Posted on Le CouCou, New York

Die Mon amie Maxi-Recherchen führten die Mook Redaktion schon in die erstaunlichsten französischen Restaurants und Brasserien dieser Welt. Wir haben den Big Apple besucht, um im 3-Sterne-Restaurant Per Se winzige Hasen-Nieren zu degustieren. Wir sind nach London gereist, um dort die wunderschönen Trompe-l’œi Malereien im Vestibül der spektakulären Zedel Brasserie persönlich in Augenschein zu nehmen. Wir sind nach Las Vegas geflogen, um in der Bouchon Brasserie von Thomas Keller die legendäre Brandade de Morue zu verkosten. Wir standen staunend im Gare de Lyon und bewunderten die operettenhafte Fin-de-Siècle-Kulisse des „Le Train Bleu“. Wir haben sogar in der abenteuerlichen Pariser Chartier Brasserie Pansen und Andouillette für Euch degustiert. Nie wurden von uns Kosten und Mühen gescheut, um für unsere Gäste nach neuen Ideen und Anregungen zu fahnden. Auch ist die Mon amie Maxi-Recherche natürlich ein niemals endender Prozess. Als uns nun diverse Berichte aus Manhattan erreichten, dass eine neue französische Better-Brasserie-Formel die verwöhnte New Yorker Klientel in ekstatische Verzückung versetzt, war die Aufgabenstellung für die Mook Redaktion natürlich klar definiert. Sofort wurden die Koffer gepackt, um für Euch das wundervolle Le CouCou unter das gestrenge Mookular zu nehmen.

Das Le CouCou ist das neuste Brainchild des sagenumwobenen Gastro-Entrepreneurs Stephen Starr. Seine extrem erfolgreiche Starr Restaurant Group betreibt unter anderem so schillernde Konzepte wie das Buddakan, El Vez, Butcher & Singer, Fette Sau und Steak954. Zusätzlich betreibt er noch in Kooperation mit Iron Chef Masaharu Morimoto das fabelhafte Neo-Izakaya-Multiple Morimoto. Auch das Le CouCou ist wieder ein kongeniales Joint Venture mit einem sehr renommierten Koch. Daniel Rose, Partner und Chefkoch im Le CouCou, hat schon mit seinen kulinarischen Skills in der Pariser Restaurantszene für ordentlich Furore gesorgt. Sein Restaurant „La Bourse et la Vie“ wurde beispielsweise schon vom beliebten Gastro-Guide „Paris by Mouth“ zum Gewinner in der Kategorie „Klassische „Brasserie“ gewählt. Nun hat Stephen Starr den ambitionierten Yannick Alléno-Schüler nach New York geholt, um dort gemeinsam mit ihm die Restaurant-Szene im Sturm zu erobern.

Verantwortlich für das anheimelnde Interior-Design und die gemütlich orchestrierte Lichtarchitektur ist das in New York ansässige Design-Studio Roman and Williams Buildings and Interiors. Die beiden Besitzer Robin Standefer und Stephen Alesch sind für emsige Mook Magazin-Leser ja schon lange keine Unbekannten mehr. Beispielsweise sind die sympathischen Kreativköpfe verantwortlich für so spektakuläre Locations wie dem legendären Boom Boom Room und die stringent komponierte Kingside Brasserie im Viceroy Hotel NYC. Auch haben die beiden schon Prominenten wie Gwyneth Paltrow und Ben Stiller beim Design ihrer New Yorker Residenzen hilfreich zur Seite gestanden. Mark Zuckerberg überlies den visionären Shootingstars sogar eine gestalterische Carte Blanche für die Ausstattung seiner Facebook-Kantine in Menlo Park. Wer mehr über das erstaunliche Œuvre des dynamische Duos erfahren will, findet die Berichte über die Kingside Brasserie und den Boom Boom Room problemlos über die Suchleiste des Mook Blogs.

Für das geglückte Design des Le CouCou erhielten Standefer und Alesch Ende 2017 den begehrten Ahead Award in der Kategorie „Restaurant Design“ verliehen. Die beiden emsigen Award-Gewinner sind übrigens wahre Allroundtalente und stammen genau wie der TAO Innenarchitekt David Rockwell ursprünglich aus dem Theater- und Kulissenbau. Das Paar ist auch im wahren Leben liiert und lernte sich bei einem gemeinsamen Auftrag für eine Hollywood-Produktion kennen und lieben. Aus der Kreativschmiede der beiden Tausendsassas stammen beispielsweise so berühmte Filmsets wie Zoolander und Addicted to Love.

Die Speisekarte im Le CouCou liest sich wie eine wundervolle Hommage an die kulinarischen Urgesteine Georges Auguste Escoffier und Jean Anthelme Brillat-Savarin. Man serviert der frankophilen New Yorker Hautevolée beispielsweise noch so wundervoll nostalgische Feel-Good-Klassiker wie Seezunge à la Véronique, Kalbsbries mit Tomaten-Estragon-Sauce, Rochenflügel mit Kapern-Paprika-Jus, Kalbszunge mit Osietra Kaviar und Crème fraîche, Blutwurst mit Piment d’Espelette, Hechtklösschen in Hummersauce und ein fabelhaftes Potpourri aus köstlichen Kaninchen-Innereien. Das Le CouCou ist wahrlich ein zivilisierter Hort der kulinarischen Erbauung.

Das Le CouCou liegt zwar im quirligen Szeneviertel Soho, die illustre Klientel stammt aber augenscheinlich primär aus der Upper East Side. Viele Männer tragen gedeckte Paisley-Krawatten und dunkle Madison-Fit-Blazer von Brooks Brothers. Man sieht allerdings auch einige Herren aus Downtown mit scharf geschnittenen Thom Brown Anzügen und schwarzen Sol Moscot Brillen. Die intellektuelle New Yorker Damenwelt trägt dagegen offensichtlich wieder gerne elegante Perlen-Pumps von Nicholas Kirkwood, klassische Pencil-Cut-Kleider von Lavin und dezente Clutch-Bags von Roger Vivier. Hier übrigens ein kleiner Blick in die wunderschöne Bespoke-Küche aus dem Hause Athanor Fourneaux.

Würde Bret Easton Ellis heute noch einmal seinen legendären Protagonisten Patrick Bateman durch die beeindruckenden Wolkenkratzerschluchten von Manhattan streifen lassen, um ein akzeptables Sea Urchin Ceviche zu finden, würde er seine verzweifelte Suche ganz sicherlich im Le CouCou enden lassen. Momentan ist das lässige Restaurant im angesagten Soho die mit Abstand heißeste Adresse der Stadt. Kurzfristig einen Tisch im Le CouCou zu ergattern, gestaltet sich deshalb aktuell ähnlich grotesk wie im fiktiven Dorsia. Um unsere Bewunderung für das literarischen Œuvre von Bret Easton Ellis zu dokumentieren, beginnen wir unsere kulinarische Tour de Force natürlich standesgemäß mit einer köstlichen Seeigel-Kreation aus dem Hause Starr!

Als nächsten Gang serviert uns Chefkoch Daniel Rose eine paar Stangen pochierten Lauch mit Haselnüssen. Ein wahrlich köstliches kleines Horsd’œuvre, das mit seiner kargen Schönheit schon fast an die ätherische Simplizität eines abstrakt-expressionistischen Mark-Rothko-Farbfeld-Gemäldes erinnert. Allerdings ist die Mook Redaktion etwas unschlüssig, ob die schlichten Strünke in Deutschland von jedem Gast sofort in seiner archaischen Erhabenheit verstanden werden würden. Wir sind jedenfalls mit unseren Versuchen, Solitär-Gerichte wie Carottes Rapées oder Céleri Rémoulade im Mon amie Maxi zu installieren, kläglich gescheitert.

Als nächstes entscheiden wir uns für eine Tomates à l’Antiboise. Das monochrome Nachtschattengewächs ist die materialisierte Antithese zur aktuell so beliebten Pipetten-Küche. Nach Myriaden von Dots, Brushstrokes, Airs und sphärisierten Liquids ein wahrhaft erfrischend schlichter Anblick.

Gefüllt ist die köstliche Tomaten-Sphäre mit Thunfisch, Oliven, Gewürzgelatine und den traditionellen Kräutern der Provence. Eine wahrlich delikate Ouvertüre.

Ja, Ihr seht richtig, es gibt im Le CouCou tatsächlich ein Coquille Saint Jacques-Ceviche.

Das köstliche Kalbsbries wird vom Meister in einer mit Estragon aromatisierten Tomatenreduktion gereicht. Das sublime Säurespiel der tomatisierten Butter-Sauce korrespondiert hervorragend mit der cremigen Konsistenz der lymphatischen Thymus-Drüse. Das Kalbsbries im Le CouCou steht damit geschmacklich dem Ris de Veau im Mon amie Maxi in nichts nach.

Gerichte wie Pilotfisch mit Tulpen und Zimt und Freiland Tintenfisch findet man zwar nicht auf der Speisekarte des Le CouCou, dafür ist der klassische Rochen-Flügel mit süßer Paprika-Kapern-Vinaigrette umso köstlicher.

Als nächstes serviert uns der Meister eine Seezunge à la Véronique. Die köstliche Véronique-Sauce besteht klassisch aus Sahne, Fischfond, Noilly Prat, kernlosen grünen Trauben und einem Spritzer Zitronensaft. Somit ist die Zugabe von Pfifferlingen eine durchaus sinnvolle Kreativleistung von Chefkoch Daniel Rose. Übrigens soll Georges Auguste Escoffier das Véronique-Rezept angeblich nach der gleichnamigen Operette von André Messager benannt haben.

Auch ein paar handwerklich tadellose Lamm Koteletts finden sich auf der Karte des Le CouCou. Wer die schnörkellose französische Produktküche im Mon amie Maxi liebt, wird sicherlich auch das Le CouCou zufrieden verlassen.

Die verwöhnte New Yorker High-Society  bettelt täglich um Einlass. Die Kritiker überschlagen sich vor euphorischer Begeisterung. Kein Wunder, dass die junge Crew extrem gute Laune hat. Der Herr im schwarzen T-Shirt ist übrigens Co-Owner und Chefkoch Daniel Rose.

Hier noch ein letzter Blick in die wundervolle Bespoke-Küche aus dem Hause Athanor Fourneaux.

Fin

Posted on Carnival by Tresind – Dubai

Als der Ivory Club vor über einer Dekade seine Pforten öffnete, wurden wir von allen nur belächelt. Wirklich niemand wollte damals glauben, dass eine exklusive indische Upscale-Formel in Deutschland performen könnte. Wir aber haben noch nie versucht, opportunistisch den Markt zu lesen. Wir wollten nicht einfach auf Nummer sichergehen und uns risikolos in die unendliche Phalanx der uninspirierten Shabby-Chic-Restaurants einreihen. Wir haben uns ganz bewusst entschieden, die finanzielle Komfortzone zu verlassen, um unseren tiefsten Überzeugungen zu folgen und couragiert etwas völlig Neues zu wagen. Unser mutiges Engagement wurde allerdings prompt belohnt. Sofort nach der Eröffnung wurde uns der begehrte  Fizzz-Award für das innovativste neue Gastronomie-Design verliehen. Auch überhäufte uns speziell die internationale Fachpresse geradezu überschwänglich mit Lob und Anerkennung. Glücklicherweise erkannte aber auch die hiesige Klientel schnell, dass hier im beschaulichen Frankfurt etwas ganz Besonderes vonstatten ging. Erstmalig war Mainhattan die Geburtsstädte einer international relevanten Restaurantformel geworden. Wir waren zwar praktisch mit allen unseren Konzepten immer die First-Mover in Deutschland, mit dem Ivory Club war uns allerdings noch etwas viel Dramatischeres gelungen. Mit dem Ivory Club haben wir es tatsächlich geschafft, erstmalig einen echten globalen Game-Changer am kulinarischen Weltmarkt zu etablieren. Die Formel „Englischer-Explorer-Club-im-kolonialen-Indien“ war zum damaligen Zeitpunkt etwas völlig Einmaliges. Nicht einmal im kolonial geprägten England gab es vergleichbare Konzepte. Erstaunlicherweise dauerte es trotz unseres überwältigen Erfolgs noch fast ein Jahrzehnt, bis mit dem umjubelten Gymkhana in London ein erstes vergleichbares Follow-up-Konzept die kulinarische Weltbühne betreten hat. Allerdings hat sich in diesem Zeitraum die indische Küche insgesamt angeschickt, die internationale Hospitality-Szene im Sturm zu erobern. Mittlerweile feiern die unterschiedlichsten indischen Restaurant-Konzepte rund um den Globus geradezu unglaubliche Erfolge. Als engagierte Pioniere dieses faszinierenden Trends verfolgen wir natürlich auch weiterhin die Entwicklung mit großer Freude und Akribie. Im Rahmen dieser Recherchen sind wir nun über ein ganz besonders kurioses indisches Restaurant-Konzept gestolpert. Das neue Carnival by Tresind in Dubai ist ein geradezu bizarres Mash-up aus kunterbuntem Kindergeburtstag, bizarrer Location und ambitioniertem Fine-Dining-Restaurant.

Angesiedelt ist das Carnival by Tresind im lebhaften Business-Hub DIFC. Der beliebte  Financial-District hat sich die letzten Jahre zu einem beeindruckenden gastronomischen Supercluster entwickelt. In einem Radius von nur wenigen Kilometern finden sich praktisch alle relevanten kulinarischen Global-Multiplayer wieder. Unteranderem so prominente Namen wie Zuma, Mint Leaf, Petite Maison, Gauchos, Robertos und Cipriani.

Vor einem Dinner im Carnival by Tresind lohnt es sich übrigens, ein wenig durch das nahegelegen DIFC-Center zu flanieren. Es befinden sich dort diverse spannende Galerien. Speziell Liebhaber der zeitgenössischen Kunst sollten sich dieses Vergnügen auf keinen Fall entgehen lassen. Hier sehen wir übrigens ein fotorealistisches Großformat der iranisch stämmigen Künstlerin Afshin Pirhashemi. Ihr oft kontrovers diskutiertes Œuvre beschäftigt sich primär mit starken Frauen in der postmodernen arabischen Welt. Die in Teheran arbeitende Malerin ist übrigens aktuell auf der künstlerischen Überholspur und wird unter Insidern schon seit geraumer Zeit als echter Blue Chip gehandelt.

Hier sehen wir das Entree zum Carnival by Tresind. Im ersten Moment erinnert uns das Foyer ein wenig an unseren Besuch im circushaften Ticket Restaurant der beiden Adrià-Brüder. Wie wir schnell feststellen, finden sich auch im weiteren Repertoire des Carnival by Tresind einige raffinierte Reminiszenzen an das avantgardistische Restaurant-Konzept in Barcelona. Offensichtlich haben die Betreiber des Carnival by Tresind ihre Hausaufgaben gemacht und einige sehr inspirierende Recherche-Reisen nach Spanien unternommen.

Als in jeder Facette vorbildliche Gäste versuchen wir natürlich immer eine opulente Rechnung zu produzieren. Aus diesem Grund glühen wir erst einmal mit ein paar Drinks an der Carnival-Bar vor.

Das Interieur im Carnival by Tresind ist ein fröhlicher Wirrwarr aus schwarz-weißen Razzel-Dazzel-Teppichen, kunterbunten Stühlen, goldenen Kunstbäumen und grazilen Stahl-Jurten. Das internationale Publikum scheint diesen architektonischen Spagat offensichtlich zu goutieren. Bei unserem Besuch platzte das Carnival by Tresind jedenfalls förmlich aus allen Nähten.

Indien gilt unter Experten schon lange nicht mehr nur als die Heimat der facettenreichsten Ethnoküche der Welt, sondern auch das Land der tausend Brote. Bei den meisten Deutschen erschöpft sich das Wissen über die indische Brotkultur meistens schon bei Pappadam, Chapati, Naan, Roti, Paratha und Dosa. Darüber hinaus gibt es aber noch Luchi, Sheermal, Appam, Bakshalu, Baati, Kachori, Puran, Taafttan, Thalipeeth, Uttapam und Sanna. Die Liste könnte man an dieser Stelle noch fast unendlich weiterführen. Selbst den geschulten Mitgliedern der Mook Redaktion ist es nicht möglich, die gesamte Vielfalt der indischen Brotwelt in voller Gänze zu überschauen. Das Carnival by Tresind greift das Brot-Thema schon geschickt beim Amuse-Geule auf. Der köstliche kleine Masala-Bread-Swirl wird auf einem winzigen Plastik-Bonsai-Garten serviert. Das Ganze erinnert aufmerksame Mook-Magazin-Leser natürlich sofort an die Hibachi-Wagyu-Beef-Präsentation im Pakta. Offensichtlich haben die Carnival by Tresind-Betreiber auch die spektakuläre Nikkei-Formel der beiden Adria Brüder besucht. Geschmacklich ist das frisch gebackenen Brot übrigens köstlich.

Pani Puri, auch bekannt als Pani Poori, Phoochka, Gol Gappa oder Gup Chup sind in Indien äußerst beliebte Road-Side-Snacks. Das Wort Pani Puri bedeutet wörtlich übersetzt „Wasser im gesottenem Brot“. Dementsprechend besteht das filigrane Gebilde aus einem kross frittierten Fladenbrot-Körbchen, das mit einer kühnen Mischung aus pikanten Kartoffeln, Kichererbsen, Granatapfelkernen, Tamarindensauce und Raita befüllt wird. Der köstliche Happen bespielt damit geschickt fast alle Geschmäcker und Aggregatzustände: süß und sauer, kühl und warm, spicy und mild, knusprig und soft, cremig und knackig.

Das Carnival by Tresind hat das mittlerweile viral gegangene Table-Action-Dessert-Sujet des legendären ALINEA in Chicago als Template für seine effektvolle Pani-Puri-Präsentation gewählt. Der Koch fährt dabei mit einem imposanten Servierwagen vor, auf dem sich eine große Pani-Puri-Sphäre befindet. Danach finished er das filigrane Gebilde mit allerlei Saucen, Stuffings und einer Unmenge an flüssigem Stickstoff. Als Nächstes hebt er das so präparierte Pani Puri in die Luft, um es anschließend mit einem furiosen Paukenschlag zu zerschmettern. Das so dekonstruierte Pani Puri schmeckt exzellent und erreicht geschmacklich fast schon die Perfektion des legendären Ivory Club-Pani Puris. Hier könnt Ihr Euch ein kleines Handy-Video der erstaunlichen Performance anschauen.

Hier haben wir zum Vergleich noch ein Foto des original Ivory Club-Pani Puri in den Bericht eingebaut. Soviel wir wissen sind wir übrigens deutschlandweit die Einzigen, die einen solchen imposanten XL-Pani Puri auf ihrer Speisekarte feilbieten. Falls wir uns an dieser Stelle doch irren sollten, schreibt uns doch bitte eine kleine Mail an: info@mook-group.de

Ein Besuch im Carnival by Tresind ist eine gastronomische Fiesta, die die Grenzen des gehobenen Dinierens bei weitem überschreitet! So steht es jedenfalls vollmundig auf der Webseite des Carnival by Tresind. Was die Betreiber damit meinen, zeigt folgende Speisepräsentation besonders exemplarisch. Ein als Bob der Baumeister verkleideter Carnival-Koch fährt mit einem infantilen Stillleben aus Spielzeugkran, Kinderbagger und Werkzeugkiste vor, um dort vor den Augen des staunenden Publikums eine imposante Vada-Pav-Zeremonie zu zelebrieren.

Beim indischen Vad Pav handelt es sich um einen kleinen vegetarischen Slider-Burger, der ähnlich wie eine osmanische Kumpir nach Belieben bestückt werden kann. Der köstliche Imbiss gehört zur Gruppe der sogenannten Chaats, kleine tapasartige Happen, die auch gerne am Straßenrand verzehrt werden. Der Vada-Pav-Burger ist speziell in der quirligen Millionenmetropole Mumbai beliebt und gilt dort unter Nachtschwärmern als der perfekte Sober-up-Snack.

Hier sehen wir nun einen fertig präparierten Vada Pav-Burger. Der handliche Street-Food-Snack ist wahrhaft ein buntes Füllhorn an Aromen und Texturen. Kein Wunder, dass der kleine Happen so beliebt ist.

Wer nun denkt, dass es sich beim Carnival by Tresind lediglich um einen kulinarischen Karneval handelt, irrt gewaltig. Die handwerkliche Qualität der Speisen ist exzellent. Besonders die sublim abgeschmeckten Curry-Gerichte können die Mook Redaktion begeistern. Ob mildes Korma-Chicken oder würziges Lamm-Jalfrezi, das Carnival by Tresind beherrscht wahrlich virtuos die komplexe Kunst der Curry-Zubereitung. Hier steht das Carnival by Tresind dem Ivory Club in fast nichts nach. Lediglich bei einer Sache ist sich die Mook Redaktion einig: das Vindaloo-Curry im Ivory Club bleibt auch weiterhin unangefochten das absolute Referenzgericht für couragiert kalibrierte Curry-Gerichte.

Während wir diesen Artikel verfassen erreichen uns übrigens sehr interessante Neuigkeiten aus Dubai. Das Carnival Mothership Tresind wurde gerade vom der Jury des beliebten TimeOut Magazins zum Besten indischen Restaurant der Wüstenmetropole gewählt. Ein wahrlich grandioser Erfolg, speziell wenn man bedenkt, dass Dubai nach London die besten indischen Restaurants der Welt beheimatet. Dabei reicht das Spektrum vom günstigen Curry-Shack bis zum absoluten High-End-Inder. Bei unseren Ivory Club-Recherchen sind uns dabei folgende Adressen besonders positiv in Erinnerung geblieben: Indego by Vineet Bhatia, Mint Leaf of London, Amal, Rang Mahal by Atul Kochhar, Nina und natürlich das grandiose Signature by Sanjeev Kapoor. Alle eben genannten Restaurants können wir ebenfalls uneingeschränkt empfehlen.

Einziger Kritikpunkt an diesem Curry ist die üppig dosierte Daikon-Kresse. Die Sprossen erzeugen ein irritierendes Mundgefühl und gehören einfach nicht auf Currys. Wir entschließen uns deshalb, die Daikon-Blätter mühsam händisch vom Teller zu klauben.

Natürlich darf zu einem echten indischen Curry kein Naan Brot fehlen. Die köstlichen Teigfladen werden übrigens später auf der Rechnung als Bread Pitt aufgeführt.

Wie das kulinarisch geschulte Auge unschwer am verwaisten Nachbartisch erkennt, plündert das Carnival by Tresind auch noch ungeniert die original Table-Aktion-Dessert-Präsentation aus dem kulinarischen Repertoire von Grant Achatz. Die Idee auf einen Pani Puri zu übertragen war noch eine durchaus originelle Transferleistung, beim Dessert sind wir hier etwas anderer Meinung. Ohnehin hat sich die Vorführung mittlerweile sehr inflationär verbreitet. Erst kürzlich wurde uns im „Duchess“ Amsterdam ebenfalls eine leicht abgespeckte Alinea-Dessert-Hommage kredenzt.

Im Carnival by Tresind wird die Rechnung natürlich nicht in einem profanen Mäppchen gereicht.

Posted on MNKY HSE LDN

London gilt unter Experten schon lange als das Silicon Valley der globalen Hospitality-Branche. Praktisch im Wochentakt eröffnet eine visionäre Venue nach der anderen ihre Pforten. Glamouröses Epizentrum dieser erstaunlichen Entwicklung ist zweifelsohne der Berkeley Square im exklusiven Mayfair. Rund um den legendären Platz hat sich in den letzten Jahren ein kulinarisches Cluster von geradezu epischen Dimensionen gebildet. Ohne jeden Zweifel wird hier in einem Radius von nur wenigen hundert Metern der höchste gastronomische Umsatz der gesamten Welt generiert. Dementsprechend beindruckend liest sich das faszinierende kulinarische Line-Up. Neben praktisch allen bekannten Upscale-Multiples wie Hakkasan, Petite Maison, Novikov, Nobu und Cipriani haben auch diverse erstaunliche Stand-alone-Konzepte ihre Stellung rund um das gastronomische Powerhouse bezogen. Darunter auch einige weltweit relevanten Game-Changer, wie beispielweise das Sexy Fish oder das Park Chinoise. Einer der neusten Zugänge in diesem illustren Kreis der Supervenues ist das ultrahippe MNKY HSE in der Dover Street. Nur einen Steinwurf vom legendären Arts Club entfernt trifft sich dort aktuell die gesamte Jeunesse doree der Metropole, um jeden Abend in einem fulminanten Fegefeuer der Eitelkeiten die Champagner-Korken knallen zu lassen.

Schon im Foyer des MNKY HSE entdeckt das geschulte Auge eine spektakuläre Installation des renommierten Lichtkünstlers Moritz Waldmayer. Der umtriebige Tausendsassa hat in seiner kometenhaften Karriere schon diverse außergewöhnliche Projekte realisieren dürfen. Dabei liest sich die Liste seiner Kunden wie das Who`s Who der gesamten Kunst-, Design- und Architekturwelt. Beispielweise haben schon Zaha Hadid, Cirque du Soleil, Hussein Chalayan, Jamiroquai und Phillip Starck seine visionären Dienste in Anspruch genommen. Bei dem Objekt im MKY HSE handelt es sich um einen Kronleuchter, der im Stil einer Wachowski-Bullet-Time-Illusion scheinbar statisch auf einem Spiegel zerschellt. Das aus exklusivem roten Murano-Glas gefertigte Objekt verkörpert so selbstverständlich bravourös die Symbiose aus leidenschaftlicher Emotion und exaltiertem Glamour. Damit passt der imposante Chandelier natürlich perfekt in das energetisch aufgeladene Entree des MKY HSE.

Im Erdgeschoss befindet sich der coole Bar- und Loungebereich. Hier eskaliert die Situation jeden Abend komplett. Wer attraktive junge Menschen ausgelassen feiern sehen will, ist hier genau richtig. Wer allerdings lieber einen ruhigen romantischen Abend im gleißenden hellen Neonlicht verbringen will, sollte das MNKY HSE eher meiden. Das lässige MNKY HSE ist nämlich dunkel, sexy, funky und vor allem sehr laut.

An der Stirnseite der Bar befindet sich eine sehr faszinierende Shimmering-Wall mit dem Konterfei-Logo des MNKY HSE.

Hier sehen wir den eigentlichen Main-Dining-Room. Verantwortlich für dieses architektonische Bravourstück ist das renommierte Design-Studio Keane Brands. Die global agierende Kreativschmiede unterhält mittlerweile feste Filialen in London, Dubai, Singapore, Kuala Lumpur, Miami und Birmingham und durfte die letzten Jahre schon diverse erstaunliche Restaurantflächen realisieren. Zu ihren prominentesten Werken zählt dabei sicherlich die spannende Neo-Nikkei-Formel Aji in Duabi. Das faszinierende Lokal wurde nicht umsonst schon kurz nach seiner Eröffnung für das beste Restaurant-Design im Mittleren Osten nominiert.

Im hinteren Teil des Hauptraums befinden sich einige semi-intime Alkoven. Speziell bei kleineren Gruppen sind diese Tische sehr beliebt.

In Deutschland verbindet man Gemütlichkeit ja gerne mit heiterer Blasmusik und gleißend hell erleuchteten Festzelten. In den internationalen Metropolen hat Gemütlichkeit heute eher etwas mit ausgeklügelter Lichtarchitektur und smarten Soundkonzepten zu tun. Das MNKY HSE hat das offensichtlich erkannt und beschlossen, nicht zu kleckern, sondern zu klotzen. Beispielweise befindet sich an der Stirnseite des imposanten Gewölbelokals eine wellenförmig zerfurchte Reliefwand, die mit Hilfe eines komplexen Projektionsmapping-Verfahrens mit einer Video-Animation bespielt wird. Ein wahrlich hypnotischer Anblick. Am besten schaut Ihr Euch einfach das von uns laienhaft aufgezeichnete IPhone-Video an. Just klick it…

Auch an diversen anderen Stellen kommt das Projektionsmapping-Verfahren zum Einsatz. Beispielweise poppen bei zwei sich gegenüberliegenden Hundeportraits plötzlich wechselseitig Sprechblasen auf. Der so entflammende Dialog ist ein wahrlich amüsanter Lesespaß. Ideengeber für die zahlreichen visuellen Gimmicks ist übrigens die aus London stammende Kreativ-Agentur Wemakestuffhappen.

Im MNKY HSE sind natürlich auch die Speisekarten sehr liebevoll gestaltet und werden geschlechtsspezifisch verteilt. Damen erhalten beispielsweise eine Lady mit Lockenwickeln und Gesichtsmaske.

Gentlemen erhalten dagegen einen lässigen Hipster-Superhelden mit leicht ergrautem Bart. Die erstaunlichen Bilder stammen übrigens aus dem Atelier von Andreas Englund. Der in Stockholm lebende Künstler ist vor allem für seine fotorealistischen Ölgemälde bekannt, die den profanen Alltag anonymer Superhelden porträtieren. Seine derangierten Protagonisten kämpfen dabei meistens mit völlig alltäglichen Scherereien und banalen Trivialitäten. Dabei balanciert sein Œuvre größtenteils geschickt auf dem schmalen Grat zwischen subtilem Humor und tragischer Melancholie.

Aufmerksame Besucher finden die zahlreichen Speisekartenvorlagen auch als Ölgemälde an den Wänden des MNKY HSE wieder.

Überhaupt wird im MNKY HSE an allen Ecken und Enden auf liebevolle Details geachtet. Beispielweise werden die gefalteten Servietten noch mit possierlichen Affen-Miniaturen dekoriert. Die MNKY-HSE-Betreiber sind offensichtlich genauso detailverliebt wie die Mitglieder der Mook Redaktion. Leider ist es hierzulande kaum noch möglich, mit solchen wundervollen Gimmicks zu arbeiten. Deutsche Gäste sehen es offensichtlich als eine Art sportliche Pflicht an, Dinge aus Restaurants zu entwenden. In den Steakhäusern der Mook Group verschwinden beispielsweise jedes Jahr auf mysteriöse Weise mehrere hundert Steakmesser.

In einem Land, in dem Damen tatsächlich noch regelmäßig einen Fascinator aus dem Walk-in-Closet holen, müssen natürlich auch die Cocktails entsprechend extravagant präsentiert werden. Das MNY HSE versteht sich übrigens ganz exzellent auf die sublime Kunst der Mixology. Man kann also bevor man seine erste Salmanassar oder Nebukadnezar des Abends bestellt durchaus mit einem gutem Cocktail vorglühen.

Küchenchef Pablo Peñalosa-Najera serviert der coolen It-Crowd, was aktuell angesagt ist. Man findet auf der Speisekarte dementsprechend alle üblichen Verdächtigen. Es gibt Quinoa Salat, Guacamole, Tiraditos, Wagyu-Beef, Ceviche, Cancha-Corn-Pops, Shishito Peppers und natürlich den unvermeidlichen Chu Toro Tartar mit Yuzu. Das Essen ist  solide und scheint bei der jungen Gästeschar gut anzukommen. Pablo Peñalosa-Najera hat allerdings mit dem Morimoto in Mexiko City und dem Four Seasons in Bogota auch schon einige sehr gute Stationen in seiner Karriere absolviert. Hier sehen wir übrigens ein paar recht knusprige Tortilla Chips mit Crab-Meat-Mayo.

Der Thunfisch-Tatar ist mit knusprigen Quinoa belegt und hübsch mit einigen saftigen Queller-Stängeln dekoriert.

Wenn man die Quinoa-Haube entfernt, präsentiert sich darunter der rohe Thunfisch. Anhand von Geschmack und Konsistenz der feinen Masse erkennt man sofort die gestrenge Morimoto-Schule.

Hier sehen wir ein paar Chicken-Drumsticks mit einer pikanten südamerikanischen Sauce. Anhand der Optik lässt sich der Geschmack perfekt ablesen.

Auch Pimientos de Padron finden sich auf der Speisekarte des MNKY HSE.

Es gibt sogar einen echten Maissalat.

Hier sehen wir ein pikant gewürztes Käsefondue. Wie uns der nette Kellner erklärt, ist das Gericht angeblich ein echter Anden-Klassiker.

Der Salat wird vom Meister mit einigen knackigen Granatapfelkernen bestreut.

Natürlich gibt es auch diverse Ceviche-Kreationen.

Die Hähnchenbrust wurde vor dem grillen mit einer pikanten Sojasauce mariniert.

Das Iberico Pork Chop wurde vor dem grillen mit einer Miso-Paste mariniert.

Zum Schweinekotelett  reicht der Meister Gemüse.