Die SPD-Bundesbauministerin Verena Hubertz hat ein neues Gesetzesvorhaben auf den Weg gebracht, das Kommunen beim Umgang mit sogenannten Schrottimmobilien deutlich schärfere Eingriffsmöglichkeiten gegenüber privaten Hauseigentümern verschaffen soll. Nach den bislang bekannten Eckpunkten können diese im Extremfall sogar bis hin zur kompletten Enteignung reichen.
Angesichts eines derart dirigistischen Vorstoßes drängt sich allerdings eine naheliegende Gegenfrage auf: Was passiert eigentlich, wenn nicht böse Eigentümer, sondern die gute Stadt selbst eine prominente Immobilie über viele Jahre komplett verwahrlosen lässt?
Als bekennende Fans der thailändischen Küche erinnern wir uns in diesem Zusammenhang beispielsweise noch sehr gut an den legendären Thai Palast am Paradiesplatz, dem geografischen und sozioökonomischen Epizentrum von Alt Sachsenhausen. Das damals immer gut besuchte Restaurant lag im stadteigenen Paradieshof und war über viele Jahre eines der größten und beliebtesten Thai-Restaurants der gesamten Stadt.
Leider verfolgte die Stadt Frankfurt große Pläne zur Quartieraufwertung und vergab in diesem Zusammenhang keine langfristigen Mietverträge mehr. Ohne eine verlässliche Perspektive waren notwendige Investitionen kaufmännisch schlicht nicht mehr sinnvoll, sodass auch eine Verlängerung des Mietvertrags nicht infrage kam.
Dank dieser politisch visionären Entscheidung steht die einst stolze und für Sachsenhausen extrem wichtige Schlüsselimmobilie seit weit über 15 Jahren komplett leer und hat sich in dieser Zeit in eine riesige, graffitibeschmierte und beschämende Schrottimmobilie mit unzähligen zerbrochenen Fenstern verwandelt.
Dass das nicht nur eine Katastrophe für ein paar leidenschaftliche Fans der thailändischen Gewürzküche ist, sondern auch für das gesamte Barrio, weiß jeder, der sich ein wenig mit der Broken-Window-Theorie beschäftigt hat. Sie besagt, dass der Niedergang ganzer Viertel rasant Fahrt aufnimmt, wenn ein eingeschlagenes Fenster nicht sofort repariert, Graffiti nicht umgehend entfernt und sichtbare Zeichen des Verfalls offen geduldet werden.
Die Stadt Frankfurt hat ihre eigene Immobilie im Herzen von Alt Sachsenhausen über weit mehr als anderthalb Jahrzehnte zur Ruine verwahrlosen lassen und damit einen erheblichen Anteil am dramatischen Abstieg des gesamten Quartiers geleistet. Vielleicht sollte der Staat, bevor er noch schärfere Gesetze gegen private Eigentümer auf den Weg bringt, erst einmal dafür sorgen, dass die öffentliche Hand selbst die Maßstäbe erfüllt, die sie anderen jetzt auferlegen will.
