Salvador Dalí, der exzentrische spanische Maler, Grafiker, Schriftsteller, Bühnenbildner, Bildhauer und wohl berühmteste Vertreter des Surrealismus, war nicht nur ein begnadeter Künstlerfürst, sondern auch ein Gourmet und leidenschaftlicher Restaurantbesucher.
Für Dalí, der sein gesamtes Leben als ein einziges großes Gesamtkunstwerk verstand, war ein Restaurant niemals nur ein Ort der profanen Nahrungsaufnahme, sondern vielmehr sozialer Resonanzraum, Theater und Bühne für seine extrovertierte Selbstinszenierung.
Dalí liebte das große Tamtam, die große Geste und die große Tafel. Deshalb lud er gerne seine große Entourage aus Bewunderern, Mäzenen, Musen, Galeristen, Sammlern und Freunden ein, um in den angesagtesten Restaurants in Paris, Figueres oder New York opulent zu tafeln.
Dalí war nicht nur ein extrovertierter Selbstdarsteller, leidenschaftlicher Connaisseur und begnadeter Künstler, sondern auch ein smarter Businessman. André Breton, der französische Dichter, Schriftsteller und Wortführer der Surrealisten, fand ihn sogar etwas zu smart, weshalb er Salvador Dalí den spöttischen Anagramm-Spitznamen „Avida Dollars“ verpasste. Was sinngemäß so viel bedeutet wie „gierig nach Dollars“.
Wie smart Dalí als Businessman wirklich war, zeigt eine häufig kolportierte Geschichte. Angeblich bezahlte Dalí seine ausgiebigen Gelage nicht mit Kreditkarte oder Bargeld, sondern am liebsten mit Scheck. Diese Schecks verzierte er allerdings nicht nur mit seiner vollständigen Signatur, sondern auch mit einer kleinen Skizze.
Er wusste sehr genau, dass er damit ein profanes Zahlungsmittel in ein Asset verwandelte und kein Wirt, der noch klar bei Verstand war, einen solchen Scheck einlösen würde, weil ein Original-Dalí mehr wert war als selbst eine sehr hohe Restaurantrechnung.
