Wir haben kürzlich enttarnt, dass der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) eine mehr als zwei Jahre alte Untersuchung der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) ohne jegliche Quellen- oder Zeitangabe als vermeintlich brandaktuelle Erfolgsgeschichte über den autofeindlichen Umbau des Frankfurter Oeder Wegs verkauft. Besonders pikant war dabei unsere Entdeckung, dass der Interessenverband die bereits damals öffentlich dokumentierte und ausgesprochen fundamentale Kritik der Industrie- und Handelskammer (IHK) einfach komplett unter den Teppich gekehrt hatte.
Bei unseren weiteren Recherchen sind wir nun auf eine zusätzliche methodische Absurdität gestoßen, die der vermeintlichen Erfolgsgeschichte einen besonders bitteren Beigeschmack verleiht.
So jubelt der ADFC in seinem Facebook-Post darüber, dass laut einer Kundenbefragung 103 von insgesamt 231 befragten Personen den Oeder Weg seit der Umgestaltung häufiger besuchen und 97 dort sogar mehr Zeit verbringen. Was sich zunächst wie ein erfreulicher Erfolg anhört, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung allerdings als ein geradezu lehrbuchmäßiges Beispiel für einen sogenannten Selection Bias.
Die Wissenschaftler hatten nämlich Menschen befragt, die sich zum Zeitpunkt der Erhebung tatsächlich noch im Oeder Weg aufhielten. Die ehemalige Kundschaft, die der einst beliebten Einkaufsstraße aufgrund der autofeindlichen Umgestaltung längst den Rücken gekehrt hatte, fiel bei dieser Methode zwangsläufig durch das Raster. Ein fundamentaler methodischer Fehler, den bereits die IHK ausdrücklich kritisiert hatte.
Abgesehen von diesem eklatanten Selection Bias sollte der wichtigste Indikator für den Erfolg der Umgestaltung eigentlich sein, wie es den ansässigen Einzelhändlern und Dienstleistern dadurch wirtschaftlich geht. In diesem Kontext erinnern wir uns an die teilweise dramatischen Umsatzeinbrüche, die verzweifelten Hilferufe der Gewerbetreibenden und all diejenigen, die mittlerweile resigniert das Handtuch geworfen und ihre Geschäfte für immer geschlossen haben.
Es gehört schon ein gehöriges Maß an moralischer Flexibilität dazu, die autofeindliche Verödung des Oeder Wegs auf Grundlage einer offensichtlich geframten Studie als riesigen Erfolg zu feiern und dabei die Opfer, die den bitteren Preis für diesen „Erfolg“ bezahlen müssen, komplett zu verschweigen.
Dabei handelt es sich um einen geradezu exemplarischen Fall von Confirmation Bias, bei dem ausschließlich die Erkenntnisse erwähnt werden, die das eigene ideologische Weltbild bestätigen, während die wirtschaftlichen Schäden und die schrecklichen Schicksale der Opfer komplett ignoriert werden.
