Die handwerklich seriös arbeitende Speisegastronomie ist nicht nur ein extrem personalintensives POS-Dienstleistungsunternehmen mit angeschlossener, ebenfalls extrem personal- und energieintensiver Just-in-Time-Lebensmittelmanufaktur, sondern zwangsläufig auch eine regelrechte Müllproduktionsmaschine. Dementsprechend ist neben Miete, Löhnen, Wareneinsatz, Energie und Instandhaltung auch die Entsorgung ein erheblicher Kostenblock.
Denn Müll ist in der Gastronomie längst nicht einfach nur Müll. Speisereste müssen separat entsorgt werden, Frittierfette wandern in eigene Behälter, Fettabscheider werden mit Spezialfahrzeugen leergepumpt, Glas, Papier und Kartonagen, Kunststoffe, Metalle und Restabfälle jeweils getrennt gesammelt. Dazu kommen Batterien, Leuchtmittel, Elektrogeräte, Chemikalien und andere Sonderabfälle, die wiederum ihre ganz eigenen Entsorgungswege haben.
Zu den ohnehin schon enorm komplexen, bürokratischen und teuren Entsorgungskosten zahlen wir bei unserem städtischen Entsorger FES bereits seit geraumer Zeit auch noch einen teuren Energiekostenzuschlag. Nun hat uns der mehrheitlich städtische Entsorgungsbetrieb allerdings vor einigen Monaten auch noch mitgeteilt, dass die explodierenden Kraftstoffpreise leider eine derart „außerordentliche Belastung“ darstellten, dass man zusätzlich zum Energiekostenzuschlag auch noch einen sogenannten „Krisenzuschlag Nahost“ kassieren müsse.
Für Absetz- und Abrollbehälter werden dafür 8,50 Euro netto zusätzlich pro Leerung und pro Behälter fällig, für den Saugwagen 9,20 Euro netto pro Stunde und Anfahrt und für sonstige nebulös und überhaupt nicht beschriebene Logistikleistungen sogar noch satte 7,2 Prozent on top!
Besonders pikant wird die Angelegenheit, wenn man sich vor Augen führt, dass die öffentliche Hand an steigenden Kraftstoffpreisen über die Mehrwertsteuer an jedem zusätzlich verkauften Netto-Euro automatisch mitverdient, weil auf jeden zusätzlichen Euro Nettopreis weitere 19 Cent Mehrwertsteuer kommen. Steigt der Nettopreis, steigt also linear auch der absolute Mehrwertsteuerbetrag. Der Staat leidet also nicht unter hohen Spritpreisen, sondern profitiert von ihnen.
Dass nun ausgerechnet ein mehrheitlich in staatlicher Hand befindlicher Betrieb erklärt, die explodierenden Kraftstoffpreise seien leider so schlimm, dass er uns dafür zusätzlich einen Krisenzuschlag berechnen müsse, obwohl der Staat den Kraftstoffpreis selbst mit seinem geballten Arsenal aus Steuern, CO₂-Bepreisung und Abgaben absurd in die Höhe treibt, ist schon eine bemerkenswerte Realsatire.
Parallel dazu feiert sich die rot dominierte Marienkäferkoalition auch noch für ihren neuen 17-Cent-Tankrabatt, der in Wahrheit für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen wie uns und die für uns relevanten Zulieferer nur ein 14-Cent-Tankrabatt ist. Tatsächlich wird die Energiesteuer ab Oktober nämlich lediglich um 14 Cent pro Liter gesenkt. Die restlichen rund drei Cent entstehen nur dadurch, dass auf den niedrigeren Nettopreis entsprechend weniger Mehrwertsteuer anfällt.
Für uns ist genau dieser Teil wirtschaftlich vollkommen irrelevant, weil die Mehrwertsteuer ohnehin nur ein durchlaufender Posten ist. Von den groß verkündeten 17 Cent bleiben für uns also ziemlich unterwältigende 14 Cent übrig. Ein Witz, speziell wenn man bedenkt, dass in einem Benzinpreis von 2,30 Euro pro Liter bereits rund 37 Cent Mehrwertsteuer, 65,45 Cent Energiesteuer und je nach CO₂-Preis noch einmal rund 16 bis 19 Cent CO₂-Abgabe stecken.
Man muss schon eine bemerkenswerte Chuzpe besitzen, um an steigenden Kraftstoffpreisen über die Mehrwertsteuer automatisch mitzuverdienen, gleichzeitig über einen mehrheitlich städtischen Betrieb wegen genau dieser hohen Kraftstoffpreise zusätzliche Krisenzuschläge zu verlangen und sich anschließend auch noch für einen lächerlich bescheidenen 14-Cent-Nachlass als großzügiger Subventionierer feiern zu lassen.
Trotz all dieser absurden Zusatzbelastungen haben wir in diesem Jahr übrigens noch keinen einzigen Preis für unsere Gäste erhöht.
Kleiner Fun-Fact zum Schluss!
Während bei uns ein Liter Super gerade um die 2,30 Euro oszilliert, zahlt man in Japan, einem Land, das praktisch sein gesamtes Rohöl importieren muss, nicht einmal einen Euro. Im Iran, also ausgerechnet in einem der Länder, deren geopolitische Eskalation bei uns inzwischen sogar als Begründung für zusätzliche Müllgebühren herhalten muss, kosten die ersten 60 Liter subventioniertes Benzin pro Monat umgerechnet gerade einmal rund 0,6 Cent pro Liter, die nächsten 50 Liter rund 1,2 Cent. Danach eskaliert der Benzinpreis allerdings auf fast unbezahlbare 4 Cent pro Liter.
Man könnte also fast auf die verwegene Idee kommen, dass unser Problem nicht ausschließlich an der Straße von Hormus liegt, sondern zu einem erheblichen Teil im deutschen Steuer- und Abgabensystem.
