Posted on Amazonico Madrid

In letzter Zeit haben uns diverse gut informierte Frequent-Eater euphorisch berichtet, dass die spektakuläre Restaurantformel Amazonico in Madrid aktuell für ordentlich Furore sorgt. Jetzt hat auch noch die englischsprachige Branchengazette Big Hospitality verkündet, dass die legendäre Doğuş Holding die weltweiten Amazonico-Franchise-Rechte erworben hat und nun plant, eine erste Spin-off-Unit am Londoner Berkeley Square zu eröffnen. Die Doğuş Holding hat bei ihrem Portfolio bisher immer ein exzellentes Händchen bewiesen, immerhin gehören zu ihrem erstaunlichen Asset mittlerweile so legendäre Hochfrequenz-Performer wie Zuma, Nusr-Et, Rüya, Masa, La Petite Maison, Roka und Coya. Die Erwartungen in das neue Superbrand-Joint-Venture sind deshalb entsprechend hoch. Auch liegt die neue Location genau zwischen dem Benares und dem Sexy Fish und befindet sich somit genau im sagenumwobenen Auge der weltweiten Hospitality-Branche. Einen prominenteren Ort für einen globalen Kick-off kann man unmöglich finden. Da wir aber bis zur Eröffnung in einem Jahr auf keinen Fall warten wollten, haben wir uns spontan entschlossen, ins Land der Angulas-Eater zu reisen, um dort für Euch schon einmal das original Amanzonico etwas genauer unter das Mookular zu nehmen.

Mit dem Namen Amazonico assoziiert man natürlich sofort die schwüle Hitze des Amazonas und die dichten Baumwipfel des brasilianischen Regenwaldes. Um das Dschungel-Thema aufzugreifen wurden große Teil der Decke und des Restaurants üppig mit künstlichem Blätterwerk, Schlingpflanzen und Farnen dekoriert. Man hat so fast das Gefühl, in einem opulenten subtropischen Al-Fresco-Gazebo zu dinieren.

Insgesamt erinnert das Restaurant mit seinen barocken botanischen Elementen, skurrilen 70er-Jahre-Zitaten und den rustikalen Masonry-Wänden wie ein wildes Mash-up aus Rainforest Cafe und einer Low-Budget-Version der Atrium-Terrasse im Reginalds. Dank einer raffinierten Lichtarchitektur funktioniert das bizarre Mischmasch aber erstaunlich gut.

Verantwortlich für das eklektische Jungle-Design sind die in Barcelona ansässigen Lázaro Rosa Violán-Studios. Aus dem Think-Tank der Kreativschmiede stammt beispielsweise auch das beindruckende Mango Tree in Washington DC, das rustikale Iberica in Canary Wharf und das lässige Industrial-chic-Konzept Les Chouettes in Paris. Bei dem ausgeklügelten Lichtdesign haben sich die Lázaro Rosa Violán-Studios allerdings Rat und Tat bei dem renommierten Lichtdesigner-Team von Light & Studio eingeholt. Die in Madrid, Shanghai und Mexico agierenden Licht-Experten sind unteranderem verantwortlich für das spektakuläre Lightseeting im street XO von Mastermind Dabiz Muñoz. Interessierte Leser können sich übrigens auf der Webseite von Light & Studio genau die komplexe Philosophie hinter dem raffinierten Beleuchtungskonzept des Amazonico erklären lassen. Eine recht spannende Lektüre.

Epizentrum und absolutes Highlight im Amazonico bildet aber die imposante Showküche. Hier wird alles an Küchen-Technik aufgefahren, was aktuell hip und angesagt ist. Es gibt einen traditionellen Irori Fire-Pit, Tandoori-Lehmöfen, einen Josper und einen typisch brasilianischen Churrasqueira-Horizontal-Grill.

Und wie es der opulente technische Overkill schon vermuten lässt, ist die Speisekarte ein geradezu groteskes Potpourri aller aktuell angesagten Ethno-Küchen. Es gibt hawaiianische Poke-Bowls, peruanisch inspirierte Quinoa-Salate, mexikanische Sea-Urchin-Guacamole, indische Tandoori-Naans, thailändische Kaeng Khiao Muscheln, japanisch marinierte Sake-Froschschenkel, brasilianische Rodizio-Spezialitäten und natürlich verfügt das Amazonica auch noch über einen großen Sushi-Counter.

Im Amazonica werden Fische gerne auf einem traditionellen japanischen Irori-Fire-Pit zubereitet. Auf einem lodernden Lagerfeuer Steckerlfisch zu grillen ist wohl die archaischste Form des Kochens. Man braucht lediglich etwas Sand, einige Holzscheite und einen Stock. Leider findet man aktuell nur wenige Restaurants, die sich dieser schlichten aber sublimen Methode bedienen. Eigentlich schade, denn ein offenes Lagerfeuer hat etwas sehr Kontemplatives. Ein Restaurant, das die Kunst der Steckerlfisch-Zubereitung perfektioniert hat, ist übrigens das Samad Al Iraqi in Dubai. Sicherlich werden wir Euch dieses faszinierende Konzept auch bald einmal in einer unserer nächsten Mookular-Berichte ausführlich vorstellen.

Über dem beindruckenden Churrasqueira-Grill rotieren gemächlich riesige Picanha-Spiese. Das Wort „Churrasco“ ist übrigens laut neuesten anthropologischen Studien lediglich eine onomatopoetische Lautmalerei, die das Zischen von in die Glut tropfendem Fett imitieren soll.

Die appetitlich kreisenden Ananas werden im Amazonico ebenfalls über einem feurig loderden Holzkohle-Feuer karamellisiert. Aufmerksame Mook-Magazin-Leser werden sich in diesem Kontext sicherlich noch lebhaft an Heston Blumenthals erstaunliche Rube-Goldberg-Hommage an den legendären Nouveau-Réalisme-Künstler Jean Tinguely erinnern.

Hier präsentiert uns der stolze Tandoori-Master eine Selektion seiner köstlichen Grilladen. Ein wahrlich appetitlicher Anblick.

Hier sehen wir Michaela Mook beim kritischen Studium der Speisekarte. Die First Lady des Mook Culinary Research Teams ist eine versierte Köchin und eine weitgereiste Feinschmeckerin. Die bizarre Rumble-in-the-Jungle-Karte im Amazonico verlangt aber auch ihr alles ab. Selten haben wir über eine Karte so gestaunt wie hier.

Die Froschenkel werden mit Sojasauce und Sake mariniert. Dazu serviert das Amazonica eine pikante Habanero-Chili-Sauce. Eine wahrlich kühn konstruierte Fusion-Kreation. Die Mook Redaktion vermutet allerdings, dass die meisten Gäste die köstliche Amphibie lieber mit Petersilie und einer schaumig geschlagen Knoblauchbutter kredenzt bekommen würden.

London gilt unter Kennern schon lange als das Mekka der indischen Aromen- und Vital-Küche. Die Konkurrenz und das Niveau sind dementsprechend hoch. Dieses Amazonico Naan-Bread würde allerdings selbst in London in der Champions-League mitspielen. Das Mook Culinary-Research-Team ist tief beeindruckt und vergibt für diese High-Carb-Kreation die absolute Höchstnote Mookstyle.

Die Chicken-Springrolls sehen klassisch aus. Die Hülle hat allerdings eher die Konsistenz einer soften mexikanischen Flauta. Der Snack ist also ein perfekter Appetizer für Menschen mit einer Abneigung gegen knusprige Speisen. Die dazu gereichte Mole Verde komplettiert das Gericht um eine pikante Note. Ein netter kleiner Snack.

Der Salat mit Tandoori-Hähnchen sieht eher rustikal aus, ist aber eine sehr geglückte Überraschung und schmeckt fast so gut wie sein entsprechendes Pendant im Ivory Club. Das sahnige Dressing ist gut ausbalanciert und präzise dosiert. Das Geflügel wurde im Tandoori-Ofen fachmännisch mit winzigen Micro-Brandings koloriert. Die stickstoffhaltigen Melanoidine der Maillard-Reaktion aromatisieren so das köstliche Geflügel mit dem typisch herzhaften Tandoori-BBQ-Flavour. Ein paar kleine Croutons ergänzen die Kreation noch um einen lobenswert knusprigen Akkord. Der Salat ist wahrlich ein erquicklicher Genuss. Das Lob ist übrigens nicht zu unterschätzen. Wie wir leider immer wieder feststellen müssen, sind gute Salate wirklich sehr schwer zu finden. Erstaunlicherweise müssen bei einem eigentlich simplen Gericht unzählige Dinge richtig gemacht werde. Es geht um Balance, Frische, Dosierung, Zutatenmix und präzise chronologische Abläufe. Erst wenn alle Komponenten und Prozesse perfekt aufeinander abgestimmt sind entsteht ein wirklich tadelloser Salat.

Hier sehen wir eine Spicy-Tuna-Roll.

Auch der unvermeidliche Quinoa-Salat darf natürlich nicht fehlen.

Hier sehen wir einen Toro Tatar mit einer opulenten Kaviar Nocke.

Die gutgelaunten Passadores hobeln mit ihren riesigen Cuchillo-Macheten dünne Scheiben Fleisch vom mächtigen Picanha-Skewer. Das Prozedere findet selbstverständlich standesgemäß am Tisch statt. Eine wirklich nette Show.

Wer allerdings Liebhaber der grandiosen Churrascaria-Multiples Fogo de Chão und Texas do Brazil ist, muss nicht zwingend auch Fan des Amazonico-Rodizios sein. Die von uns degustierte Picanha erinnerte von Textur und Durabilität eher mehr an mediterrane Erzeugnisse. Die Picanha im Amazonico ist deshalb eher etwas für Liebhaber einer robusteren Viskosität.

Auch Plattfische gehören zum kulinarischen Repertoire des Amazonico.

So sieht die Poke-Bowl des Amazonico aus. Man kann an Hand der Optik perfekt den Geschmack herauslesen.

Zum Abschluss gönnen wir uns noch eine Spinning-Pinapple vom Rotations-Grill. Die Kreation wird mit zwei Nocken Vanille-Eis serviert und schmeckt lecker nach Karamell und Ananas. Ein perfekter Moment, um darüber zu sinnieren, welchen aromatischen Effekt wohl Corioliskraft auf die exotische Stachelfrucht ausübt.

Im Untergeschoss des Amazonico befindet sich auch noch ein sehr lauschiger Jazz Club. Man kann hier zu den lässigen Tunes von Dizzy Gillespie und Thelonious Monk relaxt den Abend ausklingen lassen. Wahrlich ein wundervoller Hort der musikalischen Besinnung.

 

 

 

 

 

 

Posted on Annabel`s London

In den letzten Jahren hat sich rund um den exklusiven Berkley Square im Londoner Szeneviertel Mayfair ein gastronomisches Supercluster von fast epischen Dimensionen gebildet. In einem fulminanten Reigen der Eitelkeiten liefern sich hier die absoluten Heavyweight-Champions der globalen Hospitality-Industrie eine geradezu sagenhafte Materialschlacht. Dabei scheuen die potenten Alphatiere weder Kosten noch Mühen, um die verwöhnte Klientel ständig mit neuen spektakulären Venues in ungläubiges Erstaunen zu versetzten. Nun hat der legendäre Gastro-Entrepreneur Richard Caring allerdings die Referenzklasse in diesem Super-High-End-Segment völlig neu definiert. Sein frisch revitalisierter Private-Member-Club Annabel`s sprengt dabei die Grenzen jeglicher Vorstellungskraft. Angeblich wurden 100 Millionen Euro in den aufwendigen Revamp der neuen Location investiert. Eine im ersten Moment wahrlich unglaubliche Summe, die sich aber schon kurz nach dem Betreten der spektakulären Location relativiert. Man spürt förmlich die physische Abwesenheit jeglicher monetären Zwänge. Wohin das kundige Auge auch schweift, überall finden sich nur edelste Materialien, kostbare Kunstwerke und liebevollste Detaillösungen. Hier sehen wir übrigens die weihnachtlich geschmückte Fassade des Annabel`s.

Das ursprüngliche Annabel’s wurde 1963 von dem Londoner Unternehmer, Partylöwen und Gastronomen Mark Birley gegründet. Der Club wurde von Mister Birley nach seiner damaligen Ehefrau Lady Annabel Vane-Tempest-Stewart benannt und wurde schon damals als stringenter Private-Member-Club betrieben. Das Annabel’s entwickelte sich schon kurz nach seiner Eröffnung zum beliebtesten Tummelplatz der gesamten Londoner High-Society. Die Mitglieder bestanden dabei vornehmlich aus Angehörigen des britischen Adelshauses, internationalen Jetsettern, Filmstars und der lokalen Mayfair-Prominenz. Das Annabel´s galt deshalb nicht umsonst über Jahrzehnte als der exklusivste Club der Welt. Nach dem Ableben von Mark Birley hat nun der visionäre Investor Richard Caring das Ruder im sagenumwobene Annabel`s übernommen. Der legendäre Gastro-Entrepreneur schickt sich nun an, das Annabel´s mit einem aufwendigen Revamp wieder zum mondänsten und poshsten Club der Welt zu machen. Hier sehen Sie übrigens das weihnachtlich geschmückte Foyer des Annabel´s.

Das neue Annabel´s befindet sich noch immer im selben Gebäudeensemble wie das alte Annabel´s. Der Eingang liegt nun allerdings im Haus am Berkeley Square 46.  Das klassische georgianische Stadthaus ist wunderschön und gilt neben dem Buckingham Palace als eines der wichtigsten Vertreter dieses Baustils. Der glamouröse Private-Member-Club erstreckt sich innerhalb des Gebäudes über mehrere Stockwerke und beinhaltet einen Nightclub, Chambre-Séparées, Restaurants, Private-Dining-Räume und diverse Bars. Dabei gleicht kein Raum dem anderen. Verbunden werden die einzelnen Stockwerke durch ein aufwendig vertikal dekoriertes Treppenhaus.

Am besten startet man seinen Abend im Annabel´s an der Bar der Bel-Ètage. Die gesamten Wände des prachtvoll dekorierten Refugiums wurden aufwendig mit filigranen Blumengittern, Antikspiegeln und liebevoller Trompe-l’œil Malerei verkleidet. Optisches Highlight und Epizentrum des Raums bildet aber die komplett aus pinkfarbenem Estremoz-Rosé-Marmor gefertigte Bar. Der riesige, von innen illuminierte Monolith ist dabei nicht nur ein unglaublich couragiertes Design-Element, sondern auch ein architektonisches Statement von geradezu obszöner Opulenz.

Verantwortlich für das eklektische Interior-Design ist übrigens kein geringerer als unser alter Bekannter Martin Brudnizki. Der umtriebige Tausendsassa ist ein wahrer Workaholic und hat in seiner kometenhaften Karriere schon unzählige legendäre Hospitality-Locations gestalteten dürfen. Zu seinem erstaunlichen architektonischen Œuvre gehören beispielsweise das neue Ivy, der riesige Holborn Dining Room und die nagelneue Brasserie of Lights im beliebten Department-Store Selfridges & Co. Die drei spektakulärsten Brudniski-Locations Sexy Fish, Scarfes Bar und Smith & Wollensky  haben wir übrigens schon für Euch ausführlich unter das Mookular genommen. Wer die Artikel noch nicht kennt, findet die ausführlichen Reviews übrigens problemlos über die Suchleiste des Mook Blogs.

Die Mook Redaktion hat übrigens auch schon einmal ein ausführliches Exklusiv-Interview mit Martin Brudnizki geführt. Ihr findet das aufschlussreiche Zwiegespräch im Mook Magazin No.6 ab Seite 40. Das Magazin steht ebenfalls auf unserem Mook Blog unter der Rubrik Editionen als kostenloses PDF-Download zur Verfügung. Hier noch ein kurzer Blick auf die bereits erwähnten Trompe-l’œil Malereien.

Nach dem Aperitif wechseln hungrige Mitglieder meistens in das vollständig verglaste Atrium-Restaurant des Annabel´s. Hier servieren die Köche der verwöhnten Klientel eine mehr als solide Bistro-Küche. Besonders beliebt ist dabei die berüchtigte Trüffel-Pizza und die zu Recht legendäre Hummersuppe.

Das Atrium-Restaurant ist relativ groß und fasst schätzungsweise an die hundert Gäste. Bei warmem Wetter lassen sich die einzelnen Segmente der Dachkonstruktion hydraulisch übereinander schieben und ermöglichen so ein spektakuläres innerstädtisches Al-Fresco-Dining. In den kalten Wintermonaten ist die komplexe Glaskonstruktion selbstverständlich geschlossen. Trotzdem hat man durch die üppige Bepflanzung fast das Gefühl im Freien zu sitzen. Insgesamt ist das Atrium eine wahrlich beschauliche Oase der gepflegten kulinarischen Regeneration.

Nach dem Essen begibt sich die illustre Memberschar typischerweise noch gerne in den Nightclub im Kellergeschoss. Man betritt die heiligen Hallen durch eine schmale Stiege im französischen Boudoir-Stil. Ein wahrlich sinnliches Entree.

Unten angekommen wird der staunende Gast von einer gewaltigen Gorilla-Statue in Empfang genommen. Der stoisch dreinblickende Bronze-Primat gilt als Maskottchen des Clubs und eignet sich perfekt als beindruckender Instagram-Spot.

Neben dem eigentlichen Club finden sich im Untergeschoss noch diverse kleine Nischen, glamouröse Chambre-Séparées und anheimelnde Alkoven. Diese intimen Orte der andächtigen Kontemplation eignen sich perfekt, um nach dem Essen ausführlich über Kunst, Literatur und die aktuelle politische Lage zu parlieren.

Der komplette Boden dieses wundervollen Séparées wurde mit kostbaren, von unten illuminierten Malachit-Fliesen ausgestattet. Martin Brudnizki ist wirklich zu beneiden. Es muss einfach wundervoll sein, wenn man bei der Ausstattung einer Venue so aus dem Vollen schöpfen kann. In Deutschland ist so etwas leider völlig undenkbar. Durch die ständig steigenden Kosten und die faszinierende Steuerphilosophie des Deutschen Fiskus ist es der ethisch arbeitenden Individualgastronomie mittlerweile praktisch unmöglich geworden, selbst kleinere Investitionen in einem kaufmännisch vernünftigen Zeitrahmen zu recoupen.

Die aus komplett rosa Marmor gefertigten Damentoiletten des Annabel`s geistern schon seit ein paar Wochen durch die einschlägigen Interior- und Designer-Blogs. Allerdings sind auch die bisher noch weitgehend unbekannten Herrentoiletten nicht weniger aufwendig ausgestaltet worden. Die Wände dieser Herrentoilette wurden beispielsweise komplett mit aus kunstvoll ziselierten Etched-Glas-Scheiben ausgestattet. Die kostbaren Motiv-Gläser zeigen dabei ein harmonisches Stelldichein zwischen der einheimischen Fauna und Flora.

Dazu passend wird ein mannshoher Ganzkörperspiegel von einer mächtigen Bären-Skulptur des renommierten Willow-Artist Woody Fox gehalten. In der Reflexion des Spiegels können aufmerksame Mook-Magazin-Leser übrigens die schemenhafte Silhouette des Mook-Group-Gründers erkennen.

Die Herrentoiletten im Nightclub wurden vom Meister hingegen in einem eher sinisteren Okkult-Stil ausgestaltet. Wohin man auch blickt, überall findet man morbide Kunstwerke, aufwendig gestaltete Totenköpfe und düstere Materialien.

Das Annabel`s ist wahrlich ein fulminates Füllhorn an liebevollen Detaillösungen. Man kann deshalb in diesem Rahmen unmöglich alle Finessen und Details dokumentieren.

Optisches Highlight der Toilette sind die Urinale in Form eines furchteinflößenden Dämons. Martin Brudnizki ist im Annabel`s sprichwörtlich in jeder Facette die viel zitierte Extra-Mile gegangen.

Zum Schluss wollen wir Euch natürlich auch noch die berühmten pinkfarbenen Damentoiletten des Annabel`s nicht vorenthalten.

Posted on Bombay Bustle

Vor über einer Dekade haben wir mit dem Ivory Club ein für Deutschland völlig neues kulinarisches Genre installiert. Erstaunlicherweise bespielen wir das Thema Indian-Fine-Dining trotz unseres überwältigenden Erfolgs noch immer praktisch im Alleingang. In anderen Ländern hingegen eskaliert der Hype um die faszinierende Aromen- und Vitalküche mittlerweile völlig. Epizentrum dieser furiosen Entwicklung ist nach wie vor London. Erst kürzlich berichteten wir in diesem Kontext ausführlich über das neu eröffnete Jamavar im exklusiven Mayfair. Nun haben nach nur wenigen Monaten schon wieder zwei weitere hochspannende Top-Notch-Inder ihre Pforten geöffnet. Zum einen die wundervolle Upscale-Tiffin-Formel Bombay Bustle, zum anderen das kulinarisch hochambitionierte Multi-Unit-Brand Indian Accent. Speziell das grandiose Bombay Bustle konnte uns durch eine ungewöhnliche Speisekarte und ein geradezu geniales Design-Konzept begeistern. Folgt uns nun in die faszinierende Welt des Bombay Bustle…

Die liebevoll gestaltete Inneneinrichtung des Bombay Bustle erinnert aufmerksame Kino-Enthusiasten natürlich sofort an das erstaunlich kinematografische Œuvre von Wes Anderson. Die komplette Szenerie zitiert mit ihrer pastelligen Farbenwelt geradezu plakativ cineastische Meisterwerke wie Moonrise Kingdom, Grand Budapest Hotel, The Life Aquatic with Steve Zissou, The Royal Tenenbaums oder Darjeeling Limited.

Speziell der großartige Rail-Movie Darjeeling Limited scheint die Innenarchitekten des Bombay Bustle inspiriert zu haben. Die gesamte Kulisse ist optisch eine perfekt geglückte Reminiszenz an den namensstiftenden Zug aus Darjeeling Limited. Dementsprechend finden sich neben dem eigentlichen „Speisewagen“ auch noch eine „Bord-Bar“ und diverse liebevoll gestaltete „Zugabteile“ im Restaurant. Verantwortlich für dieses geniale architektonische Bravourstück sind die in London ansässigen Fable Studios. Das 2011 von Tom Strother, Steven Saunders and Simon Gallagher gegründete Architekturbüro durfte in seiner kometenhaften Firmengeschichte schon diverse erstaunliche Hospitality-Venues realisieren. Zu ihren prominentesten Werken gehört dabei sicherlich das grandiose Jamavar in Mayfair, das Dinner by Heston Blumenthal in Knightsbridge und das Restaurant Gordon Ramsey in Chelsea. Aber das wissen aufmerksame Mook Magazin-Leser ja alles schon längst.

Das Bombay Bustle gehört genau wie das fabelhafte Jamavar zu der indischen 5-Star-Hotelkette Leela Palace & Resort. Wer mehr über die exklusive Hotelkette und das Bombay Bustle-Schwesternrestaurant erfahren möchte, sollte sich unbedingt einmal unseren Bericht über das wundervolle Jamavar durchlesen. Der Artikel ist problemlos über die Suchleiste des Mook Blogs zu finden. Das Jamavar erhielt übrigens kurz nach unserer euphorischen Mookular-Besprechung seinen verdienten ersten Michelin-Stern. Damit haben sich mal wieder die Prophezeiungen der Mook Redaktion als richtig erwiesen. Hier nun ein Blick auf die kleine aber feine Bord-Bar des Bombay Bustle.

Wie man unschwer an den liebevoll gestalteten Türen erkennt, zieht sich das Zug-Sujet konsequent durch das gesamte Lokal. Die Fable Studios haben hier großartig recherchiert und handwerklich perfekt exekutiert. Es muss einfach wundervoll sein, wenn man bei der Ausstattung eines Restaurants so verschwenderisch auf Details achten kann. In Deutschland hat die repressive Steuerphilosophie leider dafür gesorgt, dass die ethisch geführte Individualgastronomie praktisch keine größeren Investitionen mehr in einem kaufmännisch vernünftigen Zeitrahmen recoupen kann. Die staatlich verordnete Investitionsbremse hat dabei übrigens nicht nur extrem negative Konsequenzen auf die notleidende Gastronomie, sondern erzeugt selbstverständlich auch insgesamt einen immensen volkswirtschaftlichen Schaden. Leider ist diese traurige Tatsache bisher offensichtlich noch nicht im Berliner Elfenbeinturm angekommen.

Hier sehen wir Michaela Mook beim kritischen Studium der fazinierenden Speisekarte. Die First Lady der Mook Culinary Research Teams ist seit vielen Jahren überzeugte Ayurvedin und eine profunde Kennerin der indischen Aromen- und Vitalküche. Ihr umfangreiches Wissen ist allerdings nicht nur von theoretischer Natur. Die begnadete Köchin hat im Rahmen ihrer unzähligen Panchakarma-Treatments schon diverse Kochkurse absolviert und produziert mittlerweile sogar begeistert ihr eigenes Ghee und Paneer.

Lange bevor Foodora, UBER Eats und Deliveroo in aller Munde waren, haben indische Hausfrauen schon für ihre Männer gekocht und das Essen von Zug- und Fahrradkurieren zum Arbeitsplatz ihrer Männer transportieren lassen. Die Kuriere werden in Indien Dabbawalas genannt und lassen aus Effizienzgründen die Speisen in mehrstöckigen Metall-Henkelmännern verpacken. Die hochkomplexe Lieferkette der Dabbawalas ist besonders in Bombay verbreitet und basiert auf einer absolut einzigartigen Farb-, Buchstaben- und Ziffern-Kodierung. Die Dabbawalas sind in verschieden Kollektiven organisiert und übergeben die sogenannten Tiffins staffelartig viele Male. Durch das perfekt optimierte System schaffen sie es allerdings täglich weit über 200.000 Tiffins praktisch fehlerfrei zu übergeben und anschließend wieder korrekt an die Absender zu retournieren. Die Koordination ist dermaßen ausgeklügelt, dass mittlerweile sogar führende Logistikunternehmen die raffinierte Systematik von Mathematikern analysieren lassen. Das Bombay Bustle hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, die rustikale Hausfrauenküche der Dabbawalas-Kultur in ein moderne und gourmetesquere Form zu transkribieren. Um aber die ursprüngliche Herkunft der Gerichte zu betonen, werden im Bombay Bustle noch viele Gerichte in traditionellen Tiffin-Metallbehältern serviert. Hier sehen wir beispielsweise ein Tiffin mit einem köstlichen Pappadam-Mix mit zweierlei Chutneys.

Vor nicht allzu langer Zeit hat sich das Frankfurter Museum für Moderne Kunst mit einer großen Retrospektive dem erstaunlichen Œuvre von Sudbodh Gupta gewidmet. Seine riesigen Objet-trouvé-Installation und großformatigen Metall-Skulls bestehen größtenteils aus den aus den typischen Tiffin-Metalltornistern und haben dazu geführt, dass sich neuerdings auch viele Menschen in Deutschland mit der faszinierenden Kultur der Dabbawalas auseinandersetzen. In London hingegen ist die köstliche Tiffin-Wohlfühlküche schon seit geraumer Zeit in aller Munde und zahlreiche exzellente Casual-Konzepte bespielen dieses faszinierende kulinarische Feld. Erst kürzlich hat auch noch die prominente Fernsehköchin Asma Khan ein von der Tiffin-Kultur inspiriertes Restaurant im quirligen Kingly Court eröffnet. Wer übrigens mehr über den Sudbodh Gupta und sein interdisziplinäres Œuvre erfahren will, sollte sich unbedingt einmal unseren Mookular-Bericht über das Song Qi in Monaco durchlesen. Ihr findet den entsprechenden Artikel problemlos über die Suchleiste des Mook Blogs.

Dosas sind im Prinzip die indische Version eines teutonischen Pfannkuchens. Dosas werden auf großen gusseisernen Platten zubereitet und bestehen aus einem fermentierten Hybrid-Teig aus Urdbohnen und Reismehl. Serviert werden die wundervoll fluffigen Dosas traditionell mit Aloo Masala-Kartoffelbrei, Kokosnuss-Chutney und Sambar, einer Curry-Sauce aus Linsen und Tamarinden.

Das klassische Papri Chaat wurde vom Head-Chef Bhaskar Banerjee in einen delikaten Kokon aus Raita-Joghurt, Minze-Chutney und Tamarind-Sauce gehüllt. Als finales Crescendo finished der Meister die köstliche Kreation noch mit einer großzügigen Portion Aloo Bhujia Sev. Die kross frittierten Fadennudeln aus Kichererbsen, Kartoffeln und Garam Masala komplettieren den Klassiker so noch geschickt um eine krosse Komponente. Sensorisch wie geschmacklich erinnert das aromatische Potpourri frappierend exakt an das legendäre Jumbo Pani-Puri  im Ivory Club. Wer mehr über Chaats und Pani Puris erfahren will, sollte sich unbedingt unseren Mookular-Bericht über das skurrile Carnival by Tresind durchlesen. Ihr findet auch diesen Artikel mühelos über die Suchleiste des Mook Blogs.

Wie aufmerksame Mook Magazin-Leser ja unlängst gelernt haben, gilt Indien schon lange nicht mehr nur als die Heimat der facettenreichsten Ethnoküche der Welt, sondern auch das Land der tausend Brote. Auch auf der Speisekarte des Bombay Bustle finden sich dementsprechend diverse Kreationen mit Brot. Besonders gut gefallen hat uns das delikate Chole Bhature. Das Gericht ist ein Klassiker der sogenannten Punjabi Cuisine und besteht traditionell aus einer soufflierten Bhature-Brot-Sphäre und einem vegetarischem Kichererbsen-Curry.

Hier sehen wir das korrespondierende Chana Masala oder auch Chole genannte Kichererbsen-Curry, das traditionell zum frittierten Bhature-Brot gereicht wird. Ein rustikaler wie köstlicher Snack. Wirklich kein Gast im Bombay Bustle sollte sich diese vegetarische Delikatesse entgehen lassen.

Die hauchdünnen Crêpes werden in Indien Hoppers oder auch Appam genannt. Interessanterweise findet man die filigrane Delikatesse selbst in London nur auf sehr wenigen Speisekarten. Appams sind speziell in Südindien, Sri Lankas und Malaysia beliebt und bestehen vornehmlich aus Kokosnussmilch, Reismehl, Wasser und Hefe. Um die typische Schüsselform zu erzeugen werden die köstlichen Hopper-Crêpes in speziellen Appam-Woks zubereitet. Oft wird am Boden der konvex gekrümmten Hopper-Bowl noch ein Spiegelei platziert. Im Bombay Bustle serviert man das Appam dagegen mit einer Schale pikant gewürztem Lamm-Curry. Es macht wirklich viel Freude, kleine Teile des Appam-Crêpe abzurupfen, um damit wie mit einem äthiopischen Injera-Fladenbrot durch das würzige Curry zu gleiten.

Alle von uns degustierten Currys sind selbst kritischen Kennern uneingeschränkt zu empfehlen. Allerdings konnten wir wieder einmal erleichtert feststellen, dass das Vindaloo Curry im Ivory Club auch weiterhin seine Pole Position für couragierte kalibrierte Curry-Gerichte erfolgreich verteidigen konnte.

Wie man unschwer erkennt, wird auch das butterzarte Kolhapuri Spit-Chicken auf dem typischen Tiffin-Geschirr serviert.

Die Mook Redaktion verhält sich in Restaurants immer sehr diskret und zuvorkommend. Wir fallen höchstens am Ende des Essens mit einer ungewöhnlich hohen Trinkgeldzahlung auf. Unsere gezielten Fragen und die riesige Bestellung haben allerdings die Neugier des Chefkochs geweckt. Er wollte unbedingt wissen, warum zwei Personen praktisch die komplette Speisekarte hoch und runter bestellen. Kurz entschlossen verlies er seine Küche, um uns persönlich danach zu fragen. Daraus entwickelte sich ein sehr anregendes Fachgespräch über die faszinierende Aromen- und Vital-Küche des bezaubernden Subkontinents.

Hier ein kleiner Blick ins Reich der Köche.

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp der Mook Redaktion. Wes Anderson ist ein so extrem detailverliebter Regisseur, dass er sogar das mit Tier-Motiven punzierte Reisegepäck aus Darjeeling Limited speziell für den Film anfertigen ließ. Fans von Wes Anderson haben neuerdings die Möglichkeit, das wundervoll verspielte Reisegepäck käuflich zu erwerben. Die handwerklich exzellenten Replikas werden von der Firma „Very troubled Child“ hergestellt und können problemlos über das Internet bestellt werden. Die Mook Group erhält für diese ernstgemeinte Kaufempfehlung übrigens keinerlei Provisionen bezahlt.