Erinnert Ihr Euch noch an unseren Artikel über das spektakulär gescheiterte Gastronomieprojekt „Le Big TamTam“ im Hamburger Hanseviertel? Der ambitionierte Food Court sollte ausgerechnet dort neues Leben in eine darbende Einkaufspassage bringen, wo die rot-grüne Stadtregierung Ende 2020 mit der Errichtung eines praktisch autofreien Superblocks maximal effizient dafür gesorgt hat, dass das ehemals florierende Stadtzentrum zunehmend verödet und der früher einmal mondäne Jungfernstieg im Volksmund zur „Talahon-Promenade“ umgetauft wurde.
Was nach der Errichtung des Superblocks geschah, haben wir bereits ausführlich beschrieben. Die wohlhabende SUV-Klientel aus schicken Stadtteilen wie Blankenese, Harvestehude und Pöseldorf wurde „erfolgreich“ vergrämt, die Leerstände nahmen massiv zu und selbst die lange Schlange vor dem ehemals florierenden Hummerstand war verschwunden.
Ausgerechnet in diesem schwierigen Umfeld sollte der ambitionierte Food Court „Le Big TamTam“ in der Hanseviertel-Passage als gastronomische Defibrillation dem darbenden Viertel wieder neues Leben einhauchen. Leider scheiterte das Projekt schon nach gerade einmal 15 Monaten kläglich. Danach übernahm Tim Plasse, ein blitzgescheiter und versierter Gastro-Profi, die vakante Fläche und versuchte es unter dem verkürzten Namen „TamTam“ noch einmal.
Nun ist auch dieser Versuch gescheitert. Leider blieb auch die anschließende Suche nach einem neuen Investor erfolglos. Einfach niemand war bereit, in diesem mittlerweile maximal einzelhandels- und gastronomiefeindlichen Umfeld noch einmal eigenes Geld ins Feuer zu werfen. Dementsprechend wurde der Geschäftsbetrieb am 15. September endgültig eingestellt und allen Mitarbeitern gekündigt.
Eigentlich sollten die verantwortlichen Initiatoren hinter dem Superblock die finale Schließung des ambitionierten Food-Court-Projekts zum Anlass nehmen, ihre Verkehrspolitik endlich einmal selbstkritisch auf den Prüfstand zu stellen.
Leider steht dem ein mächtiger psychologischer Mechanismus entgegen, der in der Verhaltensökonomie als Sunk Cost Fallacy bekannt ist. Menschen, Institutionen und Parteien neigen dazu, an einmal getroffenen Entscheidungen festzuhalten, wenn bereits erhebliche Mengen an Geld, Zeit, Engagement oder politischem Kapital investiert wurden. Statt einen offensichtlichen Fehler nüchtern zu korrigieren, wird dann häufig sogar noch mehr investiert, weil ein Rückzug zugleich das Eingeständnis bedeuten würde, dass die bisherigen Investitionen auf einer fundamentalen Fehleinschätzung beruhten.
Rational ist das natürlich Unsinn. Versunkene Kosten sind versunken und sollten für die Beurteilung einer zukünftigen Entscheidung keinerlei Rolle spielen. Politisch und psychologisch sieht die Sache allerdings komplett anders aus. Je größer der Aufwand, mit dem eine Maßnahme zuvor geplant, verteidigt und öffentlich als großer Fortschritt verkauft wurde, desto höher wird die Hemmschwelle, ihre negativen Folgen überhaupt noch ergebnisoffen zu evaluieren und gegebenenfalls zu korrigieren.
Die Chancen, dass die Verantwortlichen hinter dem Hamburger Superblock nun plötzlich ihre iatrogenen Maßnahmen kritisch überprüfen und vernünftigerweise wieder zurücknehmen, dürften deshalb eher überschaubar sein.
