Der bodenständige Sternekoch, feinsinnige Gastrosoph und sympathische TV-Koch Vincent Klink spricht gerne von einem „Raubstaat“. Der eloquente Christian Lindner bezeichnete es vor seiner Wahl zum Finanzminister lieber etwas elaborierter als „Kleptokratie“. Allerdings meinen beide exakt das Gleiche, nämlich dass der deutsche Staat der festen Überzeugung ist, dass das hart erarbeitete Geld der fleißigen und risikobereiten Leistungsträger am besten in den fürsorglichen Händen des paternalistischen Staates aufgehoben ist.
Nun hat der selbst ernannte Investitionsminister Lars Klingbeil einen weiteren absurden Beutezug angedroht, der sich wieder einmal direkt gegen die Ärmsten der Armen richtet. Ja, genau, gegen die handwerklich und seriös arbeitenden Wirte des Landes.
Bei seiner geplanten Kaperfahrt will er nicht nur die Alkoholsteuer auf Spirituosen um satte 20 Prozent erhöhen, sondern auch noch die Schaumwein-, Zwischenerzeugnis- und Alkopopsteuer um jeweils 20 Prozent anheben. Die höheren Steuersätze sollen schon zum 1. Januar 2027 in Kraft treten und jährlich rund 455 Millionen Euro von unten nach oben in die Staatskasse umverteilen.
Wie aufmerksame Leser unserer Depeschen ja bereits wissen, wurde die Schaumweinsteuer ursprünglich im Jahr 1902 vom Deutschen Reichstag beschlossen, um die kaiserliche Kriegsflotte finanziell zu unterstützen. Sie ist damit eine Steuer, die schon seit Jahrzehnten jegliche Legitimation verloren hat und deshalb längst abgeschafft gehört und nicht, wie von Herrn Klingbeil gefordert, um absurde 20 Prozent erhöht!
Jetzt hat Destatis auch noch die erschütternden Zahlen für Mai 2026 veröffentlicht. Demnach ist der reale Umsatz in der Gastronomie gegenüber Mai 2025 um schier unglaubliche 7,1 Prozent regelrecht kollabiert.
In einer Zeit, in der sich das strauchelnde Kulturgut Gastronomie ohnehin schon im freien Fall befindet, ausgerechnet die Steuern auf margenstabilisierende Spirituosen und Schaumweine wie Sekt, Champagner, Prosecco Spumante und Crémant jeweils um 20 Prozent zu erhöhen, ist ungefähr so clever, wie einem Ertrinkenden anstelle eines Rettungsrings noch einen schweren Mühlstein um den Hals zu hängen.
Dazu sollte man als Zivilist noch wissen, dass viele handwerklich arbeitende Gastronomen ihre knapp kalkulierten Speisen mit den deutlich besseren Deckungsbeiträgen ihrer Getränke quersubventionieren müssen, um unter dem Strich überhaupt noch schwarze Zahlen zu schreiben.
Verschlimmernd kommt ein klassischer fiskalischer Kaskadeneffekt hinzu. Die erhöhte Verbrauchsteuer steckt bereits im Nettowareneinsatz und wird anschließend selbst Teil der Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer. Ergo kassiert der Staat auch noch Steuern auf Steuern. Ein geradezu obszöner fiskalischer Doppelgriff in die Taschen seiner Untertanen.
Der verzweifelte Wirt steht dann vor einer toxischen Wahl. Entweder erhöht er trotz fehlender Preissetzungsmacht seine Preise und riskiert damit, noch mehr Gäste zu verlieren. Oder er hält die Preise stabil und finanziert den steigenden Kostendruck aus seiner ohnehin schon mickrigen Marge. Das eine sorgt für weiteren Gästeschwund, das andere verschärft die ohnehin schon fortschreitende Selbstausbeutung und wird viele seriös arbeitende Betriebe mittelfristig in die Insolvenz treiben.
Besonders hart trifft es natürlich wieder die Betriebe, die trotz des explodierenden Kostendrucks weiterhin an handwerklicher Tiefe, fairen Löhnen und ethisch produzierten Lebensmitteln festhalten. Gerade sie verfügen längst nicht mehr über die Preissetzungsmacht, jede zusätzliche Belastung einfach an ihre Gäste weiterzureichen.
Die Folgen sind absehbar. Arbeitsplätze verschwinden, Wertschöpfungsketten brechen weg, Innenstädte veröden und mit jedem geschlossenen Restaurant geht eine weitere potenzielle Steuerquelle verloren.
Ein kluger und vorausschauender Politiker würde versuchen, das leckgeschlagene Schiff abzudichten. Klingbeil reißt stattdessen weitere Planken aus dem Rumpf, verkauft das Holz und verbucht den Erlös anschließend stolz als erfolgreiche Haushaltskonsolidierung.
Allerdings wird auch Herr Klingbeil irgendwann begreifen, dass man ein versenktes Schiff nicht mehr besteuern kann. Dann ist es aber schon zu spät!
