Posted on Duck & Rice, London

Wenn der sagenumwobene Multigastronom Alan Yau ein völlig neues Restaurantkonzept der staunenden Weltöffentlichkeit präsentiert, ist die Aufgabenstellung für das Mook Culinary Research Team natürlich klar definiert. Sofort machte sich die Mook Redaktion auf den beschwerlichen Weg nach London, um für Euch die nagelneue Venue des agilen Tausendsassas unter das gestrenge Mookular zu nehmen.

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Mit dem „Duck & Rice“ versucht sich der erfolgsverwöhnte Alan Yau tatsächlich an einer komplett neuen kulinarischen Disziplin – dem China-Pub.  Im Erdgeschoß kredenzt das „Duck & Rice“ dem verblüfften Publikum neben einer Vielzahl von Craft-Bieren auch original Pilsener Urquell aus riesigen freistehenden Kupfertanks. In der Beletage serviert man dagegen die beliebtesten Klassiker der chineschen Comfort-Cuisine. Die erstaunliche Mischung aus Pilsstube und Chinarestaurant scheint beim Publikum gut anzukommen. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs platzte die erstaunliche Hybrid-Formel förmlich aus allen Nähten. Die Zeit für einen chinesischen Gastro-Pub war offensichtlich längst überfällig.

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Um den typischen englischen Pub-Charakter optisch aufzugreifen, wurde die komplette Fassade mit einer rautenförmigen Bleiverglasung ausgestattet. Die Wände wurden dagegen mit chinesisch anmutenden Porzellanplatten verkleidet. Die blau-weißen Kacheln schlagen dabei nicht nur eine raffinierte Brücke ins Reich der Mitte, sondern bilden mit ihren floralen Mustern auch einen weichen Kontrast zur harten geometrischen Bleiverglasung.

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Verantwortlich für dieses architektonische Bravourstück ist das in Istanbul ansässige Design-Studio Autoban. Die vor zehn Jahren von Seyhan Özdemir und Sefer Çağlar gegründete Kreativschmiede ist extrem produktiv und durfte die letzten Jahre schon diverse erstaunliche Restaurantflächen realisieren. Zu ihren bekanntesten Werken gehört dabei sicherlich das Karakoy-Lokantasi und das Anjelique in Istanbul. Aber auch in London war das dynamische Duo schon gestalterisch tätig. Beispielsweise stammt das kürzlich eröffnete Babaji Pide in Soho aus dem Think-Tank der beiden emsigen Innenarchitekten. Der Name Autoban setzt sich übrigens aus dem türkischen „Otoban“ und der deutschen „Autobahn“ zusammen und soll den Einfluss beider Kulturen ausdrücken, die am Bosporus aufeinandertreffen: der asiatischen und der europäischen.

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Das erste Blau-Weiß-Porzellan soll übrigens schon in der Tang-Dynastie entstanden sein. Aus dieser Zeit sind allerdings nur sehr wenig vollständige Stücke erhalten. Seine Blütezeit erlebte der Blau-Weiß-Stil erst in der Ming-Dynastie; speziell die geradezu sprichwörtlich gewordene „Mingvase“ prägt die europäische Vorstellung von chinesischer Porzellankunst in besonderem Maße. Hier ein schöner Close-up auf die imposanten Kacheln.

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Hier sehen wir die First Lady des Mook Culinary Research Teams beim aufmerksamen Studium der Speisekarte.

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Wer liebt sie nicht, die kleinen köstlichen Hühnerfuß-Happen? An den aromatischen Vogelklauen zu nuckeln ist immer wieder ein großer Spaß für jung und alt. Müßig zu erwähnen, dass Meister Yau sich natürlich vorzüglich auf die Zubereitung dieses Klassikers versteht.

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Die Wasabi-Shrimps sind für wahre Zenzakan-Fans selbstverständlich gute alte Bekannte. Die Kreation war damals ein Gericht der ersten Stunde und wurde von den Gästen begeistert gefeiert. Wir fragen uns ernsthaft, warum wir diesen Snack eigentlich damals von der Speisekarte verbannt haben. Vielleicht gibt es bald wieder mal wieder ein Revival des pikanten Horsd’œuvres.

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Was waren wir damals begeistert, als wir die köstlichen Taro-Kroketten das erste Mal vom Demon-Chef Alvin Leung im Bo Innovation kredenzt bekamen. Mittlerweile findet man die krossen Bällchen aber auf immer mehr Speisekarten. Es ist wirklich faszinierend, zu beobachten, mit welcher Geschwindigkeit sich manche Gerichte auf den Speisekarten dieser Welt verbreiten. Unseren Bericht über das kulinarische Enfant terrible Alvin Leung findet Ihr übrigens problemlos über die Suchleiste des Mook Blogs.

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Alan Yau war schon immer speziell bekannt für seine fabelhaften Dim-Sum-Kreationen. Sein legendäres Restaurant Yauatcha widmet sich sogar ausschließlich den kleinen Leckereien aus Kanton. Alan Yau ist übrigens nicht nur verantwortlich für das Yauatcha und das Hakkasan. Der agile Restaurateur war auch der geniale Mastermind hinter so erfolgreichen Brands wie: Busaba Eathai, Cha Cha Moon, Sake no Hana und die Princi Bakery. Die Princi Bakery in Soho serviert übrigens ganz phantastische Pizzakreationen, die teilweise sogar an die Qualität in USA heranreichen.

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Die Köche im skurrilen Gastro-Pub verstehen wahrlich ihr Handwerk. Auch der Shrimp-Toast kann die Redaktion spontan begeistern.

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Auch die butterzarten Schweinerippchen erreichen problemlos das ausgezeichnete Yauatcha-Niveau.

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Hier sehen wir die krossen Salt & Pepper Broad Beans. Ein krosser kleiner Snack.

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Kung Pao ist ein Klassiker der Szechuan-Küche und gehört bekanntlich zu einer der absoluten Leibspeisen der Mook Redaktion. Leider wurde das hier gezeigte Gericht extrem üppig mit Sezchuan-Peffer bestreut. Die kleinen Biester wirken exzellent als lokales Anästhetikum und lähmen unsere Zungen für einige quälend lange Minuten. Das Kung Pao Chicken im „Duck & Rice“ ist deshalb nur wahren Fans dieser heimtückischen Spezialität zu empfehlen. Unseren ersten Kontakt mit dieser faszinierenden Delikatesse hatten wir übrigens bei Drei-Sterne-Koch Juan Amador. Sicherlich werden sich auch einige von Euch noch lebhaft an den erstaunlichen Effekt des Sezchuan-Reset-Buttons erinnern.

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Hier sehen wir nun endlich den Namen stiftenden Protagonisten des Restaurants. Über Peking-Enten haben wir hier auf dem Blog ja schon mehrfach ausführlich referiert. Wer also sein Wissen über die Herstellung des köstlichen Vogels einmal kurz auffrischen will, sollte unbedingt noch einmal unseren faszinierenden Bericht über die chinesische High-End-Formel „HKK“  lesen. Ihr findet den Artikel übrigens problemlos über die Suchleiste des Mook Blogs.

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