In der schillernden Welt des globalen Wealth Managements ist Reichtum relativ klar definiert. Menschen mit einem frei investierbaren Vermögen ab einer Million Dollar gelten als sogenannte High Net Worth Individuals, Menschen ab einem frei investierbaren Vermögen von fünf Millionen Dollar als Very High Net Worth Individuals und Menschen ab einem frei investierbaren Vermögen von mindestens 30 Millionen Dollar als Ultra High Net Worth Individuals.
Seit der ARD-Sendung „Arena“ vom 27. April 2026 wissen wir, dass Reichtum in Deutschland offensichtlich nicht über frei investierbares Vermögen definiert wird, sondern über Einkommen. Ab welchem Einkommen man in Deutschland als reich gilt, erklärte uns der ÖRR dort durch seinen eloquenten Star-Moderator Louis Klamroth. Laut dieser Definition sind alle Menschen reich, die den Spitzensteuersatz bezahlen müssen, der derzeit bereits ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 69.879 Euro greift.
Folgt man dieser erstaunlichen Erkenntnis, ist die perfekte Lösung denkbar einfach. Man muss lediglich den Betrag senken, ab dem der Spitzensteuersatz fällig wird. Damit würde man nicht nur sofort die Anzahl der Reichen massiv erhöhen, sondern zugleich auch die Anzahl der Menschen signifikant steigern, die den Spitzensteuersatz bezahlen müssen.
Eine Idee, die im ersten Moment wie ein absurder Witz klingt, in Deutschland aber schon lange glorreiche Tradition hat. Schließlich musste man um 1960 noch etwa das 18-Fache des durchschnittlichen Arbeitslohns verdienen, um in den Spitzensteuersatz hineinzurutschen, 1980 immerhin noch etwa das 5-Fache und heute, je nach Vergleichsgröße und Berechnungsweise, nur noch grob das 1,5- bis 2-Fache. Wenn dieser Trend weiter voranschreitet, sind tatsächlich bald alle Arbeitnehmer reiche Spitzenverdiener, die den Spitzensteuersatz bezahlen dürfen.
Nur hilft dieser begriffliche Wohlstand auf dem Papier keinem einzigen Restaurant. Restaurants leben nicht von euphemistischen Begriffen, sondern von real verfügbaren Budgets. Denn ob man einen Gast politisch zum Reichen, Spitzenverdiener oder demnächst vielleicht sogar zum Überreichen erklärt, macht ihn in der Realität nicht zahlungskräftiger. Es verschleiert lediglich, dass die iatrogene Energie- und Wirtschaftspolitik der rot dominierten Marienkäferkoalition reale Kaufkraft zerstört, Leistungsträger aus dem Land vergrämt und dringend benötigte Investitionen mit bemerkenswerter Effizienz verhindert. Also exakt das, was der handwerklich arbeitenden Speisegastronomie nicht hilft, sondern massiv schadet.
