Posted on KASPARS SEAFOOD & OYSTER BAR – A CLOSER LOOK

Das legendäre Savoy Hotel in London feiert soeben seinen 125sten Geburtstag. Ein guter Anlass noch einmal für Euch die phantastische Kaspar’s Seafood- and Oyster-Bar etwas ausführlicher unter das gestrenge Mookular zu nehmen.

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Das Savoy Hotel hatte lange den Ruf, das dekadenteste Hotel der Welt zu sein. Grandiose Spektakel wie die legendäre Gondel-Party des New Yorker Champagner-Königs George Kessler trugen dazu bei, diesen Ruf noch zu untermauern. Für seine kleine Geburtstagsparty wurde der komplette Innenhof des Savoy mit Wasser geflutet und die geladenen Gäste speisten auf venezianischen Gondeln. Als der Abend dem Klimax zustrebte, erschien ein Baby-Elefant mit einer meterhohen Geburtstagstorte auf dem Rücken. Dazu schmetterte der legendäre Enrico Caruso “O Sole Mio”. Auch war das Savoy das erste Hotel in Europa mit privaten Bädern und fließend Wasser, elektrischen Aufzügen und, wie in Zeitungsanzeigen geworben wurde, “überall und zu jeder Zeit elektrischem Licht”. Der erste Hoteldirektor war übrigens der legendäre César Ritz. Das Savoy wurde 2011 für die rekordverdächtige Summe von 220 Millionen Pfund komplett renoviert.

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Verantwortlich für das gatsbyesque Art Deco Design im Kaspars ist der virtuose Robert Angell. Mister Angell arbeite 15 Jahre als Creative Director bei David Collins, bis er sich 2010 in die Selbstständigkeit wagte. Zu seinen Arbeiten zählen unter anderem die Connaught Bar und das Nobu Berkeley. Auch war Angell seiner Zeit bei David Collins maßgeblich am Design des Wolseley beteiligt.

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Man beachte bitte die maritime Bodengestaltung. Die Fliesen wurden in Form von Fischschuppen verlegt. Der angrenzende Teppich wurde speziell für das Kaspars gewebt und soll die berüchtigten Strudel der Themse nachbilden. Tagsüber hat man vom Kaspars einen phantastischen Blick auf die majestätisch dahingleitende Themse. Harpers Bazaar nennt das Ganze übrigens: The epitome of aquatic chic.

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Epizentrum des Kaspars bildet die wunderschöne Seafood & Oyster Bar. Das Kaspars ist speziell auf seine große Auswahl von geräucherten und gebeizten Fischen stolz. Die aus Muranoglas gefertigte Lichtinstallation an der Decke weist dezent auf diese Tatsache hin.

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Hier noch einmal ein schönes Close-up. Über der Wirkungsstätte des Ecaillers baumeln Hunderte von stilisierten Lachssaiten aus mundgeblasenem Muranoglas.

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Ein absolutes Highlight im Kaspars ist der anamorphe Spiegelzylinder von Jonty Hurwitz. Die Fairmont Gruppe beauftragte Evil-Mastermind Jonty Hurwitz, das Katzen-Maskottchen des Savoy Hotels in eine seiner verblüffenden Installationen zu verwandeln. Bei den Hurwitz Zylinderskulpturen wird durch eine groteske Aspekt-Ratio-Verzerrung ein Objekt geschaffen, welches dem Betrachter erst durch die Spiegelung in einem Chromzylinder seine wahre Gestalt offenbart. Wie bei fast allen optischen Illusionsarbeiten von Jonty Hurwitz entfaltet auch der Spiegelzylinder im Kaspars seinen eigentlichen Zauber erst in der Translokation. Für alle, die mit Jonty Hurwitz Œuvre noch nicht vertraut sind, empfehlen wir deshalb, einfach mal bei YouTube nachzuschauen. Hier finden sich einige sehr aufschlussreiche Walkaround-Videos, die den erstaunlichen visuellen Effekt am besten erklären.

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Hier sehen wir den Hurwitz Spiegelzylinder noch einmal aus einer anderen Perspektive. Bei Jonty Hurwitz verschmelzen auf ganz wunderbare Weise Wissenschaft und Kunst. Die Mook Redaktion verfolgt das Œuvre des Meisters schon seit einigen Jahren und prophezeite dem Künstler schon 2010 eine großartige Zukunft.

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Die geometrischen Spiegelintarsien auf hellen Sycamore Paneelen sind offensichtlich Robert Angells Hommage an den großartigen Art-Deco Pionier Henri Rapin. Hier wurde sauber recherchiert und perfekt handwerklich umgesetzt. In Deutschland gibt es leider nicht sehr viele Gastronomen, die sich über solche Dinge große Gedanken machen. Allerdings gibt es außer Euch auch nicht sehr viele Gäste, die eine solch detailverliebte Akribie zu schätzen wissen.

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Benannt wurde das Kaspars Restaurant nach dem legendären Katzen-Maskottchen des Savoy Hotels. Kaspar ist circa einen halben Meter hoch und aus einem einzigen Stück Londoner Platane geschnitzt. Normalerweise sitzt Kaspar in der Lobby des Savoy Hotels und begrüßt dort lässig die ankommenden Hotelgäste. Allerdings wird Kaspar auch ab und an abkommandiert und muss seinen beschwerlichen „Dinner-Dienst“ antreten. Kaspar the Cat wurde nämlich geschaffen, nachdem bei einem Bankett im Jahre 1898 versehentlich nur dreizehn Gäste erschienen waren und es danach zu einer ganzen Reihe von schrecklichen Begebenheiten kam. Der Gastgeber, der südafrikanische Diamanten-Magnat Joel Wolff, wurde sogar kurz danach in seinem Büro in Johannesburg erschossen. Seitdem gibt es im Savoy keine Gesellschaften mehr von 13 Personen. Als vierzehnter Gast sitzt in solchen Fällen nun immer Kaspar der Hauskater mit am Tisch. Traditionell wird Kaspar auch jeder einzelne Gang des Menüs serviert. Auch durfte Kaspar immer an den zweiwöchentlichen Treffen mit Winston Churchill und seinem politischen Club „The Others“ teilnehmen. Während des zweiten Weltkrieges wurde Kaspar von einer Gruppe von üblen Scherzbolden gecatnapped und anschließend sogar noch nach Singapur geshanghait. Winston Churchill gelang es allerdings durch seinen immensen politischen Einfluss, das legendäre Maskottchen wieder sicher in den heimatlichen Hotel-Hafen zu retten. Nun hat es Kaspar sogar geschafft, der Namenspatron für das nagelneue Seafood Konzept im Savoy zu werden. Erschaffen wurde die wunderschöne Art Deco Skulptur übrigens von Architekt und Bildhauer Basil Ionides.

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In riesigen „Arts and Crafts“ Majuskeln prangt der Name des Kaspars auf der Speisekarte. Selbst bei der Typographie wurde auf ein Höchstmass an Originalität geachtet. Die Mook Redaktion liebt es, wenn Konzepte stringent zu Ende gedacht werden. Achtet bei Eurem nächsten Besuch bitte auch einmal auf die Gestaltung der „Mon amie Maxi“ Speisekarte. Vielleicht fällt Euch ja etwas auf. Auch haben wir gerade die Speisekarten in M-Steakhouse und Surf & Turf komplett neu gestaltet. Über ein Feedback würden wir uns natürlich wie immer sehr freuen: info@mook-group.de

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Sogar das Wasser ist im Kaspars mit dem Katzen-Maskottchen des Savoy Hotels gebrandet.

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Eine wirklich tolle Sache. Für umgerechnet 100,- Euro bietet das Kaspars seinen Gästen einen 2005er Louis Roederer  ‘Cristal’ auch glasweise an. Eine Portion korrespondieren Oscietra Kaviar (50g) mit Blinis und Sour-Cream bekommt man schon für umgerechnet 160,- Euro und ein wirklich opulent belegtes Lobster-Sandwich gibt es im Kaspars schon für schier unglaubliche 30,- Pfund.

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Wir entscheiden uns, direkt an der Seafood-Theke Platz zu nehmen, um dem Ecailler besser über die Schulter schauen zu können. Durch eine beindruckende Zahnradkonstruktion lassen sich zusätzlich diverse Minitische aus der eigentlichen Theke auskurbeln.

Als völlig kostenloses Amuse-Gueule wird Brot und Butter gereicht. Leider müssen wir verzichten. Um unser unglaubliches Pensum absolvieren zu können, müssen wir unsere Kapazitäten klug einteilen. Wir machen das ja alles nicht zum Spaß.

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Star Anise cured Salmon and peppered Monkfish. Die köstlichen Fischkreationen werden à la minute vor den Augen der Gäste tranchiert.

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Der Teller dürfte den Mook Stammgästen sicherlich bekannt sein.

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Hmmm….lecker Fischwurst. Die hausgemachten Lachswürstchen mit Sauerkraut und Meerrettich-Sauce wurden uns vom freundlichen Gardemanger als absolute Hausspezialität angepriesen. Wie man unschwer erkennen kann, folgten wir dem Rat des Fachmanns.

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Die schaumige Meerrettich-Sauce serviert der Meister à part.

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Hier sehen wir die asiatisch marinierten Shrimps mit Pok Choi.

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Das Lobster-Sandwich ist leicht getoastet und üppig mit Avocado, Speck und Lobster belegt. Ein köstlicher kleiner Snack.

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Hier sehen wir Anna Livia Plurabelle bei der Obduktion der köstlichen Krustentier Kreation. Allein das rot-grüne Farbspiel irritiert ein wenig.

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Hier ein Gericht aus der Abteilung Comfort Food. Die köstlichen Goujonettes gefielen dem Mook Culinary Research Team ausgesprochen gut. Es wurde deshalb einstimmig beschlossen, sie sofort in die „Mon amie Maxi“ Speisekarte einzupflegen. Da wir Gerichte allerdings niemals nur sklavisch abkupfern, haben wir entschieden, der Kreation noch ein paar besonders knusprige Süßkartoffel-Pommes zu spendieren. Wie sich herausstellte eine geradezu genialer Schachzug, der dem Klassiker der französischen Brasserie-Küche noch um einen süßen Akkord bereichert. Die ersten Gästereaktionen waren dementsprechend euphorisch. Serviert werden die deliziösen Fischfinger übrigens von uns mit einer hausgemachten Sauce Tartar.

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Hier noch einmal ein schönes Close-up auf die französische Variante des Fischstäbchens. Die Chefin des Mook Culinary Research Teams taxiert die Länge der Goujonettes übrigens auf maximal 8-10 Zentimeter.

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Der legendäre Auguste Escoffier war nicht nur der erste Chefkoch des Savoy, sondern auch der Schöpfer der Peach Melba. Der jetzige Chefkoch des Kaspars, James Pare, interpretiert nun den Klassiker als Hommage an den Meister in Form eines köstlichen Icecream-Sandwiches. Nicht nur eine leckere kleine Nascherei, sondern auch eine tolle Reminiszenz an die Historie des Hauses. We Like!

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