Natürlich versuchen wir in unseren Restaurants grundsätzlich, individuelle Platzwünsche unserer Gäste so gut wie möglich zu berücksichtigen. Manche möchten gerne am Fenster sitzen, andere bevorzugen einen etwas ruhigeren Tisch im Erker, wieder andere möchten lieber an einem quirligen Hochtisch an der Austernbar sitzen. Alles vollkommen normal und in aller Regel auch problemlos machbar.
Manchmal erreicht uns allerdings eine Anfrage, bei der selbst unsere erfahrensten Restaurantleiter kurz überlegen müssen, ob sie gerade einen Tisch reservieren oder eine Runde Reservierungs-Tetris spielen.
So erreichte uns kürzlich folgende Wunschliste für einen Samstagabend im Mon Amie Maxi: „Wir würden uns über einen ruhigen, aber nicht abgeschiedenen Tisch im Hauptraum freuen, am liebsten einen frei stehenden 4er-Tisch am Fenster. Bitte vier einzelne Stühle beziehungsweise Sessel, keine Sitzbank. Bitte kein Tisch an der durchgehenden Bank an der Wand. Bitte nicht an der Austernbar und nicht direkt neben der Show-Küche. Bitte mit etwas Abstand zu den Nachbartischen, damit wir uns gut unterhalten können. Bitte nicht im Private-Dining-Room. Falls der Fenstertisch nicht verfügbar ist, nehmen wir aber gerne einen vergleichbaren frei stehenden Tisch im Hauptraum mit vier einzelnen Stühlen.“
Mit anderen Worten: Fenster, aber bitte nicht an der Wand. Ruhig, aber bitte nicht abgeschieden. Hauptraum, aber möglichst weit weg von allem, was einen Hauptraum normalerweise auszeichnet. Keine Sitzbank. Keine Raw Bar. Keine Show-Küche. Keine unmittelbaren Nachbarn. Kein separater Raum. Vier einzelne Sessel. Frei stehend.
Besonders faszinierend finden wir dabei den Wunsch nach einem frei stehenden Tisch am Fenster, verbunden mit der ausdrücklichen Bitte, keinen Tisch an der Wand zu platzieren. Das könnte baulich interessant werden. Nach unserer bescheidenen Kenntnis befinden sich Fenster auch im Mon Amie Maxi noch immer überwiegend in Wänden.
Spätestens bei „ruhig, aber nicht abgeschieden“ wird die Sache sogar quantenphysikalisch. Gesucht wird offenbar Schrödingers Katzentisch. Erwin Schrödingers Katze sitzt bekanntlich in einer verschlossenen Kiste und befindet sich, solange niemand hineinschaut, in einer paradoxen Superposition zwischen Leben und Tod. Unser gesuchter Tisch verhält sich ganz ähnlich. Auch er schwebt in einer gastronomischen Superposition: gleichzeitig mitten im Geschehen und angenehm abgeschieden, kommunikativ eingebunden und doch ausreichend entrückt. Solange niemand daran sitzt, kann all das theoretisch gleichzeitig wahr sein. Erst in dem Moment, in dem der erste Gast Platz nimmt, kollabiert die gastronomische Wellenfunktion. Dann offenbart sich die profane Realität und der Tisch ist entweder doch zu laut oder bereits wieder zu abgeschieden.
Natürlich versuchen wir trotzdem, auch solche Wünsche irgendwie möglich zu machen. Aber irgendwo zwischen „bitte möglichst am Fenster“ und einer acht Punkte umfassenden Ausschlussmatrix hat man nicht mehr das Gefühl, einen Tisch zu vergeben, sondern eine hochkomplexe Sitzplatzgleichung mit mehreren Unbekannten lösen zu müssen.
