Wir haben Euch kürzlich darüber berichtet, dass der Alkoholkonsum in Deutschland seit Jahren kontinuierlich sinkt. Was aus gesundheitspolitischer Sicht möglicherweise erfreulich ist, stellt die handwerklich seriös arbeitende Speisegastronomie betriebswirtschaftlich vor erhebliche Herausforderungen, weil ausgerechnet die margenstarken Umsätze mit Wein, Aperitifs, Cocktails und Spirituosen zunehmend wegbrechen.
Darüber hinaus hat der Trend noch eine zweite, ausgesprochen paradoxe Konsequenz, über die bislang kaum jemand spricht. Je weniger Alkohol Restaurantgäste trinken, desto wichtiger wird für viele wieder das eigene Auto.
Die Logik dahinter ist eigentlich vollkommen banal. Wer zum Abendessen einen Aperitif, ein paar Gläser Wein und zum Abschluss noch einen Digestif trinken möchte, lässt das Auto vernünftigerweise zu Hause. Wer sich dagegen für Mocktails, Mineralwasser oder ein alkoholfreies Food-Pairing entscheidet, kann anschließend vollkommen problemlos selbst nach Hause fahren. Ausgerechnet der gesellschaftlich und politisch ausdrücklich erwünschte Trend zu weniger Alkohol sorgt also dafür, dass die Erreichbarkeit mit dem eigenen Pkw für immer mehr Restaurantgäste und damit auch für Restaurants an Bedeutung gewinnt.
Wer möchte schon für ein gepflegtes Abendessen in einem ambitionierten Szenerestaurant eine halbe Weltreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln unternehmen? Zunächst aus Bad Homburg, Königstein oder Wiesbaden zu irgendeinem gruseligen Park-and-Ride-Platz fahren, dort auf eine S-Bahn warten, anschließend womöglich noch in die U-Bahn umsteigen und am Ende in eleganten High Heels zehn Minuten durch den Regen marschieren, nur um nach dem Dessert die ganze Odyssee noch einmal in umgekehrter Reihenfolge absolvieren zu müssen? Zumal im Rhein-Main-Gebiet statistisch mittlerweile rund jede fünfte geplante S-Bahn-Fahrt entweder komplett ausfällt oder mit einer teils dramatischen Verspätung endet.
Natürlich gibt es alternativ auch Taxis und Ridehailing-Dienste wie Uber. Aber für eine Hin- und Rückfahrt aus dem wohlhabenden Frankfurter Speckgürtel zusätzlich 60, 90 oder sogar 200 Euro auszugeben, um anschließend auch noch von der App zu einem großzügigen Trinkgeld animiert zu werden, ist für viele Menschen schlicht keine attraktive Alternative zum bequemen eigenen Auto.
Speziell für ambitionierte Nischenrestaurants, die auf kaufkräftige Gäste aus einem größeren Einzugsgebiet angewiesen sind, wird es deshalb von immer größerer betriebswirtschaftlicher Bedeutung, dass ihre Gäste nicht nur bequem mit dem eigenen Auto anreisen können, sondern vor Ort auch schnell einen Parkplatz finden. Schließlich ist wenig gewonnen, wenn die Gäste zwar problemlos ihr Ziel erreichen, anschließend aber infolge der rein ideologisch motivierten Parkraumvernichtung der vergangenen Jahre auf endloser Parkplatzsuche durch die Straßen kreisen und dabei vollkommen unnötig zusätzliche klimaschädliche Treibhausgase emittieren.
Nun haben wir ja schon mehrfach plausibel hergeleitet, dass in Zeiten, in denen die unterschiedlichsten europäischen Metropolen um die Gunst kaufkräftiger Touristen, internationaler Unternehmen und lukrativer Messeveranstalter buhlen, eine spannende, vielfältige und ambitionierte Gastronomieszene zunehmend an Bedeutung gewinnt. Schließlich gehört zu einer attraktiven und wirtschaftlich prosperierenden Großstadt auch eine lebendige Individualgastronomie, die kulinarisch deutlich mehr zu bieten hat als die immer gleichen Systemgastronomie-Konzepte und international austauschbaren Fast-Food-Ketten.
Doch anstatt die Zeichen der Zeit richtig zu lesen, die Erreichbarkeit der Innenstadt zu verbessern und dringend benötigten Parkraum zu schaffen, haben die rein ideologisch motivierten Frankfurter Verkehrspolitiker in den vergangenen Jahren mit schikanösen Diagonalsperren, radikaler Parkraumvernichtung, künstlich erzeugten Nadelöhrstaus und vollkommen überflüssigen Bike-Lanes alles darangesetzt, die kaufkräftige Autofahrerklientel aus dem wohlhabenden Frankfurter Speckgürtel systematisch aus der City zu vergrämen.
Nun ist der grüne Verkehrsdezernent Wolfgang Siefert aber endgültig aus dem Amt geschieden und mit dem CDU-Politiker Yannick Schwander ein neuer Mann ins Frankfurter Dezernat für Verkehr und Mobilität eingezogen. Wir haben Herrn Schwander bereits persönlich getroffen und ihm bei einem netten und konstruktiven Gespräch erklärt, wie wir die Sache sehen. Jetzt können wir nur hoffen, dass wir ihm plausibel darlegen konnten, dass der motorisierte Individualverkehr für die ambitionierte Nischengastronomie genau so wichtig ist wie eine ambitionierte Nischengastronomie für eine prosperierende Stadt.
