Posted on Smith & Wollensky London

1997 eröffnete die Mook Group mit dem M-Steakhouse das erste echte upscale Steakhouse nach US-amerikanischem Vorbild in Europa. Eine Pionierleistung mit allem, was zu einem richtigen US Steakhouse dazugehört. Wir waren die absolut ersten, die sich ernsthaft mit der Maillard-Reaktion, Steakreifung und ethisch produzierten Premium Steaks aus den USA beschäftigt haben. Unsere Ideen und Anregungen fanden wir damals in den Metropolen Amerikas. Nun hat die wohl bekannteste amerikanische Steakhouse-Formel Smith & Wollensky ihre erste Filiale in London eröffnet. Wirklich sehr erstaunlich, dass es tatsächlich bis 2015 gedauert hat, bis das erste wirklich relevante US Steakhouse Europa erreicht hat. Natürlich musste das Mook Culinary Research Team sofort aufbrechen, um für Euch das nagelneue Outlet des legendären Steakhhouse-Brands unter das gestrenge Mookular zu nehmen. Leserbriefe sind an dieser Stelle übrigens völlig überflüssig. Der Mook Redaktion sind selbstverständlich auch die zaghaften Versuche des Palms, des Cuts und des STK´s bekannt.

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Heutzutage wimmelt es ja nur so von Steak-Experten, Dry-Aged-Spezialisten und selbsternannten Meat-Sommeliers. Praktisch jeder hat mittlerweile eine Batterie Beefer auf der Terrasse installiert und lässt seine Steaks in einer aufwendig konstruierten Himalaya-Salz-Saline im Keller reifen. Man spricht heute wie selbstverständlich über intramuskuläre Liposom-Cluster, Affinage und die perfekte Humidity. Als wir aber vor knapp zwanzig Jahren das M-Steakhouse eröffneten, sah in Europa die Steakwelt noch völlig anders aus. Fleisch musste zum damaligen Zeitpunkt vor allem billig und mager sein. Die amerikanische Steakhouse-Kultur war insgesamt noch ein Buch mit sieben Siegeln.  Außer uns kannte praktisch auch noch niemand Peter Luger, Gibsons oder gar das Bern`s Steakhouse. Wenn überhaupt sprachen uns damals die Gäste auf das Smith & Wollensky in Midtown Manhattan an. Auch heute noch ist Smith & Wollensky sicherlich das bekannteste Steakhouse in New York. Das zweigeschossige Stammhaus auf der 3rd Avenue ist allerdings auch ein wahrlich markantes Landmark und wirkt in den pittoresken Wolkenkratzerschluchten des Big Apple wie ein bizarrer Anachronismus. Kein Wunder, dass Smith & Wollensky die unverwechselbare Silhouette des Gebäudes noch heute als Logo für alle Filialen der Kette nutzt.

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Das Smith & Wollensky London befindet sich im legendären Adelphi Komplex. Das imposante Art-Deco-Juwel wurde bereits 1772 fertig gestellt und war das erste neoklassische Bauwerk auf dem Victoria Embankment überhaupt. Das von den Gebrüdern Adam entworfene Gebäude dient übrigens bis heute der Royal Society of Arts als beeindruckendes Hauptquartier. Auch lies Charles Dickens sein alter Ego David Copperfield freundlicherweise einige Zeit im Adelphi House residieren. Einer der wenigen erquicklichen Umstände im eher trübseligen Dasein des schwer gebeutelten Protagonisten.

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Das gelungene Interior verschmilzt geschickt klassische Designelemente der Smith-Wollensky Steakhäuser mit der historischen Art-Deco-Kulisse des Adelphi Komplexes. Optisches Highlight bildet dabei ein wunderschönes Diptychon im hinterm Teil des glamourösen Speisesaals. Das Sujet erinnert durch seine scherenschnittartigen Silhouetten und das monochrome Farbspiel natürlich sofort an ein Szenenbild des traditionellen Wayang Kulit. Das Motiv zeigt allerdings bei näherer Betrachtung eine extrovertiert feiernde Partygesellschaft in den Roaring Twenties und ist ganz offensichtlich eine Reminiszenz an Erté alias Romain de Tirtoff, dem legendären Visionär des expressiven Dekorativismus.

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Verantwortlich für diesen virtuosen architektonischen Spagat ist übrigens der umtriebige Shootingstar Martin Brudnizki. Der agile Workaholic ist momentan wirklich in aller Munde und vollendet souverän eine spektakuläre Venue nach der anderen. Erst kürzlich präsentierte der begnadete Interior-Designer der staunenden Weltöffentlichkeit sein grandios geglücktes Makeover der legendären Restaurant-Ikone „The Ivy“.  Aufmerksame Mook-Magazin-Leser werden sich in diesem Kontext sicherlich auch noch lebhaft an unseren Bericht über die neue Scarfes Bar im wunderbaren Rosewood Hotel erinnern.  Wer sein Gedächtnis noch einmal etwas auffrischen will, findet den Artikel über das erstaunliche Watering Hole übrigens problemlos über die Suchleiste des Mook Blogs.

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Das Smith & Wollensky Steakhouse wurde erstaunlicherweise nicht von Charlie Smith und Ralph Wollensky gegründet. Die wahren Founder Alan Stillman und Ben Benson suchten die Nachnamen laut Legende völlig willkürlich aus dem New Yorker Telefonbuch aus. Die Vornamen wiederum waren die Namen der beiden Hunde von Alan Stillman. Aufmerksame Carnivore-Connoisseur-Chronicle-Leser wussten das natürlich alles schon längst.

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Das Smith & Wollensky Steakhouse ist ein ein wahrer Fleischtempel. Der Claim der Kette lautet dementsprechend auch: If Steak were a Religion, this would be its Cathedral. Nicht ohne Grund wählte deshalb Bret Easton Ellis das legendäre Steakhouse als Kulisse für ein Treffen zwischen seinem psychopathischen Protagonisten Patrick Bateman und dem hartnäckigen Detective Donald Kimball. Jeder der sich ein wenig mit dem Œuvre des Meisters beschäftigt hat, erkennt hier natürlich sofort die subtile Analogie.

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Auch ist hinlänglich bekannt, dass der sagenumwobene Starinvestor Warren Buffett seinen legendären „Power Lunch“ am liebsten im Smith & Wollensky abhält.  Zahlungskräftige Fans der Investmentlegende dürfen sich dabei den Rat des Meisters erteilen lassen. Die Treffen mit Mister Buffett werden jedes Jahr bei Ebay versteigert. Manche Jünger des Börsen-Orakels lassen sich den Spaß sogar einige Millionen Dollar kosten. Angeblich wurden sogar schon einmal  knapp 4 Millionen Dollar für einen Lunch mit dem Chef von Berkshire Hathaway gezahlt.  Ein „Power Lunch“ mit Warren Buffett dürfte damit ohne Zweifel das teuerste Mittagessen der Welt sein. Die eingenommenen Millionen gehen übrigens an diverse Wohltätigkeitsorganisationen in San Francisco.

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Hummer, Austern und Garnelen sind für uns einfache Otto Normalverbraucher nicht nur eine köstliche und kohlenhydratfreie Proteinquelle, sondern auch immer ein Sinnbild für Opulenz und Wohlstand. Wie wir ja alle kürzlich durch unsere informative Belga-Queen-Reportage lernen durften, gilt diese Regel in Brüssel allerdings nicht. Dort sind die edlen Krustentiere nämlich das täglich Brot unserer emsigen Eurokraten. Man bezeichnet Hummer deshalb in Brüssel auch gerne liebevoll als: The Chicken of the Sea. Den Artikel über die Belga Queen findet Ihr übrigens auch problemlos über die Suchleiste des Mook Blogs.

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Hier sehen wir einen köstlichen Smith & Wollensky Wedge Salat. Es verwundert die Mook Redaktion immer wieder, dass Blauschimmelkäse so fabelhaft mit kühlem Iceberg-Salat korrespondiert. Wusstet Ihr eigentlich, dass wir nicht nur Caesar Salat erstmalig in Deutschland angeboten haben, auch ein Wedge Salat stand zum ersten Mal in Deutschland auf einer Mook Speisekarte. Im Ivory Club servieren wir übrigens noch heute eine Wedge-Variante mit Tandoori Chicken. Das skurrile Hybrid-Gericht funktioniert erstaunlich gut und hat schon viele treue Anhänger gefunden.

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Auch ein asiatisch inspirierter Thunfisch Tatar findet sich auf der Speisekarte des Smith & Wollensky.

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Das Sirloin überzeugt durch eine filigran ziselierte Marmorierung. Der opulente Body verfügt über eine angenehm fragile Viskosität. Man schmeckt sofort reifen Mais und adstringierendes Hämoglobin. Bei dem Sirloin handelt es sich ohne Zweifel um trocken gereiftes Beef amerikanischer Provenienz. Das Steak ist wirklich exzellent und kann sich durchaus mit der Qualität im M-Steakhouse und dem Surf `n` Turf messen. Dabei kostet das Steak im Smith & Wollensky nur etwa 50 Prozent mehr als in den Filialen der Mook Group.

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Das Cajun-Style Bone-in-Rib-Eye ist sicherlich nichts für wahre Steak-Puristen. Fans der pikanten Dixieland-Küche werden aber auch hier ihre Freude haben. Im M-Steakouse und dem Surf `n`Turf  aromatisieren wir übrigens nur die etwas weniger herzhaften Tenderloin-Stücke mit einem Cajun-Seasoning. Damit paart man perfekt die pikanten Südstaaten-Aromen mit der Zartheit eines Filets. Ein Rib Eye wird von uns nur auf ausdrücklichen Kundenwunsch mit einem Spice-Rub versehen.

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Das Smith & Wollensky in London serviert aus uns unerfindlichen Gründen nur Rinderfilet aus Schottland. Man erkennt das allerdings auch sofort an Geschmack und Duktilität.

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Auch getrüffelte Mac „n“ Cheese finden wir auf der Speisekarte. Die hochkalorische Beilage ist großzügig mit Frank-Bruni-Kryptonit getränkt und kross mit Pankoflocken gratiniert. Die Smith & Wollensky Spezialität steht übrigens fast auf jedem Tisch. Offensichtlich erfreut sich der üppige Snack großer Beliebtheit.

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Den Geschmack der Zwiebelringe kann man fabelhaft an Hand der Optik ablesen.

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Karotten gelten durch ihren extrem hohen glykämischen Index als ideale Weight Gainer. Wer also noch an seinem hippen Dadbod arbeitet, sollte unbedingt große Menge der orangenen Delikatesse verzehren.

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Smith & Wollensky produziert neuerdings offensichtlich auch Wein.

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