Posted on Sushisamba, London

Japanisch-peruanische Hybrid-Formeln feiern aktuell weltweit erstaunliche Erfolge. Selbst der sonst so legendäre konservative Ferran Adria ist mit dem Pakta Restaurant in Barcelona auf diesen kulinarischen Zug aufgesprungen. Was sich im ersten Moment vielleicht ein wenig grotesk anhört, ist bei genauerer Betrachtung gar nicht so abwegig. Peru war das erste lateinamerikanische Land, das überhaupt diplomatische Beziehungen mit Japan unterhielt. Auch verfügt Peru über eine große japanische Community und wer erinnert sich nicht an Alberto Fujimori, den japanisch-stämmigen Präsidenten von Peru. Sein legendärer Erdrutschsieg gegen Vargas Llosa und seine politischen Kapriolen bleiben für immer unvergessen. Die japanisch-stämmigen Peruaner werden übrigens Peruano-Japonés oder Nipo-Peruanos genannt.

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Mit dem Sushisamba ging nun ein weiterer Vertreter dieser kulinarischen Kreuzung in London an den Start. Neben japanischen Tempura, Edamame und Sushi werden auch peruanische Ceviche, Anticuchos und andere lateinamerikanische Leckereien angeboten. Das Konzept kommt sensationell an. Das Sushisamba ist über Wochen im Voraus ausgebucht.

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Teil des gigantischen Erfolges ist sicherlich auch der phänomenalen Location geschuldet. Das Sushisamba befindet sich in einem gigantischen Glaskubus im 39. Stockwerk auf der Spitze des Heron Towers. Einziges Dekoelement im Sushisamba ist die Decke aus geflochtenem Bambus. Nichts soll vom imposanten Panoramablick ablenken.

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Weiterhin verfügt das Sushisamba über eine spektakuläre Terrasse und eine tolle Open-Air-Bar mit Blick über die Metropole.

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An kalten Tagen können die Gäste sich am Lagerfeuer wärmen.

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Ob die flinken Herrschaften hinter der Sushi-Theke wirklich alles waschechte Nipo-Peruanos sind konnte nicht zweifelsfrei ermittelt werden. Ihre farbenprächtigen Kreationen bereiteten der Mook Redaktion jedenfalls viel Freude.

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Die Speisekarte im Sushisamba liest sich schon mal recht vielversprechend. Allerdings können wir auf der Karte nirgends die berühmte Nationalspeise der Peruaner entdecken. Wie gerne hätte das Mook Culinary Research Team erstmalig in seiner Geschichte ein putziges Meerschweinchen degustiert. Der drollige Nager steht schon lange auf unserer Agenda der noch zu verzehrenden Delikatessen. Speziell Anna Livia Plurabelle kann ihre Enttäuschung darüber kaum verbergen.

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Wir beginnen mit einem sehr typischen Vertreter der Sushisamba Hybrid-Küche. Die lateinamerikanischen Mini-Tacos sind mit einem japanisch inspiriertem Thunfischtatar gefüllt. Die delikate Taco-Chimäre ist jedenfalls schon mal ein leckeres kleines Amuse-Bouche.

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Die kulinarische Liaison wirkt im ersten Augenblick ein wenig bizarr, macht aber durchaus Sinn. Die knusprige Taco-Shell erweitert die cremige Textur des Tatars noch um eine köstlich krosse Komponente. Wie man unschwer erkennen kann, findet auch Anna Livia Plurabelle großen Gefallen an den kleinen köstlichen Hybrid-Tacos. Nach dem zwölfen Stück legt sich auch langsam ihre Enttäuschung über den nicht erhältlichen Anden-Snack.

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Die peruanischen Anticuchos-Spieße könnten von kulinarischen Laien leicht auch für völlig banale Yakitori-Spieße gehalten werden. Wer mehr über den köstlichen Anden-Snack erfahren will, sollte unbedingt einmal im Mook Blog den sehr aufschlussreichen Coya Bericht inhalieren. Ihr findet die Reportage wie immer unter der Rubrik: „to eat“

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Anticuchos-Spieße werden übrigens traditionell auf dem legendären lateinamerikanischen Parrilla-Grill zubereitet. Der Anden-Grill im Sushisamba ähnelte übrigens auf eine sehr verblüffende Art dem Robata-Grill im Zenzakan.

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Das rösche Stringbean Tempura wird mit einer recht intensiven Frank-Bruni-Kryptonit-Aioli serviert. Den Gästen scheint die Kreation mit der Trüffelöl-Mayonnaise jedenfalls recht gut zu munden. Fast auf jedem Tisch können wir eine Portion der umstrittenen Leckerei entdecken. Offensichtlich handelt es sich bei dieser Schöpfung um ein Signature-Dish im Sushisamba.

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Hier sehen wir das wunderbare Ceviche Triptychon des Sushisamba. Bei Ceviche kommt das sogenannte kalte Garen zum Einsatz. Der saure Limettensaft denaturiert die vorhandenen Fischproteine. Die Säure gibt dabei ihre Protonen ab und verursacht damit die Ladungsänderung in der Proteinstruktur, sodass die Wasserstoffbrückenbindungen zerstört werden und sich die gleichen Ladungen zukünftig gegenseitig abstoßen. Zusätzlich gibt die Säure Protonen an die Carboxylatgruppe ab. Die vorher negativ aufgeladene Ladung verschwindet. Dies führt dazu, dass keine ionischen Wechselwirkungen zwischen der Carboxygruppe und den positiven Ladungen im Protein mehr möglich sind. Die Säuredenaturierung führt damit zu einer kompletten Ladungsverschiebung zwischen den einzelnen Molekülen und damit letzten Endes zum gleichen Ergebnis wie eine konventionelle Hitzedenaturierung durch Kochen oder Braten. Eigentlich ganz einfach. Die Mook Redaktion legt im Gegensatz zu deutschen Politikern ihre Quellen natürlich immer offen. Deshalb an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Chemgapedia für diese aufschlussreichen Ausführungen. An dieser Stelle noch ein Hinweis in eigener Sache. Alles was Sie bisher über den Doktortitel von Christian Mook gehört haben ist kompletter Unfug.

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Die pittoreske Veggi-Roll ist eine filigranes Meisterwerk.

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Leider entpuppt sich die köstliche Kreation als ein wenig sperrig.

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Auch die Wagyu Gyoza wissen der Redaktion zu gefallen.

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Wir bitten ab jetzt die etwas schlechtere Qualität der Bilder zu entschuldigen. Zu vorgerückterer Stunde verwandelt sich das Sushisamba zu einen sehr heimeligen Ort. Völlig anders als in Deutschland liebt es das internationale Publikum gerne etwas gemütlicher. Wie immer gilt deshalb die Regel: Wem das Zenzakan und der Ivory Club schon zu dunkel sind, sollte auch tunlichst vermeiden dem Sushisamba einen Besuch abzustatten. Dasselbe gilt übrigens auch für laut. Das Sushisamba platzt jeden Abend aus allen Nähten und produziert dabei den Sound einer startenden Boing 747. Die Mook Redaktion liebt allerdings gemütliche und lebhafte Restaurants und fühlt sich dementsprechend pudelwohl. Weiterhin wurden wir vom freundlichen Kellner gebeten, auf den Blitz zu verzichten. Eine Bitte, die wir natürlich respektieren und nachvollziehen können. An dieser Stelle noch ein Hinweis in eigener Sache. Viele Wirte sehen es nicht gerne, wenn man ihr Essen fotografiert. Wir mussten leider vor einigen Wochen eine sehr unschöne Szene im Brooklyn erleben. Wir gehören allerdings nicht zu dieser Gattung. Gerne könnt Ihr bei uns alles fotografieren, teilen, posten oder was auch immer. Wir sind auf unser Essen stolz und haben nichts zu verheimlichen. Es wäre nur schön, wenn Ihr auf Blitzlicht verzichten könntet. Andere Gäste fühlen sich davon oft belästigt. So, nun weiterlesen…

Die sogenannten Samba Rollen könnten von unbedarften Amateuren übrigens auch leicht für Sushi gehalten werden. Geschmacklich sind die kleinen Happen jedenfalls tadellos und Freunde des New-Style-Sushi werden sicherlich auch ihr Freude an ihnen haben.

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Auch ein guter alter Bekannter hat seinen Platz auf der Speisekarte gefunden. Calamaris Fritti sind aber auch ein köstlicher kleiner Snack und müssen ja nicht immer so schmecken wie im letzten Rimini Urlaub.

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Das Wagyu-Beef wird mit glühend heißen Flusssteinen serviert. Auf Wunsch kann man hiermit selber sein Grillgut auf die gewünschte Temperatur erhitzen. Da werden natürlich sofort schöne Erinnerungen an die Anfangszeit des Zenzakan wach.

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Wagyu-Beef auf River-Rock-Grill.

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Mochi! Wer liebt die kleine viskose Nascherei nicht?

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Der köstliche Yuzu Cheesecake wird in einer transparenten Zucker-Sphäre gereicht. Vielleicht nicht super neu, dafür aber immer wieder nett anzuschauen.

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Ein letzter Blick auf die immer noch gut gefüllte Bar.

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