In Deutschland ist Trinkgeld im Restaurant eine vollständig freiwillige Sache. Wer hingegen in London ein Restaurant besucht, kennt das Spiel. Auf der Rechnung erscheint mittlerweile fast immer eine sogenannte discretionary service charge von 10 bis 12,5 Prozent. Das absolut freiwillige, aber quasi obligatorische Zwangstrinkgeld wird ungefragt aufgeschlagen, muss aber auf Wunsch des Gastes wieder vom Restaurant entfernt werden. Eine sehr theoretische Möglichkeit, weil in der Praxis kaum ein Gast den peinlichen Move macht, vom Restaurant zu verlangen, die Servicegebühr wieder von der Rechnung zu nehmen.
Nun wird in London heftig über den Vorstoß von Gordon Ramsay diskutiert, das aus den USA bekannte Phänomen der Tipflation, also das systematische Hochtreiben des Trinkgeldes, auch an der Themse zu etablieren. In seinem beliebten Neo-Izakaya-Konzept Lucky Cat haben Gäste neuerdings das Privileg, dem flinken Service eine „vorgeschlagene“ Service Charge von 20 Prozent zu zahlen.
Eine tolle Sache. Allerdings kostet der köstliche Duck Bao Bun im Lucky Cat dann nicht mehr £36, sondern inklusive Service Charge umgerechnet schon 52,60 Euro, die Chef’s Choice Sushi Selection keine £140 mehr, sondern gleich 200 Euro und eine Beilage Fried Rice nicht mehr schlanke £20, sondern umgerechnet schon satte 28,80 Euro.
Als 2019 das erste Lucky Cat seine Pforten im mondänen Szeneviertel Mayfair öffnete, sind wir natürlich sofort nach London gereist, um Gordon Ramsays nagelneues, von den legendären japanischen Kissa-Clubs der 30er Jahre inspiriertes Neo-Izakaya-Konzept für Euch unter das gestrenge Mookular zu nehmen.
Immerhin war uns klar, dass Ihr unbedingt wissen wolltet, was passiert, wenn sich ein waschechter Drei-Sterne-Koch wie Gordon Ramsay an einem Neo-Izakaya-Konzept versucht.
Der Bericht ist nicht mehr ganz taufrisch, aber immer noch sehr lesenswert. Wer also aus aktuellem Anlass einmal einen kurzen Blick ins Lucky Cat werfen möchte, findet den Artikel hier…
