Posted on Carnival by Tresind – Dubai

Als der Ivory Club vor über einer Dekade seine Pforten öffnete, wurden wir von allen nur belächelt. Wirklich niemand wollte damals glauben, dass eine exklusive indische Upscale-Formel in Deutschland performen könnte. Wir aber haben noch nie versucht, opportunistisch den Markt zu lesen. Wir wollten nicht einfach auf Nummer sichergehen und uns risikolos in die unendliche Phalanx der uninspirierten Shabby-Chic-Restaurants einreihen. Wir haben uns ganz bewusst entschieden, die finanzielle Komfortzone zu verlassen, um unseren tiefsten Überzeugungen zu folgen und couragiert etwas völlig Neues zu wagen. Unser mutiges Engagement wurde allerdings prompt belohnt. Sofort nach der Eröffnung wurde uns der begehrte  Fizzz-Award für das innovativste neue Gastronomie-Design verliehen. Auch überhäufte uns speziell die internationale Fachpresse geradezu überschwänglich mit Lob und Anerkennung. Glücklicherweise erkannte aber auch die hiesige Klientel schnell, dass hier im beschaulichen Frankfurt etwas ganz Besonderes vonstatten ging. Erstmalig war Mainhattan die Geburtsstädte einer international relevanten Restaurantformel geworden. Wir waren zwar praktisch mit allen unseren Konzepten immer die First-Mover in Deutschland, mit dem Ivory Club war uns allerdings noch etwas viel Dramatischeres gelungen. Mit dem Ivory Club haben wir es tatsächlich geschafft, erstmalig einen echten globalen Game-Changer am kulinarischen Weltmarkt zu etablieren. Die Formel „Englischer-Explorer-Club-im-kolonialen-Indien“ war zum damaligen Zeitpunkt etwas völlig Einmaliges. Nicht einmal im kolonial geprägten England gab es vergleichbare Konzepte. Erstaunlicherweise dauerte es trotz unseres überwältigen Erfolgs noch fast ein Jahrzehnt, bis mit dem umjubelten Gymkhana in London ein erstes vergleichbares Follow-up-Konzept die kulinarische Weltbühne betreten hat. Allerdings hat sich in diesem Zeitraum die indische Küche insgesamt angeschickt, die internationale Hospitality-Szene im Sturm zu erobern. Mittlerweile feiern die unterschiedlichsten indischen Restaurant-Konzepte rund um den Globus geradezu unglaubliche Erfolge. Als engagierte Pioniere dieses faszinierenden Trends verfolgen wir natürlich auch weiterhin die Entwicklung mit großer Freude und Akribie. Im Rahmen dieser Recherchen sind wir nun über ein ganz besonders kurioses indisches Restaurant-Konzept gestolpert. Das neue Carnival by Tresind in Dubai ist ein geradezu bizarres Mash-up aus kunterbuntem Kindergeburtstag, bizarrer Location und ambitioniertem Fine-Dining-Restaurant.

Angesiedelt ist das Carnival by Tresind im lebhaften Business-Hub DIFC. Der beliebte  Financial-District hat sich die letzten Jahre zu einem beeindruckenden gastronomischen Supercluster entwickelt. In einem Radius von nur wenigen Kilometern finden sich praktisch alle relevanten kulinarischen Global-Multiplayer wieder. Unteranderem so prominente Namen wie Zuma, Mint Leaf, Petite Maison, Gauchos, Robertos und Cipriani.

Vor einem Dinner im Carnival by Tresind lohnt es sich übrigens, ein wenig durch das nahegelegen DIFC-Center zu flanieren. Es befinden sich dort diverse spannende Galerien. Speziell Liebhaber der zeitgenössischen Kunst sollten sich dieses Vergnügen auf keinen Fall entgehen lassen. Hier sehen wir übrigens ein fotorealistisches Großformat der iranisch stämmigen Künstlerin Afshin Pirhashemi. Ihr oft kontrovers diskutiertes Œuvre beschäftigt sich primär mit starken Frauen in der postmodernen arabischen Welt. Die in Teheran arbeitende Malerin ist übrigens aktuell auf der künstlerischen Überholspur und wird unter Insidern schon seit geraumer Zeit als echter Blue Chip gehandelt.

Hier sehen wir das Entree zum Carnival by Tresind. Im ersten Moment erinnert uns das Foyer ein wenig an unseren Besuch im circushaften Ticket Restaurant der beiden Adrià-Brüder. Wie wir schnell feststellen, finden sich auch im weiteren Repertoire des Carnival by Tresind einige raffinierte Reminiszenzen an das avantgardistische Restaurant-Konzept in Barcelona. Offensichtlich haben die Betreiber des Carnival by Tresind ihre Hausaufgaben gemacht und einige sehr inspirierende Recherche-Reisen nach Spanien unternommen.

Als in jeder Facette vorbildliche Gäste versuchen wir natürlich immer eine opulente Rechnung zu produzieren. Aus diesem Grund glühen wir erst einmal mit ein paar Drinks an der Carnival-Bar vor.

Das Interieur im Carnival by Tresind ist ein fröhlicher Wirrwarr aus schwarz-weißen Razzel-Dazzel-Teppichen, kunterbunten Stühlen, goldenen Kunstbäumen und grazilen Stahl-Jurten. Das internationale Publikum scheint diesen architektonischen Spagat offensichtlich zu goutieren. Bei unserem Besuch platzte das Carnival by Tresind jedenfalls förmlich aus allen Nähten.

Indien gilt unter Experten schon lange nicht mehr nur als die Heimat der facettenreichsten Ethnoküche der Welt, sondern auch das Land der tausend Brote. Bei den meisten Deutschen erschöpft sich das Wissen über die indische Brotkultur meistens schon bei Pappadam, Chapati, Naan, Roti, Paratha und Dosa. Darüber hinaus gibt es aber noch Luchi, Sheermal, Appam, Bakshalu, Baati, Kachori, Puran, Taafttan, Thalipeeth, Uttapam und Sanna. Die Liste könnte man an dieser Stelle noch fast unendlich weiterführen. Selbst den geschulten Mitgliedern der Mook Redaktion ist es nicht möglich, die gesamte Vielfalt der indischen Brotwelt in voller Gänze zu überschauen. Das Carnival by Tresind greift das Brot-Thema schon geschickt beim Amuse-Geule auf. Der köstliche kleine Masala-Bread-Swirl wird auf einem winzigen Plastik-Bonsai-Garten serviert. Das Ganze erinnert aufmerksame Mook-Magazin-Leser natürlich sofort an die Hibachi-Wagyu-Beef-Präsentation im Pakta. Offensichtlich haben die Carnival by Tresind-Betreiber auch die spektakuläre Nikkei-Formel der beiden Adria Brüder besucht. Geschmacklich ist das frisch gebackenen Brot übrigens köstlich.

Pani Puri, auch bekannt als Pani Poori, Phoochka, Gol Gappa oder Gup Chup sind in Indien äußerst beliebte Road-Side-Snacks. Das Wort Pani Puri bedeutet wörtlich übersetzt „Wasser im gesottenem Brot“. Dementsprechend besteht das filigrane Gebilde aus einem kross frittierten Fladenbrot-Körbchen, das mit einer kühnen Mischung aus pikanten Kartoffeln, Kichererbsen, Granatapfelkernen, Tamarindensauce und Raita befüllt wird. Der köstliche Happen bespielt damit geschickt fast alle Geschmäcker und Aggregatzustände: süß und sauer, kühl und warm, spicy und mild, knusprig und soft, cremig und knackig.

Das Carnival by Tresind hat das mittlerweile viral gegangene Table-Action-Dessert-Sujet des legendären ALINEA in Chicago als Template für seine effektvolle Pani-Puri-Präsentation gewählt. Der Koch fährt dabei mit einem imposanten Servierwagen vor, auf dem sich eine große Pani-Puri-Sphäre befindet. Danach finished er das filigrane Gebilde mit allerlei Saucen, Stuffings und einer Unmenge an flüssigem Stickstoff. Als Nächstes hebt er das so präparierte Pani Puri in die Luft, um es anschließend mit einem furiosen Paukenschlag zu zerschmettern. Das so dekonstruierte Pani Puri schmeckt exzellent und erreicht geschmacklich fast schon die Perfektion des legendären Ivory Club-Pani Puris. Hier könnt Ihr Euch ein kleines Handy-Video der erstaunlichen Performance anschauen.

Hier haben wir zum Vergleich noch ein Foto des original Ivory Club-Pani Puri in den Bericht eingebaut. Soviel wir wissen sind wir übrigens deutschlandweit die Einzigen, die einen solchen imposanten XL-Pani Puri auf ihrer Speisekarte feilbieten. Falls wir uns an dieser Stelle doch irren sollten, schreibt uns doch bitte eine kleine Mail an: info@mook-group.de

Ein Besuch im Carnival by Tresind ist eine gastronomische Fiesta, die die Grenzen des gehobenen Dinierens bei weitem überschreitet! So steht es jedenfalls vollmundig auf der Webseite des Carnival by Tresind. Was die Betreiber damit meinen, zeigt folgende Speisepräsentation besonders exemplarisch. Ein als Bob der Baumeister verkleideter Carnival-Koch fährt mit einem infantilen Stillleben aus Spielzeugkran, Kinderbagger und Werkzeugkiste vor, um dort vor den Augen des staunenden Publikums eine imposante Vada-Pav-Zeremonie zu zelebrieren.

Beim indischen Vad Pav handelt es sich um einen kleinen vegetarischen Slider-Burger, der ähnlich wie eine osmanische Kumpir nach Belieben bestückt werden kann. Der köstliche Imbiss gehört zur Gruppe der sogenannten Chaats, kleine tapasartige Happen, die auch gerne am Straßenrand verzehrt werden. Der Vada-Pav-Burger ist speziell in der quirligen Millionenmetropole Mumbai beliebt und gilt dort unter Nachtschwärmern als der perfekte Sober-up-Snack.

Hier sehen wir nun einen fertig präparierten Vada Pav-Burger. Der handliche Street-Food-Snack ist wahrhaft ein buntes Füllhorn an Aromen und Texturen. Kein Wunder, dass der kleine Happen so beliebt ist.

Wer nun denkt, dass es sich beim Carnival by Tresind lediglich um einen kulinarischen Karneval handelt, irrt gewaltig. Die handwerkliche Qualität der Speisen ist exzellent. Besonders die sublim abgeschmeckten Curry-Gerichte können die Mook Redaktion begeistern. Ob mildes Korma-Chicken oder würziges Lamm-Jalfrezi, das Carnival by Tresind beherrscht wahrlich virtuos die komplexe Kunst der Curry-Zubereitung. Hier steht das Carnival by Tresind dem Ivory Club in fast nichts nach. Lediglich bei einer Sache ist sich die Mook Redaktion einig: das Vindaloo-Curry im Ivory Club bleibt auch weiterhin unangefochten das absolute Referenzgericht für couragiert kalibrierte Curry-Gerichte.

Während wir diesen Artikel verfassen erreichen uns übrigens sehr interessante Neuigkeiten aus Dubai. Das Carnival Mothership Tresind wurde gerade vom der Jury des beliebten TimeOut Magazins zum Besten indischen Restaurant der Wüstenmetropole gewählt. Ein wahrlich grandioser Erfolg, speziell wenn man bedenkt, dass Dubai nach London die besten indischen Restaurants der Welt beheimatet. Dabei reicht das Spektrum vom günstigen Curry-Shack bis zum absoluten High-End-Inder. Bei unseren Ivory Club-Recherchen sind uns dabei folgende Adressen besonders positiv in Erinnerung geblieben: Indego by Vineet Bhatia, Mint Leaf of London, Amal, Rang Mahal by Atul Kochhar, Nina und natürlich das grandiose Signature by Sanjeev Kapoor. Alle eben genannten Restaurants können wir ebenfalls uneingeschränkt empfehlen.

Einziger Kritikpunkt an diesem Curry ist die üppig dosierte Daikon-Kresse. Die Sprossen erzeugen ein irritierendes Mundgefühl und gehören einfach nicht auf Currys. Wir entschließen uns deshalb, die Daikon-Blätter mühsam händisch vom Teller zu klauben.

Natürlich darf zu einem echten indischen Curry kein Naan Brot fehlen. Die köstlichen Teigfladen werden übrigens später auf der Rechnung als Bread Pitt aufgeführt.

Wie das kulinarisch geschulte Auge unschwer am verwaisten Nachbartisch erkennt, plündert das Carnival by Tresind auch noch ungeniert die original Table-Aktion-Dessert-Präsentation aus dem kulinarischen Repertoire von Grant Achatz. Die Idee auf einen Pani Puri zu übertragen war noch eine durchaus originelle Transferleistung, beim Dessert sind wir hier etwas anderer Meinung. Ohnehin hat sich die Vorführung mittlerweile sehr inflationär verbreitet. Erst kürzlich wurde uns im „Duchess“ Amsterdam ebenfalls eine leicht abgespeckte Alinea-Dessert-Hommage kredenzt.

Im Carnival by Tresind wird die Rechnung natürlich nicht in einem profanen Mäppchen gereicht.

Posted on MNKY HSE LDN

London gilt unter Experten schon lange als das Silicon Valley der globalen Hospitality-Branche. Praktisch im Wochentakt eröffnet eine visionäre Venue nach der anderen ihre Pforten. Glamouröses Epizentrum dieser erstaunlichen Entwicklung ist zweifelsohne der Berkeley Square im exklusiven Mayfair. Rund um den legendären Platz hat sich in den letzten Jahren ein kulinarisches Cluster von geradezu epischen Dimensionen gebildet. Ohne jeden Zweifel wird hier in einem Radius von nur wenigen hundert Metern der höchste gastronomische Umsatz der gesamten Welt generiert. Dementsprechend beindruckend liest sich das faszinierende kulinarische Line-Up. Neben praktisch allen bekannten Upscale-Multiples wie Hakkasan, Petite Maison, Novikov, Nobu und Cipriani haben auch diverse erstaunliche Stand-alone-Konzepte ihre Stellung rund um das gastronomische Powerhouse bezogen. Darunter auch einige weltweit relevanten Game-Changer, wie beispielweise das Sexy Fish oder das Park Chinoise. Einer der neusten Zugänge in diesem illustren Kreis der Supervenues ist das ultrahippe MNKY HSE in der Dover Street. Nur einen Steinwurf vom legendären Arts Club entfernt trifft sich dort aktuell die gesamte Jeunesse doree der Metropole, um jeden Abend in einem fulminanten Fegefeuer der Eitelkeiten die Champagner-Korken knallen zu lassen.

Schon im Foyer des MNKY HSE entdeckt das geschulte Auge eine spektakuläre Installation des renommierten Lichtkünstlers Moritz Waldmayer. Der umtriebige Tausendsassa hat in seiner kometenhaften Karriere schon diverse außergewöhnliche Projekte realisieren dürfen. Dabei liest sich die Liste seiner Kunden wie das Who`s Who der gesamten Kunst-, Design- und Architekturwelt. Beispielweise haben schon Zaha Hadid, Cirque du Soleil, Hussein Chalayan, Jamiroquai und Phillip Starck seine visionären Dienste in Anspruch genommen. Bei dem Objekt im MKY HSE handelt es sich um einen Kronleuchter, der im Stil einer Wachowski-Bullet-Time-Illusion scheinbar statisch auf einem Spiegel zerschellt. Das aus exklusivem roten Murano-Glas gefertigte Objekt verkörpert so selbstverständlich bravourös die Symbiose aus leidenschaftlicher Emotion und exaltiertem Glamour. Damit passt der imposante Chandelier natürlich perfekt in das energetisch aufgeladene Entree des MKY HSE.

Im Erdgeschoss befindet sich der coole Bar- und Loungebereich. Hier eskaliert die Situation jeden Abend komplett. Wer attraktive junge Menschen ausgelassen feiern sehen will, ist hier genau richtig. Wer allerdings lieber einen ruhigen romantischen Abend im gleißenden hellen Neonlicht verbringen will, sollte das MNKY HSE eher meiden. Das lässige MNKY HSE ist nämlich dunkel, sexy, funky und vor allem sehr laut.

An der Stirnseite der Bar befindet sich eine sehr faszinierende Shimmering-Wall mit dem Konterfei-Logo des MNKY HSE.

Hier sehen wir den eigentlichen Main-Dining-Room. Verantwortlich für dieses architektonische Bravourstück ist das renommierte Design-Studio Keane Brands. Die global agierende Kreativschmiede unterhält mittlerweile feste Filialen in London, Dubai, Singapore, Kuala Lumpur, Miami und Birmingham und durfte die letzten Jahre schon diverse erstaunliche Restaurantflächen realisieren. Zu ihren prominentesten Werken zählt dabei sicherlich die spannende Neo-Nikkei-Formel Aji in Duabi. Das faszinierende Lokal wurde nicht umsonst schon kurz nach seiner Eröffnung für das beste Restaurant-Design im Mittleren Osten nominiert.

Im hinteren Teil des Hauptraums befinden sich einige semi-intime Alkoven. Speziell bei kleineren Gruppen sind diese Tische sehr beliebt.

In Deutschland verbindet man Gemütlichkeit ja gerne mit heiterer Blasmusik und gleißend hell erleuchteten Festzelten. In den internationalen Metropolen hat Gemütlichkeit heute eher etwas mit ausgeklügelter Lichtarchitektur und smarten Soundkonzepten zu tun. Das MNKY HSE hat das offensichtlich erkannt und beschlossen, nicht zu kleckern, sondern zu klotzen. Beispielweise befindet sich an der Stirnseite des imposanten Gewölbelokals eine wellenförmig zerfurchte Reliefwand, die mit Hilfe eines komplexen Projektionsmapping-Verfahrens mit einer Video-Animation bespielt wird. Ein wahrlich hypnotischer Anblick. Am besten schaut Ihr Euch einfach das von uns laienhaft aufgezeichnete IPhone-Video an. Just klick it…

Auch an diversen anderen Stellen kommt das Projektionsmapping-Verfahren zum Einsatz. Beispielweise poppen bei zwei sich gegenüberliegenden Hundeportraits plötzlich wechselseitig Sprechblasen auf. Der so entflammende Dialog ist ein wahrlich amüsanter Lesespaß. Ideengeber für die zahlreichen visuellen Gimmicks ist übrigens die aus London stammende Kreativ-Agentur Wemakestuffhappen.

Im MNKY HSE sind natürlich auch die Speisekarten sehr liebevoll gestaltet und werden geschlechtsspezifisch verteilt. Damen erhalten beispielweise eine Lady mit Lockenwickeln und Gesichtsmaske.

Gentleman erhalten dagegen beispielsweise einen lässigem Hipster-Superhelden mit leicht ergrautem Bart.

Aufmerksame Besucher finden die zahlreichen Speisekartenvorlagen auch als Ölgemälde an den Wänden des MNKY HSE wieder.

Überhaupt wird im MNKY HSE an allen Ecken und Enden auf liebevolle Details geachtet. Beispielweise werden die gefalteten Servietten noch mit possierlichen Affen-Miniaturen dekoriert. Die MNKY-HSE-Betreiber sind offensichtlich genauso detailverliebt wie die Mitglieder der Mook Redaktion. Leider ist es hierzulande kaum noch möglich, mit solchen wundervollen Gimmicks zu arbeiten. Deutsche Gäste sehen es offensichtlich als eine Art sportliche Pflicht an, Dinge aus Restaurants zu entwenden. In den Steakhäusern der Mook Group verschwinden beispielsweise jedes Jahr auf mysteriöse Weise mehrere hundert Steakmesser.

In einem Land, in dem Damen tatsächlich noch regelmäßig einen Fascinator aus dem Walk-in-Closet holen, müssen natürlich auch die Cocktails entsprechend extravagant präsentiert werden. Das MNY HSE versteht sich übrigens ganz exzellent auf die sublime Kunst der Mixology. Man kann also bevor man seine erste Salmanassar oder Nebukadnezar des Abends bestellt durchaus mit einem gutem Cocktail vorglühen.

Küchenchef Pablo Peñalosa-Najera serviert der coolen It-Crowd, was aktuell angesagt ist. Man findet auf der Speisekarte dementsprechend alle üblichen Verdächtigen. Es gibt Quinoa Salat, Guacamole, Tiraditos, Wagyu-Beef, Ceviche, Cancha-Corn-Pops, Shishito Peppers und natürlich den unvermeidlichen Chu Toro Tartar mit Yuzu. Das Essen ist  solide und scheint bei der jungen Gästeschar gut anzukommen. Pablo Peñalosa-Najera hat allerdings mit dem Morimoto in Mexiko City und dem Four Seasons in Bogota auch schon einige sehr gute Stationen in seiner Karriere absolviert. Hier sehen wir übrigens ein paar recht knusprige Tortilla Chips mit Crab-Meat-Mayo.

Der Thunfisch-Tatar ist mit knusprigen Quinoa belegt und hübsch mit einigen saftigen Queller-Stängeln dekoriert.

Wenn man die Quinoa-Haube entfernt, präsentiert sich darunter der rohe Thunfisch. Anhand von Geschmack und Konsistenz der feinen Masse erkennt man sofort die gestrenge Morimoto-Schule.

Hier sehen wir ein paar Chicken-Drumsticks mit einer pikanten südamerikanischen Sauce. Anhand der Optik lässt sich der Geschmack perfekt ablesen.

Auch Pimientos de Padron finden sich auf der Speisekarte des MNKY HSE.

Es gibt sogar einen echten Maissalat.

Hier sehen wir ein pikant gewürztes Käsefondue. Wie uns der nette Kellner erklärt, ist das Gericht angeblich ein echter Anden-Klassiker.

Der Salat wird vom Meister mit einigen knackigen Granatapfelkernen bestreut.

Natürlich gibt es auch diverse Ceviche-Kreationen.

Die Hähnchenbrust wurde vor dem grillen mit einer pikanten Sojasauce mariniert.

Das Iberico Pork Chop wurde vor dem grillen mit einer Miso-Paste mariniert.

Zum Schweinekotelett  reicht der Meister Gemüse.

Posted on DER IMPOSSIBLE BURGER

Spätestens seit das kulinarische Enfant Terrible David Chang die Weltpremiere des „Impossible Burger“ medienwirksam im legendären Momofuku Nishi inszenierte, ist das sagenumwobene Häm wirklich in aller Munde. Aber nicht nur Gourmet-Magazine, Food-Blogger und Vegetarier überschlagen sich aktuell vor Vorfreude, auch seriöse Wirtschaftsmagazine beschäftigen sich mittlerweile geradezu euphorisch mit dem vielversprechenden Alt-Meat-Produkt. Angeblich stehen die einschlägigen Venture-Capital-Gesellschaften bei Patrick Brown – dem CEO und Mastermind von Impossible-Foods – Schlange, um ihn mit Millionen an Risikokapital zu überschütten. Sogar der legendäre Microsoft-Gründer Bill Gates soll schon zugeschlagen haben. Nun haben in den USA die ersten Pilot-Restaurants tatsächlich angefangen, den fleischlosen Impossible Burger anzubieten. Natürlich musste sich die Mook Redaktion sofort auf den beschwerlichen Weg nach Amerika machen, um dort für Euch das neue bahnbrechende Alt-Meat-Produkt ausführlich unter das Mookular zu nehmen.

Selbstverständlich sollte unser Erstkontakt mit dem Impossible Burger standesgemäß im Premieren-Restaurant Momofuku Nishi stattfinden. Leider rief uns ein netter Momofuku-Mitarbeiter einen Tag vor unserer Reservierung an, um uns mitzuteilen, dass das Momofuku Nishi leider aktuell wegen einer dringenden Umbaumaßnahme kurzfristig geschlossen wurde. Glücklicherweise gehört aber auch Umami Burger in Manhattan neuerdings zum kleinen Kreis der exklusiven Impossible-Burger-Pilot-Outlets.

Der Hunger nach Fleisch wächst weltweit rapide. Laut einer Studie der Vereinten Nationen müsste deshalb die Fleisch-Produktion bis zum Jahr 2050 nahezu verdoppelt werden. Die Vorstellung, zukünftig eine echte Fleischalternative herzustellen, die tatsächlich ohne negative Umwelteffekte und grausame Qualmast auskommt, ist deshalb natürlich extrem verlockend. Leider sind bisher alle Versuche gescheitert, eine wirklich schmackhafte vegetarische Alternative herzustellen. Patrick Brown von Impossible Foods behauptet nun, dass sein neues Burger-Patty nicht von einer konventionellen Rindfleisch-Burger-Bulette zu unterscheiden ist. Das Geheimnis soll neben Textur, Optik und Geruch vor allem das sagenumwobene Häm sein. Das erstaunliche Fe-Protoporphyrin Häm ist ein essentieller Bestandteil vom Hämoglobin, dem eisenhaltigen Proteinkomplex, der in den roten Blutkörperchen von Wirbeltieren den Sauerstoff bindet und nebenbei auch noch für dessen rote Farbe sorgt. Angeblich ist Häm das hauptverantwortliche Element für den komplexen Umami-Taste von echtem Fleisch. Erstaunlicherweise findet sich das Häm-Protein auch in geringen Mengen in Sojawurzeln wieder. Die PR-Abteilung von Impossible Foods hat nun verkündet, dass es ihnen mit Hilfe eines geheimen Fermentationsprozesses gelungen ist, das Soja-Häm-Gen in Hefezellen einzuschleusen, um so effizienter große Mengen Häm-Proteine zu isolieren. Das so extrahierte Häm wird nun von Impossible Foods genutzt, um damit vegetarisches Burgerbrät mit einem authentischen Fleischgeschmack zu aromatisieren. Um dem geschulten Gaumen echtes Fleisch vorzugaukeln gehört aber mehr dazu, als nur realistischer Fleischgeschmack. Wie aufmerksame Mook-Beefology-Leser ja schon lange gelernt haben, ist „lecker“ vornehmlich auch das Erfüllen von autosuggestiven Erwartungshaltungen. Dementsprechend ist auch das Mundgefühl von einer geradezu entscheidenden Bedeutung. Um die Textur eines echten Fleischpatties zu imitieren, vermengt Impossible Foods deshalb elf Zutaten. Darunter sind Weizenproteine (die das Gefühl von Fleischfasern beim Essen erzeugen sollen), Kokosnussöl (für den richtigen Fettgehalt), Kartoffelproteine (für das Volumen) und Xanthangummi (für eine authentische Viskosität). Um die Illusion auch optisch perfekt zu machen, vermengen die Wissenschaftler von Impossible Foods das vegetarische Burgerbrät noch zusätzlich mit einem Saft aus Roten-Beeten. So soll der realistische Eindruck entstehen, dass das Burger-Patty unter physikalischer Druckbelastung tatsächlich bluten würde. Deshalb wird der Impossible Burger von der Presse auch gerne als „Bleeding Burger“ tituliert.

Umami Burger ist speziell für seinen krossen Signatur-Parmesan-Chip-Burger bekannt. Allerdings genießen auch die restlichen Burger einen durchaus soliden Ruf. Deshalb verwundet es nicht, dass auch der Impossible Burger im ersten Augenblick einen handwerklich recht ordentlichen Eindruck macht. Das wichtige Beef-Bun-Lettuce-Verhältnis scheint harmonisch ausbalanciert. Auch hat der gelblich schimmernde Cheddar-Käse das Alt-Meat-Patty in einen geradezu perfekten Kokon aus zart schmelzender „Gooeyness“ eingesponnen. Rein optisch fällt der Impossible Burger so durchaus in die Kategorie „Decent Burger“. Interessanterweise erinnert uns der Impossible Burger vom Burger-Bun, seine Proportionen und der gesamten Architektur geradezu frappierend an den legendären Heston-Blumenthal-Burger im Perfektionist Café.

Schon der erste Bissen zeigt, dass das Impossible-Burger-Patty nicht die unangenehme Textur eines gewöhnlichen Gemüsebratlings vorweist. Die authentische Viskosität der fleischlosen Burger-Bulette imitiert durchaus realistisch die Illusion von echtem Beef. Auch eine olfaktorische Überprüfung fördert keinerlei irritierende Assoziationen hervor. Im ersten Moment könnte man durchaus glauben, dass das Burgerbrät aus echtem Rindfleisch hergestellt wurde. Wobei man sagen muss, dass das Impossible-Burger-Patty von seinem gesamten Habitus eher einem konventionellen Burger-Patty bei Carls`s Jr oder Jack in the Box erinnert. Das Impossible-Burger-Patty ist somit sicherlich noch kein adäquates Substitut für einen Super-Premium-Patty wie beispielweise im grandiosem Spotted Pig. Nichtsdestotrotz sind wir vom Ergebnis eher positiv überrascht. Der Impossible Burger hat durchaus das Potential, im Massenmarkt seine Fans zu finden. Das Impossible-Burger-Patty macht speziell im Kontext zur pikanten Säure von Gewürzgurken, den frischen Akkorden von chlorophyllhaltigen Eisbergsalatblätter und den hochkalorischen Lipidmolekülen eines Cheddar-Käse durchaus eine gute Figur.

Das Impossible-Burger-Patty wird bei Umami Burger im klassischen Smash-Burger-Style auf einer Edelstahl-Plancha scharf angebraten. Das fleischlose Patty nimmt dabei eine recht authentische Farbe an. Wer das Impossible-Burger-Patty beispielsweise mit einem entsprechendem Smash-Burger-Patty von Shake Shack vergleicht, wird schnell feststellen, dass die Kolorierung praktisch identisch erscheint.

Hier sehen wir das Impossible-Burger-Patty noch einmal im Anschnitt. Einen wirklich blutenden roten Kern können wir allerdings nicht wirklich ausmachen. Wie man unschwer am Foto erkennt, zeigt sich im fleischlosen Nukleus bestenfalls ein leicht rosa changierender Schimmer. Vielleicht wurde das Alt-Meat-Patty ja einen Augenblick zu lange auf der Edelstahl-Plancha gebräunt? Laut Patrick Brown ist der Geruch nach eisenhaltigem Hämoglobin übrigens der alles entscheidende Trigger für alle Fleischfresser. Eine Theorie, die wir in den Mook-Beefologys ja auch schon einmal ausführlich diskutiert haben.

Wir denken, der Impossible-Burger kann sich mit seinen Attributen durchaus zu einem massenkompatiblen Produkt entwickeln. Wir dürfen gespannt sein, wann die ersten großen Burger-Ketten anfangen, den Impossible Burger in ihren Filialen zu featuren. Auch hat Impossible Foods angekündigt, dass sie demnächst noch weitere vegetarische Fleischalternativen auf den Markt bringen wollen. Patrick Brown hat sich übrigens fest vorgenommen, zukünftig das gesamte Hackfleisch der Welt durch Alt-Meat-Hackfleisch zu ersetzten. Er ist deshalb der unerschütterlichen Überzeugung, dass die Konsumenten in 50 Jahren nur noch Burger-Pattys aus seinen Alt-Meat-Laboren verzehren. Wer an seine ambitionierten Visionen glaubt, sollte sich deshalb zügig mit Impossible-Foods-Aktien eindecken. Allerdings schläft auch die Konkurrenz nicht. Aktuell arbeiten diverse Start-up-Labore fieberhaft daran, mit Hilfe des sogenannten Tissue-Engineerings echtes Fleisch in großen Mengen in der Petrischale zu züchten. Der bekannte PETA-Progress-Award-Gewinner, Bestseller-Autor und Philosoph Richard David Precht ist übrigens der Meinung, dass hier die Zukunft der fleischlichen Massenversorgung liegt.