Die Londoner City verfügt nicht nur über eine der spektakulärsten Skylines der Welt, sondern auch über Einwohner mit einer bemerkenswerten Vorliebe dafür, ihre ikonischen Hochhäuser nach Lebensmitteln und Küchenutensilien zu benennen.
Das berühmteste Beispiel ist zweifellos „The Gherkin“, die Gewürzgurke. Der 180 Meter hohe Büroturm an der Adresse 30 St Mary Axe wurde von Foster + Partners entworfen und 2004 eröffnet. Schon in der Planungsphase erinnerte seine rundliche, sich nach oben und unten verjüngende Form die Londoner derart frappierend an eine eingelegte Gurke, dass sich der Spitzname schnell durchsetzte.
Nur wenige hundert Meter entfernt steht „The Cheesegrater“, die Käsereibe. Das offiziell Leadenhall Building genannte, 225 Meter hohe Hochhaus stammt aus dem Büro des britischen Stararchitekten Richard Rogers. Geprägt haben soll den Spitznamen der damalige oberste Stadtplaner der City of London, Peter Rees. Beim Anblick eines Modells erklärte er Rogers sinngemäß, er könne sich gut vorstellen, wie seine Frau darauf einen imposanten Keil Parmesan reibe. Der Name war prägnant und blieb somit hängen.
Ebenfalls in der City befindet sich „The Can of Ham“, die Schinkendose. Das von Foggo Associates entworfene Hochhaus an der Adresse 70 St Mary Axe wird gelegentlich auch „Can of Spam“ genannt. Wer sich das Gebäude einmal von der Seite anschaut, versteht sofort, warum. Seine ungewöhnlich gewölbte Silhouette erinnert tatsächlich verblüffend an eine klassische Dose amerikanischen SPAM-Pressschinkens.
Kulinarisch am bemerkenswertesten ist allerdings ein anderes Londoner Hochhaus. Das vom uruguayischen Architekten Rafael Viñoly entworfene 20 Fenchurch Street wurde wegen seiner Silhouette zunächst „Walkie-Talkie“ getauft.
Doch noch vor der Eröffnung stellte sich heraus, dass seine konkav gewölbte Glasfassade das Sonnenlicht wie ein gigantisches Brennglas auf die Straße bündelte. Die Hitze dieses „Todesstrahls“ war derart stark, dass Lack und Kunststoffteile geparkter Autos verkohlten und ein Reporter tatsächlich ein Ei in einer Pfanne braten konnte. Die unerbittliche englische Yellow Press machte daraufhin aus dem „Walkie-Talkie“ kurzerhand wahlweise das „Walkie-Scorchie“, den „Skyfryer“ oder den „Fryscraper“.
Erfreulicherweise hat aber auch Frankfurt zumindest ein bemerkenswertes Exemplar aus der illustren Kategorie kulinarisch inspirierter Hochhausarchitektur zu bieten. Der vom Frankfurter Architekturbüro Schneider + Schumacher entworfene, gut 110 Meter hohe Westhafen Tower wird im Frankfurter Volksmund schlicht „das Gerippte“ genannt. Seine aus 3.556 rautenförmigen Glasscheiben bestehende Fassade erinnert allerdings auch wirklich frappierend an das traditionelle Frankfurter Apfelweinglas.
Während die Londoner also ihre Gurken, Käsereiben und Schinkendosen in den Himmel bauen, haben wir Frankfurter uns gleich für ein überdimensionales Äppelwoiglas entschieden. Wirklich passend für Mainhattan.
