Posted on Tetou, Cannes

Chez Camille, Le Bacon und Tetou sind unbestritten die drei berühmtesten Bouillabaisse Restaurants der gesamten französischen Riviera. Im Zuge unserer mühseligen „Mon amie Maxi“ Studien mussten wir natürlich alle drei für Euch besuchen. Fleißige Mook Magazin Leser werden sich sicherlich noch lebhaft an unsere faszinierenden Reportagen über das „Chez Camille“ und das „Le Bacon“ erinnern. Nun findet dieses kulinarische Triptychon endlich seinen finalen literarischen Abschluss. Wir wünschen Euch nun viel Spaß beim dritten und letzten Teil unserer strapaziösen Bouillabaisse-Recherche.

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Das 1918 gegründete Tetou liegt lauschig in einer adretten Holzhütte direkt am Strand.

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Der Blick über den azurblau funkelnden Ozean ist Balsam für die geschundene Seele.

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Die kleine Strandhütte ist wirklich das ideale Refugium, um das süße Laissez-faire zu genießen.

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Das Tetou akzeptiert keine Kreditkarten. Auf diese Tatsache scheint das Restaurant offensichtlich sehr stolz zu sein. Überall finden sich mehrsprachige Hinweise auf diesen erstaunlichen Modus Operandi. Man sollte deshalb immer darauf achten, einige hundert Euro Bargeld bei sich zu tragen. Überhaupt haben wir bei unseren Frankreich Recherchen festgestellt, dass sich Bargeld an der Côte d’Azur noch immer großer Beliebtheit erfreut.

Speisekarten lügen nicht. Für einen kleines Tête-à-tête mit einem Fläschchen Wein sind in der charmanten Strandhütte ganz schnell mal 500,- Euro auf der Uhr.

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In der Spiegelung des Glasfensters können aufmerksame Beobachter übrigens die schemenhaften Silhouetten von Feres Ladjimi und die des amtierenden Gastronomen des Jahres erblicken.

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Ernest Cirio aka „Tetou“ oder “ Le roi de la Bouillabaisse“.

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Als Vorspeise entscheiden wir uns für die köstlichen Tomates à la provençale. Der mediterrane Gaumenschmaus kostet übrigens 35,- Euro. Es gibt sicherlich den einen oder anderen Laien, der 35,- Euro für ein paar warme Tomaten als recht ambitioniert kalkuliert empfindet. Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass die Tomaten üppig mit echten französischen Brotkrumen gratiniert wurden. Auch sind die Tomaten von einer erlesener Qualität. Es ist wirklich immer wieder faszinierend zu beobachten, dass in anderen Ländern ein ganz andere Bereitschaft herrscht, für hochwertige Lebensmittel auch tatsächlich Geld auszugeben.

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Auch die Butter wird im Tetou sehr großzügig portioniert.

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Als zweite Vorspeise entscheiden wir uns für einen Salade Niçoise. Der flinke Ober bereitet den erfrischenden Klassiker direkt vor den Augen der staunenden Gäste zu.

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Voilà, hier sehen wir das delikate Ergebnis. Genau wie im „Mon amie Maxi“, wird der Klassiker stilecht in einer Glasschüssel gereicht.

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Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Hier sehen wir schon einmal den wundervollen Teller. Wie man unschwer erkennt, wurde das kostbare Porzellan sehr liebevoll im avantgardistischen Orphismus-Stil gestaltet. Ein schönes Detail, das wir sehr wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Jetzt aber genug parliert. Nun wollen wir endlich zum eigentlichen Protagonisten kommen. Für die legendäre Bouillabaise im Tetou reisen schließlich Hollywood-Celebrities wie Brad Pitt, Francis Ford Coppola und Tilda Swinton um die halbe Welt.

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Die Bouillabaisse im Tetou liegt mit einem Preis von 148,- Euro schon deutlich im oberen Drittel. Auf Wunsch serviert das Tetou das leckere Süppchen allerdings auch in einer abgespeckten Version ohne Languste. Erstaunlich ist dann der reduzierte Preis. Die Bouillabaisse kostet dann nicht etwa 99,90 Euro oder gar 100,- Euro, sondern ganz exakt 104,- Euro. Hier wurde offensichtlich mit extrem spitzer Feder gerechnet. Der knallhart kalkulierte Preisschlüssel ist sicherlich eine interessante Lektüre.

Hier kommen wir zum ersten kleinen stilistischen Fauxpas. Leider wird die eigentliche Suppe in der berühmt berüchtigten Löwenkopf-Terrine kredenzt. Hier müssen wir wohl einen kleinen Abzug in der B-Note machen.

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Da nimmt man doch gerne mal eine Nase. Hier sehen wir Herrn Ladjimi übrigens beim Inhalieren des betörenden Odeurs. Die Bouillabaisse duftet allerdings nicht nur köstlich, sondern schmeckt auch ganz vorzüglich. Unsere Papillen erforschen wissbegierig die flüssige Ambrosia und entdecken subtile Anklänge von Anis und Lorbeer und köstliche Nuancen von herbem Safran. Die sublime abgeschmeckte Bouillabaisse im Tetou hat nicht umsonst ihren legendären Ruf. Wer allerdings mehr auf dicht gewebte und komplex konstruierte  Fischsuppen abfährt, ist sicherlich im „Mon amie Maxi“ etwas besser aufgehoben. Das ist letztendlich aber eine reine subjektive Geschmacksache. Etwas völlig anderes ist allerdings der Preis. Im „Mon amie Maxi“ kostet die Bouillabaisse objektiv ziemlich exakt 118,- Euro weniger als im Tetou.

Soylent brown is made out of fish! Bitte verzeiht, diese erstaunliche Tatsache haben wir Euch ja nun schon des Öfteren enthüllt. Das kleine Bonmot ist aber auch einfach zu köstlich.

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Traditionell werden die klassischen Bouillabaisse Fische à part serviert. Wer mehr über die Zubereitung der traditionellen Bouillabaisse erfahren möchte, sollte sich noch einmal unbedingt unsere Berichte über das „Chez Camille“ und das „Le Bacon“ zu Gemüte führen. Ihr findet die Reportagen natürlich wie immer auf unserem Mook Blog unter der Rubrik „to eat“.

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Voilà, hier sehen wir das Gericht nun in voller Pracht angerichtet. Wer sollte hier behaupten, dass 148,- Euro viel Geld für dieses Kunstwerk sind? In Deutschland sind solche Preise dem breiten Publikum allerdings nur sehr schwerlich zu vermitteln. Bei uns im „Mon amie Maxi“ kostet die Bouillabaisse deshalb auch nur unglaublich günstige 29,90. Mit diesem Kampfpreis wären wir sicherlich mit weitem Abstand die billigste Bouillabaisse-Location der gesamten Côte d’Azur. Wie schon so oft beginnen wir darüber zu philosophieren, warum Fischgerichte diametral zur Logik und Entfernung zur Küste immer billiger werden müssen. Das bizarre Mysterium werden wir wohl nie lüften. Eine Seezunge im Tetou kostet übrigens sehr faire 99,- Euro.

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Das Tetou portioniert Brotkrumen und Butter mehr als großzügig. Bei der fabelhaften Baby-Languste hätten wir uns allerdings auch über etwas mehr nicht beschwert. Ein winziger Biss und das Ding ist nur noch Teil unserer Stoffwechselvorgänge.

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Wie Ihr ja schon alle durch unsere zahlreichen Berichte wisst, ist Rouille die traditionelle Begleiterin der Bouillabaisse. Wer sein Wissen über den delikaten Dip aber noch einmal auffrischen will, sollte unbedingt noch einmal unsere Berichte über das legendäre „Chez Camille“ inhalieren. Ihr findet die Reportage natürlich auf unserem Blog unter der Rubrik „to eat“. Aber das wisst Ihr ja schon.

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Die dehydrierten Brotscheiben dürfen natürlich auch nicht fehlen. Im „Mon amie Maxi“ entscheiden wir uns übrigens ganz bewusst gegen die in Frankreich übliche Convenience Variante und rösten unser Baguette frisch auf dem Lavastein-Grill. Das ist sicherlich nicht hundertprozentig authentisch, aber nach unserer bescheidenen Meinung einfach besser.

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Als traditionelle Sättigungsbeilage reicht das Tetou seinen Gästen im Fischsud gekochte Kartoffeln.

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Where all the magic happens. Durch die offene Küchentür können wir einen Blick auf den legendären Fischkochtopf des Tetou erhaschen. Erinnert Ihr Euch eigentlich noch an die rustikale Feuerstelle und den völlig verbeulten Messing-Topf im Chez Camille? Hier im Tetou werden ganz andere Kaliber aufgefahren. Die maritime Strandhütte verlässt sich lieber auf moderne Großküchentechnik und polierte Edelstahlkessel.

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Hier noch ein letzter Blick in den charmanten Gastraum. Langsam heißt es wohl Adieu sagen und ein finales Resümee zu ziehen. Durch unsere intensiven Recherchen ist es uns gelungen, für Euch eine Bouillabaisse zu kreieren, die in nichts den großen französischen Vorbildern nachsteht – außer natürlich beim Preis. Ein spezieller Dank geht hier nach Ramatuelle. Im legendären Chez Camille durften wir dem Meister direkt in die brodelnden Töpfe schauen und konnten viele wertvolle Anregungen und Tipps mit nach Hause nehmen.

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FIN