Posted on Das kantonesische Restaurant Lili, Paris

Heimlich, still und leise hat die spektakuläre kantonesische Restaurant-Formel „Lili“ ihre Pforten in Paris geöffnet. Ein wirklich sehr erstaunlich ruhiger Prozess, speziell wenn man bedenkt, dass die beindruckende Venue mit ihrer opulenten Ausstattung die Standards für Chinoise-Chic-Design völlig neu definiert. Selten hatten wir das Vergnügen, für Euch in einer ähnlich atemberaubenden Location zu recherchieren. Als verantwortlichen Innenarchitekt konnten die Betreiber den genialen Henry Leung gewinnen. Der kreative Mastermind ist ein langjähriger Mitgesellschafter der in Hong Kong ansässigen Designstudios Chhada, Siembieda & Associates Ltd. Das Portfolio der Kreativschmiede umfasst mittlerweile über einhundert spektakuläre Projekte. Beispielsweise stammt das Four Season in New York, das Banyan Tree in Macau und das Okura Prestige in Taipei aus dem Think-Tank der legendären Designstudios.

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Das Lili ist eines von drei Hotelrestaurants im neu eröffneten Penisula Hotel. Die kleine aber sehr feine Mini-Hotelkette hat sich mit ihrem Outlet in Paris einiges vorgenommen. Man möchte angeblich für die nächsten 50 Jahre das Segment der absoluten Luxus-Hotels in Paris dominieren. In Anbetracht der Tatsache, dass demnächst auch noch das ehrwürdige Ritz Hotel wieder seine Pforten öffnet, ein sehr ambitioniertes Vorhaben. Zimmer der billigsten Kategorie sind übrigens schon zum unglaublichen Schnäppchenpreis von knapp 1000,- Euro pro Nacht zu haben. Einem baldigen Besuch steht also nichts mehr im Wege. Wer übrigens mehr über das Penisula Hotel Paris erfahren möchte, sollte unbedingt noch einmal im aktuellen Mook Magazin V nachlesen. Den Download-Link für unsere kleine Hausgazette findet Ihr übrigens hier auf dem Mook Blog unter der Rubrik „Editionen“.

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Vor die historische Fassade des Penisula Hotels wurde eine hypermoderne geometrische Stahlüberdachung angebracht. Ein wirklich sehr gewagtes architektonisches Stilmittel. Ganz im Geiste des Feng Shui stehen genau wie im Zenzakan zwei Shíshī Löwen am Eingang des Penisula. Die Wächterlöwen sind übrigens nicht etwa simpler Kulissenbau, sondern wurden aus einem einzigen massiven Marmorblock geschlagen.

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Auf dem Weg ins Lili durchschreitet man die imposante Lobby des Hotels. Epizentrum der Halle bildet dabei eine Glasskulptur von Luděk Hroch. Der klassisch in Novy Bor ausgebildete Glasbläser hat schon diverse Hotels mit seinen unverwechselbaren Kunstwerken ausgestattet. Beispielsweise stammt der imposante Glas-Torpedo im Aliante Casino in Las Vegas aus dem Atelier des begnadeten Meisters. Das majestätisch levitierende Glas-Objekt „Dancing Leaves“ besteht aus 800 aufwendig mundgeblasenen Platanen-Blättern. Die fragile Installation zeigt, wie die transparenten Blätter nach einer imaginären Windböe nun wieder scheinbar sanft in einen friedlichen Marmor-Teich taumeln. Beim langsamen Umrunden des statischen Clusters hat man fast ein wenig das Gefühl einer Bullet-Time-Illusion. Sicherlich hätten auch die Wachowski-Geschwister ihre Freude an dieser erstaunlichen Installation. Ein wirklich gelungenes Entree.

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Als empathische Kollegen und vorbildliche Gäste versuchen wir natürlich immer, eine anständige Zeche zu produzieren. Aus diesem Grund glühen wir erst einmal mit ein paar Drinks an der Hotelbar des Penisula vor. In der Stadt der Liebe ist es übrigens nicht sehr schwer, die lokale Hospitality-Industrie respektvoll zu unterstützen. Wer beispielsweise plötzlich Lust auf einen 24-Euro-Gin-Tonic verspürt, muss in Paris nicht sehr lange danach suchen. In Deutschland würde sich eine ähnliche Recherche sicherlich dramatisch schwieriger gestalten. In Frankfurt findet man ja nicht einmal ein anständiges 15-Euro-Bier! Allerdings benötigt das schwer gebeutelte Gastgewerbe in Frankreich auch dringend jede Hilfe. Neuerdings müssen die französischen Wirte ja die Hälfte der in Deutschland anfallenden Steuerlast tragen. Über dieses bizarr anmutende Thema habe wir ja schon häufiger ausführlich referiert.

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Die Entscheidung, Henry Leung mit der Gestaltung des imposanten Refektoriums zu beauftragen, war ganz offensichtlich ein bravouröser Schachzug. Insgesamt erinnert die Location fast ein wenig an ein extrem aufwendig gestaltetes Szenenbild der Peking-Oper. Die schweren Samtvorhänge und das dramatisch arrangierte Lichtkonzept unterstreichen diesen theatralischen Charakter noch. Auch spürt man im jedem noch so kleinem Detail die völlige Abwesenheit monetärer Zwänge. Wohin das Auge auch schweift, überall erblickt man nur edelste Materialien und hochwertigste Handwerkskunst.

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Der talentierte Mr. Leung hat es wirklich virtuos verstanden, die hallenartige Location in ein geradezu fulminantes Fest der Sinne zu verwandeln. Speziell die prachtvolle Chinoiserie bildet dabei einen extrem spannenden Kontrast zur barocken Architektur des Raums.

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Man darf wirklich gespannt sein, wie Alan Yau mit seiner demnächst eröffnenden Chinoise-Chic-Formel „Park Chinoise“ dagegenhalten will. Auch hier kursieren ja aktuell die wildesten Gerüchte. Angeblich soll Alan Yau für den Ausbau der ehemaligen Automat-Location in Mayfair über 10 Millionen Euro bereitgestellt haben. Wir dürfen uns also auf eine geradezu epische Materialschlacht freuen. Die Mook Redaktion wird Euch bei diesem Kampf der Titanen selbstverständlich auf dem Laufenden halten.

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Wie eine überdimensionale Flugzeugturbine überspannt eine pittoresk zerklüftete Kuppel das imposante Refektorium. Das konkav gewölbte Gebilde entfaltet nach einigen Sekunden der kontemplativen Betrachtung fast einen ähnlichen hypnotischen Effekt wie der majestätisch rotierende Descension-Vortex von Turner-Preis-Träger Sir Anish Kapoor. Man hat förmlich das Gefühl, in den Schlund des Sarlacc zu blicken, während man genüsslich an seinen exotisch marinierten Schweinerippchen nuckelt. Selten treffen Kulinarik und spektakuläre Architektur dermaßen eklatant aufeinander.

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Noch ist Feres Ladjimi, der Executive Manager der Mook Group, bester Laune. Ob es so bleiben wird?

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Als exklusive Stäbchenbank dient eine winzige silberne Song-Dschunke. Hier ist offensichtlich jemand genauso detailverliebt wie die Mitglieder der Mook Redaktion. Leider ist es hierzulande kaum möglich, mit solchen wundervollen Miniaturen zu arbeiten. Deutsche Gäste sehen es offensichtlich als eine Art sportliche Pflicht an, Dinge aus Restaurants zu entwenden. In den Steakhäusern der Mook Group verschwinden beispielsweise jedes Jahr auf mysteriöse Weise mehrere Hundert Steakmesser.

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In der Spiegelung der silbernen Cloche haben aufmerksame Leser die seltene Möglichkeit, einen kurzen Blick auf die schemenhafte Silhouette des CEO  der Mook Group zu erhaschen. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, den amtierenden Entrepreneur des Jahres bei seinen mühseligen Recherchen zu beobachten?

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Nun aber genug parliert. Beginnen wir nun mit unserer eigentlichen Aufgabe. Als erstes werden der Mook Redaktion marinierte Beinscheiben kredenzt. Der stark gelatinehaltige Aufschnitt ist kalt und die Konsistenz lässt sich wunderbar anhand der Optik ablesen. Ein Gericht besonders für Liebhaber dieser Spezialität.

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Hier sehen wir einen bilateralen Dialog zwischen Ente und Schwein.

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Als Zwischengang entscheiden wir uns für die Peking-Ente. Der Vogel überrascht vor allem durch seine fast pechschwarze Haut. Eine ähnlich dunkel kolorierte Peking-Ente wurde dem Mook Culinary Research Team noch nie kredenzt. Wer übrigens mehr über die aufwendige Herstellung der Peking-Ente erfahren möchte, sollte unbedingt einmal unseren faszinierenden Bericht über die chinesische High-End-Formel „HKK by Hakkasan“ lesen. Ihr finden den Artikel übrigens problemlos über die Suchleiste des Mook Blogs. Einfach folgenden Suchbegriff eingeben: HKK DAS NEUE HIGH-END KONZEPT DER HAKKASAN GROUP

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Die Ente wird fachmännisch vom Servicepersonal am Tisch tranchiert.

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Hier sehen wir die mit Entenhaut, Lauch, Gurke und Hoi-Sin-Sauce gefüllte Pancake-Tasche. Wahrlich ein Bag of eternal Wisdom! Bildschirmfoto 2015-02-21 um 10.09.08

In authentischen chinesischen Entenrestaurants wird die Ente traditionell in mehreren Gängen serviert. Besonders beliebt bei den Chinesen sind dabei neben der Haut auch die Entenfüße, halbierte Entenköpfe und natürlich die köstlichen Entenzungen. Die Küche im Lili ist allerdings offensichtlich eher auf die wenig experimentierfreudigen Gaumen der christlich sozialisierten Langnasen ausgelegt. Das Restaurant beschränkt sich deshalb darauf, die Enten in lediglich zwei Gängen zu servieren. Allerdings überlässt das Lili dem Gast die Wahl der Zubereitung seines zweiten Ganges. Wir überlegen nicht lange und entscheiden für die knusprige Variante mit Salt-n-Pepper.

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Als nächstes serviert uns unsere entzückende Kellnerin Schweinefleisch süß-sauer. Was ein wunderbar nostalgischer Klassiker.

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Knackige Sichuan Garnelen gibt es im Lili auch.

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Das Poulet Croustie macht seinem Namen alle Ehre. Selten durften wir ein ähnlich krosses Stück Geflügel für Euch degustieren. Wir glauben sogar, dass das Poulet Croustie im Lili durchaus an die Qualität des Tea-Smoke-Chicken im Yuan Dubai heranreicht.

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Hier noch einmal ein schönes Close-up.

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Der Tag war lang und unser bescheidener Lunchbreak im Atelier Robuchon nur sehr spärlich. Aus diesem Grund brechen wir ausnahmsweise einmal unsere eigene Regel und bestellen als kohlenhydrathaltige Sättigungsbeilage eine Portion gebratenen Reis. Die Beilage schlägt übrigens mit nicht einmal 30 Euro zu Buche. Es gibt jetzt sicherlich den einen oder anderen Laien, der knapp 30,- Euro für ein bisschen gewokten Reis als recht ambitioniert kalkuliert empfindet. Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass der Reis auch Erbsen und ein paar winzige Garnelenstücke enthält. Es ist wirklich immer wieder erstaunlich, dass in anderen Ländern offensichtlich eine ganz andere Bereitschaft herrscht, für Lebensmittel auch tatsächlich Geld auszugeben.

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Als Dessert entscheiden wir uns für ein kleines Mango-Süppchen.

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Hier noch ein kleiner Blick auf den Chef`s Table.

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Mission Accomplished! Wir haben es geschafft, zu zweit eine recht passable Rechnung zu produzieren. Jetzt müssen wir nur noch zahlen. Wer übrigens schon einmal in China versucht hat, in einer größeren Runde die Rechnung zu begleichen, kennt das immer gleiche Ritual. Mit geradezu sportlichem Einsatz drängen alle Teilnehmer der Gruppe der Kellnerbrigade Geldbündel und Kreditkarten auf. Jeder möchte die Ehre haben, die anderen Teilnehmer einzuladen. Manch einer verabschiedet sich sogar fünf Minuten vor Ende des letzten Gangs auf die Toilette, allerdings nicht um dort seine Notdurft zu verrichten, sondern um heimlich die komplette Zeche zu begleichen. Die in Deutschland verbreitete Sitte, getrennt zu zahlen, ist in China dagegen völlig verpönt. In China gilt Geiz als große Schande und niemand möchte als Pfennigfuchser gelten. Es gibt sogar Restaurants, die nur deshalb extrem hohe Preise verlangen, damit Gastgeber die Möglichkeit haben, ihrem Wirt gebührend Respekt zu zollen und damit ihre immense Großzügig noch eindrucksvoller unter Beweis zu stellen. Mit diesem faszinierenden Geschäftsmodell würde man in Deutschland sicherlich kläglich scheitern.