Wir haben schon mehrfach darauf hingewiesen, dass die handwerklich seriös arbeitende Speisegastronomie nicht nur ein extrem personalintensives POS-Dienstleistungsunternehmen ist, sondern auch eine extrem energieintensive Just-in-Time-Lebensmittelmanufaktur.
In diesem Kontext sollte man noch wissen, dass Professor Dr. Dr. h.c. Clemens Fuest, der Präsident des renommierten ifo-Instituts, im The-Pioneer-Podcast erst kürzlich ernüchternd festgestellt hat, dass Deutschland sich entschieden habe, ein Land mit knapper und teurer Energie zu sein, und die Konsequenz daraus sei, dass die energieintensive Industrie im ehemaligen Industrieland Deutschland keine Zukunft mehr habe.
Die aktive Entscheidung der Politik, den Kuchen nicht größer zu machen, sondern kleiner, manifestiert sich mittlerweile auch in handfesten Zahlen. Laut den von Lars Klingbeil vorgestellten Zahlen rechnen die Experten bis zum Jahr 2030 in Summe mit einem Minus von 87,5 Milliarden Euro bei den Einnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden.
Vor diesem Hintergrund warnt der Think-Tank Zukunft der Gastwelt nun vor sinkenden fiskalischen Spielräumen und einer sich zuspitzenden steuerpolitischen Debatte, die sich auch negativ auf die Hospitality-Industrie auswirken könnte.
Aus Sicht der Denkfabrik könnte die Fiskaldebatte angesichts der angespannten Lage in den kommenden Monaten wesentlich härter werden. Auch Steuervergünstigungen könnten laut dem Think-Tank wieder stärker in den Fokus rücken. Man muss angesichts dieser düsteren Aussagen kein Spieltheoretiker, Makroökonom oder politisch gewiefter Politikwissenschaftler sein, um zu verstehen, dass hier offensichtlich insinuiert werden soll, dass auch die gerade erst in Kraft getretene Mehrwertsteuersenkung auf Speisen in der Gastronomie schon bald wieder im fiskalischen Fadenkreuz der Politik stehen könnte.
Leider ist das kein unrealistisches Szenario angesichts der Tatsache, dass laut ARD-DeutschlandTrend (Infratest dimap, Mai 2026) nur noch lächerliche 13 Prozent der Bürger mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden sind. Wer ohnehin schon auf einem historischen Tiefpunkt herumdümpelt, den schrecken auch keine weiteren unpopulären Entscheidungen mehr. Die Hemmschwelle, die Mehrwertsteuer auf Speisen einfach wieder von 7 auf 19 Prozent fast zu verdreifachen, dürfte dementsprechend erschreckend niedrig sein.
Dr. Marcel Klinge, der Vorstandssprecher der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt, warnt in diesem Zusammenhang davor, dass die kommenden Jahre von harter Priorisierung geprägt sein werden und dass, wer seine Rolle und Bedeutung nicht aktiv kommuniziere, Gefahr laufe, in einer sich verschärfenden Verteilungsdebatte nicht mehr berücksichtigt zu werden.
Deshalb können wir nur noch einmal ausdrücklich davor warnen, dass massive Steuererhöhungen für eine maximal energieintensive Branche wie die handwerklich arbeitende Speisegastronomie ein absoluter Super-GAU wären. Eine Branche, die in den letzten Monaten ohnehin schon weit überproportional unter geradezu explodierenden Lebensmittelpreisen, steigenden Lohnkosten, wachsenden Lohnnebenkosten, sinkender Kaufkraft, zunehmender Konsumzurückhaltung und einer weiterhin toxisch metastasierenden Bürokratie leiden musste, darf jetzt einfach nicht als fiskalisches Kanonenfutter in der nächsten Haushaltsrunde verheizt werden.
Die handwerklich arbeitende Individualgastronomie ist nicht nur ein wichtiges Kulturgut, sondern auch ein elementarer Bestandteil urbaner Lebensqualität, sozialer Infrastruktur und regionaler Wertschöpfung. Restaurants sind keine steuerpolitische Verfügungsmasse, die man nach Belieben schikanieren, stigmatisieren, überregulieren und ausquetschen kann.
Wer der Gastronomie erst die Energie verteuert, dann die Lebensmittel verteuert, dann die Löhne verteuert, dann die teure Bürokratie vervielfacht und am Ende auch noch die Mehrwertsteuer auf Speisen wieder fast verdreifacht, der betreibt keine verantwortungsvolle Haushaltspolitik, sondern ökonomische Ausbeutung an einer ohnehin schon maximal ausgezehrten Branche.
Genau deshalb hat die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt mit ihrer Warnung vollkommen recht. Wenn die Hospitality-Industrie ihre volkswirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung nicht endlich besser kommuniziert, wird sie in der kommenden Verteilungsdebatte nicht als schützenswertes Kulturgut wahrgenommen, sondern wieder nur als fiskalisch leicht ausplünderbare Goldgrube.
