Tresind greift das Brot-Thema schon geschickt beim Amuse-Geule auf. Der köstliche kleine Masala-Bread-Swirl wird auf einem winzigen Plastik-Bonsai-Garten serviert. Das Ganze erinnert aufmerksame Mook-Magazin-Leser natürlich sofort an die Hibachi-Wagyu-Beef-Präsentation im Pakta. Offensichtlich haben die Carnival by Tresind-Betreiber auch die spektakuläre Nikkei-Formel der beiden Adria Brüder besucht. Geschmacklich ist das frisch gebackenen Brot übrigens köstlich.

Pani Puri, auch bekannt als Pani Poori, Phoochka, Gol Gappa oder Gup Chup sind in Indien äußerst beliebte Road-Side-Snacks. Das Wort Pani Puri bedeutet wörtlich übersetzt „Wasser im gesottenem Brot“. Dementsprechend besteht das filigrane Gebilde aus einem kross frittierten Fladenbrot-Körbchen, das mit einer kühnen Mischung aus pikanten Kartoffeln, Kichererbsen, Granatapfelkernen, Tamarindensauce und Raita befüllt wird. Der köstliche Happen bespielt damit geschickt fast alle Geschmäcker und Aggregatzustände: süß und sauer, kühl und warm, spicy und mild, knusprig und soft, cremig und knackig.

Das Carnival by Tresind hat das mittlerweile viral gegangene Table-Action-Dessert-Sujet des legendären ALINEA in Chicago als Template für seine effektvolle Pani-Puri-Präsentation gewählt. Der Koch fährt dabei mit einem imposanten Servierwagen vor, auf dem sich eine große Pani-Puri-Sphäre befindet. Danach finished er das filigrane Gebilde mit allerlei Saucen, Stuffings und einer Unmenge an flüssigem Stickstoff. Als Nächstes hebt er das so präparierte Pani Puri in die Luft, um es anschließend mit einem furiosen Paukenschlag zu zerschmettern. Das so dekonstruierte Pani Puri schmeckt exzellent und erreicht geschmacklich fast schon die Perfektion des legendären Ivory Club-Pani Puris. Hier könnt Ihr Euch ein kleines Handy-Video der erstaunlichen Performance anschauen.

Hier haben wir zum Vergleich noch ein Foto des original Ivory Club-Pani Puri in den Bericht eingebaut. Soviel wir wissen sind wir übrigens deutschlandweit die Einzigen, die einen solchen imposanten XL-Pani Puri auf ihrer Speisekarte feilbieten. Falls wir uns an dieser Stelle doch irren sollten, schreibt uns doch bitte eine kleine Mail an: info@mook-group.de

Ein Besuch im Carnival by Tresind ist eine gastronomische Fiesta, die die Grenzen des gehobenen Dinierens bei weitem überschreitet! So steht es jedenfalls vollmundig auf der Webseite des Carnival by Tresind. Was die Betreiber damit meinen, zeigt folgende Speisepräsentation besonders exemplarisch. Ein als Bob der Baumeister verkleideter Carnival-Koch fährt mit einem infantilen Stillleben aus Spielzeugkran, Kinderbagger und Werkzeugkiste vor, um dort vor den Augen des staunenden Publikums eine imposante Vada-Pav-Zeremonie zu zelebrieren.

Beim indischen Vad Pav handelt es sich um einen kleinen vegetarischen Slider-Burger, der ähnlich wie eine osmanische Kumpir nach Belieben bestückt werden kann. Der köstliche Imbiss gehört zur Gruppe der sogenannten Chaats, kleine tapasartige Happen, die auch gerne am Straßenrand verzehrt werden. Der Vada-Pav-Burger ist speziell in der quirligen Millionenmetropole Mumbai beliebt und gilt dort unter Nachtschwärmern als der perfekte Sober-up-Snack.

Hier sehen wir nun einen fertig präparierten Vada Pav-Burger. Der handliche Street-Food-Snack ist wahrhaft ein buntes Füllhorn an Aromen und Texturen. Kein Wunder, dass der kleine Happen so beliebt ist.

Wer nun denkt, dass es sich beim Carnival by Tresind lediglich um einen kulinarischen Karneval handelt, irrt gewaltig. Die handwerkliche Qualität der Speisen ist exzellent. Besonders die sublim abgeschmeckten Curry-Gerichte können die Mook Redaktion begeistern. Ob mildes Korma-Chicken oder würziges Lamm-Jalfrezi, das Carnival by Tresind beherrscht wahrlich virtuos die komplexe Kunst der Curry-Zubereitung. Hier steht das Carnival by Tresind dem Ivory Club in fast nichts nach. Lediglich bei einer Sache ist sich die Mook Redaktion einig: das Vindaloo-Curry im Ivory Club bleibt auch weiterhin unangefochten das absolute Referenzgericht für couragiert kalibrierte Curry-Gerichte.

Während wir diesen Artikel verfassen erreichen uns übrigens sehr interessante Neuigkeiten aus Dubai. Das Carnival Mothership Tresind wurde gerade vom der Jury des beliebten TimeOut Magazins zum Besten indischen Restaurant der Wüstenmetropole gewählt. Ein wahrlich grandioser Erfolg, speziell wenn man bedenkt, dass Dubai nach London die besten indischen Restaurants der Welt beheimatet. Dabei reicht das Spektrum vom günstigen Curry-Shack bis zum absoluten High-End-Inder. Bei unseren Ivory Club-Recherchen sind uns dabei folgende Adressen besonders positiv in Erinnerung geblieben: Indego by Vineet Bhatia, Mint Leaf of London, Amal, Rang Mahal by Atul Kochhar, Nina und natürlich das grandiose Signature by Sanjeev Kapoor. Alle eben genannten Restaurants können wir ebenfalls uneingeschränkt empfehlen.

Einziger Kritikpunkt an diesem Curry ist die üppig dosierte Daikon-Kresse. Die Sprossen erzeugen ein irritierendes Mundgefühl und gehören einfach nicht auf Currys. Wir entschließen uns deshalb, die Daikon-Blätter mühsam händisch vom Teller zu klauben.

Natürlich darf zu einem echten indischen Curry kein Naan Brot fehlen. Die köstlichen Teigfladen werden übrigens später auf der Rechnung als Bread Pitt aufgeführt.

Wie das kulinarisch geschulte Auge unschwer am verwaisten Nachbartisch erkennt, plündert das Carnival by Tresind auch noch ungeniert die original Table-Aktion-Dessert-Präsentation aus dem kulinarischen Repertoire von Grant Achatz. Die Idee auf einen Pani Puri zu übertragen war noch eine durchaus originelle Transferleistung, beim Dessert sind wir hier etwas anderer Meinung. Ohnehin hat sich die Vorführung mittlerweile sehr inflationär verbreitet. Erst kürzlich wurde uns im „Duchess“ Amsterdam ebenfalls eine leicht abgespeckte Alinea-Dessert-Hommage kredenzt.

Im Carnival by Tresind wird die Rechnung natürlich nicht in einem profanen Mäppchen gereicht.