Großbritannien führte im April 2018 eine Zuckersteuer auf Softdrinks ein. Mit durchschlagendem Erfolg, zumindest auf dem Papier. Erwachsene konsumierten anschließend täglich rund elf Gramm weniger freien Zucker, was einem durchaus beträchtlichen Rückgang von etwa 20 Prozent entspricht. Bei Kindern waren es rund fünf Gramm weniger, immerhin noch ein Rückgang von etwa zehn Prozent.
Von einem Weniger beim Staat kann man angesichts fiskalischer Mehreinnahmen von inzwischen mehr als 300 Millionen Pfund jährlich allerdings nicht sprechen.
Wirklich interessant wird es, wenn man sich den Realwelt-Effekt der Zuckersteuer anschaut. Obwohl die Abgabe bereits seit 2018 unter anderem durch die Substitution von Zucker durch Süßstoffe für einen dramatisch geringeren Zuckerkonsum sorgt, ist bei der Lebenserwartung bislang kein entsprechender positiver Effekt zu erkennen. Ganz im Gegenteil. Vergleicht man die letzten drei Jahre vor Corona mit den aktuellsten verfügbaren Dreijahresdaten, ist sie bei Frauen praktisch gleich geblieben und bei Männern sogar leicht gesunken.
Natürlich spielen bei der Lebenserwartung viele Faktoren eine Rolle. Und natürlich ist ein hoher Zuckerkonsum schädlich und kann zu Karies und Stoffwechselerkrankungen führen. Allerdings ist auch keineswegs sicher, ob die Idee, Zucker durch synthetische Süßstoffe zu substituieren, wirklich so klug ist. Ob synthetische Süßstoffe tatsächlich vollkommen unbedenklich sind, ist nämlich keineswegs abschließend geklärt. Hinweise auf mögliche Auswirkungen auf Darmflora, Appetitregulation und Stoffwechsel werden weiterhin intensiv erforscht. Auch die seit Einführung der Zuckersteuer leicht negative Entwicklung der Lebenserwartung spricht jedenfalls nicht dafür, dass die massive Substitution von Zucker durch Süßstoffe bislang einen erkennbaren positiven Effekt auf die Lebenserwartung gehabt hätte. Die WHO rät jedenfalls explizit davon ab, Non-Sugar-Sweeteners zur langfristigen Gewichtskontrolle einzusetzen, und verweist auf mögliche unerwünschte Langzeiteffekte.
Deshalb lautet die simple Bilanz der Zuckersteuer unterm Strich bisher: weniger Zucker, höhere Steuern und eine leicht negative Entwicklung der Lebenserwartung. Ob das als valides Argument für eine angeblich dringend notwendige neue Lenkungssteuer taugt, darf jeder für sich selbst beantworten.
