Wir haben Euch erst kürzlich erklärt, dass man ganz einfach ein kleines Vermögen machen kann, indem man ein großes in die Gastronomie investiert. Nun gibt es die von Wirtschaftsnobelpreisträger William F. Sharpe entwickelte Sharpe Ratio, mit der sich recht gut ermitteln lässt, wie attraktiv ein Investment im Verhältnis zu seinem Risiko tatsächlich ist. Ein ungemein mächtiges Instrument, das Investoren hilft, Chancen und Risiken rational zu quantifizieren.
Nun kam uns die völlig unorthodoxe Think-out-of-the-Box-Idee, mithilfe eines simplifizierten Sharpe-Ratio-Modells einmal zu ermitteln, wie sinnvoll es tatsächlich ist, sein Geld als rational denkender Investor in die handwerklich seriös arbeitende Speisegastronomie zu investieren.
Die Sharpe Ratio, die typischerweise zwischen plus zwei für extrem attraktiv und minus zwei für total katastrophal schwankt, wurde ursprünglich für Finanzinvestments entwickelt. Dort arbeitet man mit gewaltigen Datenmengen, klar messbaren Renditen und relativ kontinuierlichen Kursschwankungen. Man kennt die Historie, kann Verteilungen beobachten und auswerten und hat liquide Märkte, die Preise in Echtzeit abbilden.
In der Gastronomie ist das ungleich schwieriger, weil sie extrem volatil ist, besonders anfällig für externe Schocks und es keine standardisierten Datenbanken gibt, die sämtliche Restaurants mit exakten Rendite- und Volatilitätskennziffern erfassen.
Wenn man allerdings weiß, wie hoch das belastbare Risiko ist, wie hoch die zu erwartende Rendite liegt und wie hoch der risikofreie Zinssatz aktuell ist, lässt sich die Sharpe Ratio trotzdem bereits mithilfe dieser drei einfachen Datenpunkte plausibel annähern. Glücklicherweise gibt es genau für diese drei Größen relativ belastbare Informationen.
Wir wissen beispielsweise, dass rund achtzig Prozent aller handwerklich arbeitenden Restaurants innerhalb der ersten fünf Jahre scheitern. Zudem bewegt sich die Vorsteuerrendite in der handwerklich seriös arbeitenden Speisegastronomie nach vielen Branchenkennzahlen seit Jahren in einem extrem niedrigen Korridor und liegt im Schnitt oft nur zwischen einem und drei Prozent. Wir kennen also nicht nur das strukturell hohe Ausfallrisiko, sondern auch eine gemittelte Jahresrendite von mageren zwei Prozent.
Für unsere Berechnung nutzen wir deshalb ein klassisches Bernoulli-Modell mit zwei Zuständen über fünf Jahre. Mit p = 0,8 tritt der wirtschaftliche Totalausfall ein, mit 1−p gelingt das Investment und erzielt im Erfolgsfall eine Gesamtrendite R, die sich aus der erwarteten Jahresrendite ergibt. Diese binäre Vereinfachung ist methodisch vertretbar, weil sie die entscheidende Investorenfrage auf den Punkt bringt: Überlebt das Restaurant die kritischen ersten fünf Jahre oder wird das eingesetzte Kapital weitgehend vernichtet?
Aus genau diesen Datenpunkten ergeben sich Erwartungswert und Streuung direkt, gemessen am periodenkonsistenten Vergleich mit der fünfjährigen Benchmarkrendite der Bundesanleihe. Setzt man die drei Werte so an, erhält man selbst unter optimistischen Annahmen das absurd negative Ergebnis einer zu erwartenden Fünfjahresrendite von minus 78 Prozent, einer Standardabweichung von rund 44 Prozent und einer absolut katastrophalen Sharpe Ratio von circa minus 2,05.
Unser trianguliertes Sharpe-Ratio-Modell ist im finanzmathematischen Sinne selbstverständlich keine feingranulare Berechnung, sondern lediglich eine heuristische Annäherung. Dennoch zeigt unsere Berechnung erstaunlich deutlich, dass ein rational kalkulierender Investor in einem maximal gastronomiefeindlichen Umfeld wie Deutschland kaum noch gute Gründe findet, sein Geld in die handwerklich seriös arbeitende Speisegastronomie zu investieren.
Wer jetzt noch tiefer in das Thema einsteigen möchte, sollte unbedingt auch noch diesen Artikel lesen, in dem wir einmal die Sharpe Ratio einer McDonald’s-Filiale trianguliert haben.
