Die rot dominierte Marienkäferkoalition hat ein geradezu bewundernswertes Talent dafür entwickelt, in ihren politischen Sonntagsreden das exakte Gegenteil von dem zu versprechen, was sie anschließend in der Realität auf den Weg bringt. Ein wunderbares Beispiel für diese mittlerweile institutionalisierte politische Paradoxokratie liefert der geplante Minijob-GAU, der mal wieder die ohnehin schon schwer gebeutelte, handwerklich seriös arbeitende Individualgastronomie besonders hart trifft.
Während die Bundesregierung nicht müde wird zu verkünden, dass sich Arbeit endlich wieder lohnen müsse und die Lohnnebenkosten keinesfalls weiter steigen dürften, arbeitet sie gleichzeitig mit geradezu leidenschaftlichem Eifer daran, Minijobs durch zusätzliche Steuern und Sozialabgaben immer absurder zu verteuern.
So wurde die Erhöhung des pauschalen Arbeitgeberbeitrags zur Krankenversicherung um satte 34,62 Prozent bereits gesetzlich beschlossen. Auch die Pauschalsteuer soll steigen, allerdings nicht nur um 10, 20, 60 oder gar 100 Prozent, sondern um sage und schreibe 150 Prozent! Und als wäre das alles noch nicht schrecklich genug, soll nun auch noch ein zusätzlicher Pflegeversicherungsbeitrag von 3,6 Prozent on top kommen.
Besonders pikant ist dabei, dass die Bundesregierung mit ihren Reformplänen gleich doppelt zulangt. Während sie den Arbeitgebern die ohnehin schon hohen Lohnnebenkosten weiter in die Höhe treibt, dürfte sie durch die zu erwartende Weitergabe der höheren Pauschalsteuer an die Beschäftigten gleichzeitig dafür sorgen, dass den betroffenen Minijobbern am Ende auch noch weniger Netto vom Brutto bleibt.
Begründet wird das ganze Minijob-Desaster übrigens mit dem angeblich hehren Ziel, mehr Menschen in Vollzeitbeschäftigung zu bringen. Dabei nutzen laut DEHOGA Bayern fast 95 Prozent der Minijobber ihre Beschäftigung als Hinzuverdienst oder zusätzliche Arbeit, etwa neben ihrem Hauptberuf, während der Ausbildung oder im Ruhestand. Damit stellt sich unweigerlich die Frage, ob die rot dominierte Marienkäferkoalition ihre eigenen Argumente überhaupt versteht oder wissentlich eine falsche Begründung lanciert. In diesem Kontext drängt sich wieder einmal Riecks Rasiermesser auf, das ja bekanntlich besagt: „Gehe von Absicht aus, auch wenn Dummheit die bequemere Erklärung ist.“
Speziell die handwerklich seriös arbeitende Individualgastronomie ist als extrem volatile Branche auf Minijobs zwingend angewiesen. Schließlich benötigt ein Restaurant nicht für jede kurzfristige Nachfragespitze eine zusätzliche Vollzeitkraft. Wer am Freitagabend, am Wochenende, bei Messen, größeren Veranstaltungen oder im Weihnachtsgeschäft für ein paar Stunden zusätzliche Mitarbeiter braucht, kann daraus schließlich keine wirtschaftlich sinnvollen Vollzeitstellen herbeiregulieren. Anstatt eines der letzten verbliebenen unternehmerischen Flexibilitätsinstrumente zu erhalten, macht die Bundesregierung nun auch noch das wichtigste davon maximal unattraktiv und teuer. Vor diesem Hintergrund ist das ganze Minijob-Desaster nichts anderes als ein weiteres staatliches Attentat auf die ohnehin schon schwer gebeutelte Speisegastronomie.
Am Ende bleibt wieder einmal das altbekannte Paradox deutscher Arbeitsmarktpolitik. Die Bundesregierung behauptet, mehr Menschen in Arbeit bringen zu wollen, treibt aber gleichzeitig die wirtschaftliche Zerstörung einer der personalintensivsten Branchen der Republik weiter proativ voran. Allerdings muss man zugeben, dass die Politiker bei ihrer destruktiven Politik ganze Arbeit leisten. Laut Creditreform mussten allein 2025 rund 2.900 Gastronomiebetriebe Insolvenz anmelden, satte 29,6 Prozent mehr als im Vorjahr und mehr als doppelt so viele wie noch 2022. Gleichzeitig haben allein in den Jahren 2024 und 2025 rund 24.500 Restaurants, Gaststätten und andere gastronomische Betriebe endgültig ihre Pforten geschlossen. Und als wäre das alles nicht schon katastrophal genug, sind die realen Umsätze der Gastronomie laut Statistischem Bundesamt im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem ohnehin schon desaströsen Vorjahreszeitraum um weitere 5,7 Prozent eingebrochen. Ausgerechnet in einer derart existenzbedrohenden Situation nun auch noch die Personalkosten weiter in die Höhe zu treiben und eines der letzten funktionierenden Flexibilitätsinstrumente systematisch zu verteuern, könnte die grassierende Pleitewelle endgültig in einen regelrechten Pleite-Tsunami verwandeln.
