In der schillernden Welt des globalen Wealth Managements ist Reichtum relativ klar definiert. Menschen mit einem frei investierbaren Vermögen ab einer Million Dollar gelten als sogenannte High Net Worth Individuals, Menschen ab einem frei investierbaren Vermögen von fünf Millionen Dollar als Very High Net Worth Individuals und Menschen ab einem frei investierbaren Vermögen von mindestens 30 Millionen Dollar als Ultra High Net Worth Individuals.
In Deutschland wird Reichtum allerdings komplett anders definiert. Wie genau, ließ uns kürzlich der staatlich finanzierte ÖRR durch seinen eloquenten Star-Moderator Louis Klamroth erklären. Laut dieser Definition sind alle Menschen reich, die den aktuellen Spitzensteuersatz ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 69.879 Euro bezahlen müssen.
Folgt man dieser brillanten Logik, ist die perfekte Lösung denkbar einfach. Man muss lediglich den Betrag senken, ab dem der Spitzensteuersatz fällig wird. Damit würde man nicht nur sofort die Anzahl der Reichen massiv erhöhen, sondern zugleich auch die Anzahl der Menschen signifikant steigern, die den Spitzensteuersatz bezahlen müssen.
Eine Idee, die sich im ersten Moment wie ein absurder Witz anhört, in Deutschland aber schon lange glorreiche Tradition hat. Beispielsweise musste man 1958 noch etwa das 20-Fache des Durchschnittsentgelts verdienen, um in den Spitzensteuersatz hineinzurutschen, 1980 immerhin noch etwa das 5-Fache und 2026 nur noch rund das 1,35-Fache. Wenn dieser Trend weiter voranschreitet, sind wirklich bald alle Arbeitnehmer reiche Spitzenverdiener, die den Spitzensteuersatz bezahlen dürfen.
Da in Deutschland mittlerweile nichts mehr unmöglich ist, werden dann höchstwahrscheinlich schlaue Leute wie Marcel Fratzscher, Lars Klingbeil und Maurice Höfgen auf die geniale Idee kommen, die Untertanen wieder in zwei Gruppen aufzuteilen: die Reichen und die Überreichen, die man natürlich noch einmal höher besteuern sollte als mit dem Spitzensteuersatz, weil starke Schultern ja auch mehr tragen müssen und halt wegen der Gerechtigkeit und so. Man könnte diesen neuen, noch höheren Spitzensteuersatz dann ja „Ultra-Spitzensteuersatz“ oder, noch euphemistischer, „Gerechtigkeits-Spitzensteuersatz Plus“ nennen.
Für die schwer gebeutelten Wirte der Republik wäre damit allerdings wenig gewonnen. Denn ob man einen Gast politisch zum Reichen, Spitzenverdiener oder demnächst vielleicht sogar zum Ultra-Spitzensteuerzahler erklärt, ändert nichts an seiner realen Kaufkraft. Die reale Politik hinter den semantischen Wortspielereien schafft auch keine Kaufkraft, sondern zerstört Kaufkraft, vergrämt Leistungsträger aus dem Land und verhindert effizient dringend benötigte Investitionen.
