Posted on Jamavar Mayfair

Erst kürzlich proklamierte der renommierte Restaurantkritiker Richard Vines von Bloomberg L.P., dass London weiterhin die besten indischen Restaurants der Welt beheimatet. Eine Neuigkeit, die eifrige Mook-Magazin-Leser natürlich nicht sonderlich überraschen dürfte. Und obwohl London ohnehin schon über unzählige exzellente indische Restaurants verfügt, erlebt die Szene momentan einen regelrechten Boom. Überall eröffnen neue und spannende indische Restaurant-Konzepte ihre Pforten. Trotzdem scheint der Markt noch längst nicht gesättigt. In praktisch keinem der relevanten Upscale-Inder ist kurzfristig ein Tisch zu ergattern. Aber auch vor den neuen coolen Street-Food-Indern, wie beispielsweise dem fabelhaften Dishoom, bilden sich jeden Abend lange Schlangen. Es ist ganz offensichtlich, dass die kolonial geprägten Briten geradezu süchtig sind nach dem komplexen Aromenspiel des indischen Subkontinents. Allerdings bietet auch keine andere Länderküche ein vergleichbar sublimes Kaleidoskop an faszinierenden Texturen und Aromen. Nicht umsonst gilt die indische Gewürz- und Vitalküche unter Experten schon lange als die unangefochtene Königin unter den Länderküchen. Unter den zahlreichen Neueröffnung der letzen Monate hat dem Mook Culinary Research Team besonders das neue Jamavar im exklusiven Mayfair gefallen.

Die Jamavar-Restaurants sind normalerweise bekannt als die traditionellen Fine-Dining-Restaurants der exklusiven indischen 5-Star-Hotelkette Leela Palace & Resort. Die neue Venue in London bekleidet deshalb eine ganz besondere Stellung. Das extravagante Outlet in der mondänen Mount Street ist nämlich nicht nur das erste Jamavar ausserhalb Indiens, sondern auch die erste Stand-alone-Unit überhaupt. Nachdem phänomenalen Kick-off in London könnte es durchaus sein, dass demnächst noch weitere Jamavar-Solitäre ihre Pforten öffnen. Die Mook Redaktion wird für Euch die weitere Entwicklung im Auge behalten.

Verantwortlich für das eklektische Interieur-Design sind die in London ansässigen Fable-Studios. Das 2011 von Tom Strother, Steven Saunders and Simon Gallagher gegründete Architekturbüro durfte in seiner kurzen Geschichte schon diverse erstaunliche Hospitality-Venues realisieren. Zu ihren prominentesten Werken gehört dabei sicherlich das Dinner by Heston Blumenthal, das fabelhafte Hind`s Head und das Restaurant Gordon Ramsey in Chelsea.

Die poshe Mount-Street-Location scheint bei der exklusiven Klientel fabelhaft anzukommen. Bei unserem Besuch platzte das Jamavar förmlich aus allen Nähten. Das Publikum besteht dabei aus der typisch kunterbunten Mayfair-Melange aus distinguierten Berkeley-Square-Locals, erfolgreichen Business-Expats, attraktiven Sloane-Street-Beauties und einigen sehr wohlhabenden Qatar-Refugees. Die Männer tragen vornehmlich sleeke Bespoke-Suites von Anderson & Sheppard oder Gieves and Hawke. Die Damen hüllen sich dagegen eher in edles Tuch von Diane von Fürstenberg und tragen dazu stolz die neuesten Handtaschen-Kreationen von Anya Hindmarch.

Die zahlreichen Gemälde im Jamavar stammen von der renommierten indisch-stämmigen Künstlerin Jayasri Burman und zeigen farbenprächtig illustrierte Szenen aus den legendären fünf Büchern des altindischen Panchatantra, einer umfangreichen Sammlung von lehrreichen Tierfabeln, die vor weit über 1000 Jahren in Sanskrit niedergeschrieben wurden. Ein faszinierendes Thema, über das sich natürlich wundervoll stundenlang parlieren lässt.

Als kleines Amuse-Bouche bestellen wir uns eine kleine Portion Papadam. Die knusprigen Fladen werden im Jamavar zu süßen kleinen Trichtern geformt. Dazu serviert man eine schmackhafte Trilogie aus unterschiedlichen Chutneys.

Ob mildes Butter-Chicken oder würziges Rogan-Josh-Lamm, das Jamavar versteht sich wahrlich auf die komplette Klaviatur der sublimen Kunst der Curry-Zubereitung. Alle von uns degustierten Currygerichte konnten durch raffiniertes Aromenspiel und erlesene Ingredienzien überzeugen. Hier steht das Jamavar dem Ivory Club in fast nichts nach.

Das köstliche Chandni Chowk Ki Aloo Tikki ist mit Kichererbsen, Kartoffeln, Raita-Joghurt, Minze-Chutney, Tamarindsauce und knackigen Granatapfelkernen befüllt und erinnert vom komplexen Geschmacksbild ziemlich exakt an das legendäre Pani-Puri-Basket im Ivory Club.

Die Hülle des Samosas besteht aus einem filigranen Filo-Teig. Das Futteral des trigonometrischen Gebildes verfügt deshalb nur über eine extrem fragile strukturelle Integrität. Die grazile Kohlehydratstruktur zersplittert dementsprechend schon beim geringsten Druck in unzählige winzige Fragmente. Die Füllung besteht aus einer exotisch gewürzten Wild-Farce und emulgiert am Gaumen mit den knusprigen Splittern zu einem wahrlich köstlichen Ambrosia

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Hier sehen wir das extrem saftige Tandoori Tulsi Chicken Tikka. Das butterzarte Geflügel ist von absolut erlesener Qualität. Im Ivory Club entscheiden wir uns allerdings dazu, unseren Tandoori-Grilladen etwas mehr Hitze im traditionellen Lehmofen zu gönnen und sie damit mit ihren typischen Brandmalen zu versehen. Warum Executive-Chef Rohit Gha auf die stickstoffhaltigen Melanoidine der Maillard-Reaktion verzichtet, bleibt für uns allerdings im Verborgenen. Wahrscheinlich möchte der engagierte Maître seine Tandoori-Kreationen nicht mit dem Stigma der umstrittenen Acrylamide diskreditieren.