Vor über 18 Jahren eröffnete mit dem M-Steakhouse das erste echte Upscale-Steakhouse nach US-amerikanischem Vorbild in Deutschland. Eine Pionierleistung mit allem, was zu einem richtigen Steakhouse dazugehört: authentisches Ambiente, fallende Hitze, Steakpräsentation und natürlich richtig portionierte und gereifte US-Steaks.
Nur zwei Jahre später eröffnete die Mook Group zudem das „Surf’n Turf“-Steakhouse. Ein Konzept, das die Idee Steakhouse zusätzlich um die Facette Meeresfrüchte bereichern sollte. Das Gericht Surf’n Turf war damals in Deutschland noch weitgehend unbekannt. Im „Surf’n Turf“-Steakhouse standen auch diverse Surf’n-Turf-Variationen wie „Reef’n Beef“ und „Ranch’n Sea“ erstmalig auf einer deutschen Speisekarte.
Nun haben die Betreiber der erfolgreichen Goodman Restaurants Group das Surf’n-Turf-Thema mit ihrem neuen Konzept wahrlich auf die Spitze getrieben. In ihrem niegelnagelneuen Restaurant The Beast serviert man der verblüfften Gästeschar ausschließlich Bone-In-Rib-Eye-Steaks und ganze King Crabs. Es gibt weder eine Speisekarte noch irgendeine Art von Wahlmöglichkeit. Die einzige Entscheidung, die man als Gast treffen muss, ist die Garstufe des Steaks. Ein Konzept, wie wir es tatsächlich noch nie erlebt haben.

Im Eingangsbereich wird der staunende Gast von einer riesigen Bären-Skulptur begrüßt. Die furchteinflößende Silhouette der Bestie dient dem Beast-Restaurant auch als einprägsames Logo.

Auge in Auge mit dem martialischen Urzeitkrebs. Ein wahrlich faszinierendes Schauspiel. Im „Beast“ werden nur frische Alaskan King Crabs serviert. Die Tiere werden jeweils nach der Bestellung à la minute abgekocht. Im Eingangsbereich befinden sich gigantische Tanks, in denen man die majestätischen Krustentiere lebend bewundern kann.
Die riesige Königskrabbe kann eine beeindruckende Spannweite von bis zu 180 cm erreichen. Königskrabben können, abhängig von ihrer Ernährung, unzählige verschiedene Farben annehmen. Am häufigsten sind die Farben Rot, Blau und Braun. Die Königskrabbe, auch Kamtschatkakrabbe genannt, ernährt sich vornehmlich von Muscheln, Algen, Seesternen und Aas.
Königskrabben müssen sich häuten, um zu wachsen. Die imposanten Urzeitkrebse besitzen als Zehnfußkrebse fünf Beinpaare, von denen das erste Scheren trägt. Das fünfte Beinpaar liegt versteckt in der Kiemenhöhle, ist verkürzt und hat die Funktion einer Reinigungsbürste. Die Beine wachsen wieder nach, wenn die Krabben sie verlieren.
Ach ja, köstlich schmecken die bizarren Krustentiere natürlich auch.

Hier noch ein wenig interessante Krabben-Trivia. Ende der 1960er Jahre wurde die imposante Kamtschatkakrabbe von sowjetischen Forschern gezielt in der Barentssee angesiedelt. Ziel dieser ebenso waghalsigen wie folgenreichen Maßnahme war es, in den kalten Gewässern des Nordens einen neuen und wirtschaftlich hochattraktiven Fischereibestand aufzubauen. Das Experiment gelang. Die ursprünglich im Nordpazifik beheimatete Art breitete sich in der Folge so erfolgreich aus, dass sie sich in russischen und später auch in norwegischen Gewässern dauerhaft etablierte.
Was einst als kühn geplantes Ressourcenprojekt begann, entwickelte sich damit zu einer der bemerkenswertesten zoologischen Umsiedlungsaktionen der neueren Meeresgeschichte. Aus einem fernöstlichen Krustentier wurde innerhalb weniger Jahrzehnte ein kommerziell bedeutender Bewohner der Barentssee. Dass die Ansiedlung ökonomisch gedacht war, gilt als gesichert. Ebenso, dass sie ökologisch bis heute umstritten ist. Denn mit dem wirtschaftlichen Nutzen ging zugleich ein massiver Eingriff in ein bestehendes marines Ökosystem einher.

Wie uns der engagierte Mundschenk glaubhaft versichert, handelt es sich beim Fleisch ausschließlich um Choice und Prime Beef aus Omaha Nebraska. Natürlich darf heutzutage auch ein obligatorischer Show-Reiferaum nicht mehr fehlen.

An einer derben Kordel baumelt lässig ein Stück Himalayasalz. Über dieses komplexe Thema haben wir ja schon mehrfach ausgiebig in den „Carnivore Connoisseur Chronicles“ referiert.

Hier ein kleiner Blick hinter die Bar. Offensichtlich hatten die Betreiber keine Lust auf komplizierte Pouring Verträge. Die No-Name-Spirituosen werden einfach aus riesigen unbeschrifteten Glas-Kalebassen ausgeschenkt. Das smarte Konzept sieht nicht nur fabelhaft aus, sondern ermöglicht sicherlich auch eine ganz grandiose Gewinnspanne.

Das Eis wird vom freundlichen Barkeeper aus einem von unten illuminierten Block gesägt.

Die Betreiber sind offensichtlich genauso detailverliebt wie wir. Ein gutes Beispiel dafür sind die Barhocker in Form eines Metzger-Blocks.

Kurz nach der Eröffnung sind die riesigen Community-Tables noch relativ leer. Die Mook-Redaktion ist sich allerdings sicher, dass sich dieser Zustand schon sehr bald ändern wird. Das Konzept ist fabelhaft, und die Goodman-Betreiber haben mit dem weltberühmten „Burger & Lobster“-Multiple bereits ein ähnliches Konzept äußerst erfolgreich am Markt etablieren können.
Das „Beast“ zielt zwar auf eine weitaus betuchtere Klientel als „Burger & Lobster“, dies dürfte in London allerdings kaum ein größeres Problem darstellen. Das Publikum in London legt für gewöhnlich ein äußerst respektables Verzehrverhalten an den Tag.

Die Betreiber haben wirklich an alles gedacht. Selbst auf ein gutes Glas Wein muss man im „Beast“ nicht verzichten.

Als Amuse-Gueule reicht die Bestie einen Laib Parmesan, Oliven und Zwiebeln. Ein deftiger kleiner Happen.

Das „Beast“ hat sich entschieden, seine Bone-In Rib-Eye Steaks auf groben Holzscheiten zu garen. Bei der Technik setzte das „Beast“ auf einen bewährten Woodshow Broiler von J&R Manufacturing Inc.

Eine wirklich nette Idee. Der freundliche Rôtisseur benetzt seine Grilladen mit Butter und einem Pinsel aus frischen Kräutern.

Das Bone-In Rib-Eye ist kein Steak der vornehmer Zurückhaltung, sondern ein Cut von beeindruckender aromatischer Präsenz. Schon der erste Bissen entfaltet ein tiefes, dunkles und ausgesprochen sattes Rindfleischaroma, das deutlich opulenter wirkt als bei magereren Stücken. Die ausgeprägte Marmorierung sorgt dafür, dass das Fleisch nicht nur saftig bleibt, sondern eine fast buttrige, schmelzende Fülle entwickelt, die sich über den gesamten Gaumen legt.
Dazu kommen die kräftigen Röstaromen der Kruste, die an Feuer, karamellisierte Eiweiße und einen Hauch von Rauch erinnern. Im Inneren zeigt sich das Fleisch weich, saftreich und zugleich von bemerkenswerter geschmacklicher Dichte. Man schmeckt nussige Reifetöne, eine feine mineralische Tiefe und jene kernige Kraft, die ein Steak am Knochen besonders faszinierend macht.
Gerade dieses Wechselspiel aus archaischer Kruste, saftigem Nukleus und intramuskulären Fett verleiht dem Bone-In Rib-Eye seinen besonderen Reiz. Es schmeckt opulent, warm und verschwenderisch, fast so, als wolle es nicht bloß sättigen, sondern den Begriff Fleischgenuss in eine besonders üppige Form übersetzen.

Als Steaksauce reicht das „Beast“ eine White-Truffle-Beurre-blanc.

Ein wahrlich imposantes Biest.

Es benötig schon ein wenig handwerkliches Geschick, um das saftige Ambrosia aus dem urzeitlichen Exoskelett zu extrahieren. Die Arbeit macht aber durchaus Spaß und die Ausbeute ist mehr als ergiebig. Natürlich stellt das „Beast“ auch alle notwendigen Spezial-Tools zur Verfügung.

Als Beilage serviert man uns eine paar hübsche Gemüseplatten.

Speziell die köstlichen Tomaten verfügen über ein wunderbares Raucharoma.

Nicht nur ein banales Essen, sondern ein opulentes Mahl. Die reich bestückte Tafel sieht fast aus wie ein barockes Stillleben.

Zum Schluss gib es sogar noch was Süßes.
