Als Reformkanzler Merz mit geschwollener Brust stolz verkündete, dass sämtliche Vorschläge der sorgfältig handverlesenen Rentenkommission eins zu eins umgesetzt würden, war die Panik in der Gastronomie natürlich riesig. Immerhin beinhalten die Vorschläge auch, die für die handwerklich arbeitende Speisegastronomie überlebenswichtigen Minijobs faktisch abzuschaffen.
Nun sagt CSU-Parteichef Markus Söder in einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“, die Minijobs blieben. „Eine Abschaffung wäre falsch und würde wichtigen Branchen wie der Gastronomie, dem Einzelhandel oder der Landwirtschaft schwer schaden.“
Es ist schon verrückt, dass wir uns selbst dabei ertappt haben, uns tatsächlich darüber zu freuen, dass die Minijobs jetzt wohl doch nicht abgeschafft werden, sondern der für sie geltende Pauschalsteuersatz, wie bereits zuvor angedroht, „nur“ explosionsartig um satte 150 Prozent angehoben wird. Man kann die Politik nur dafür bewundern, mit welchen psychologisch raffinierten Tricks sie ihre Untertanen dazu bringt, sich selbst über eine explosionsartige Erhöhung des Pauschalsteuersatzes um 150 Prozent auch noch zu freuen.
Dahinter steckt ein einfacher, aber genialer Mechanismus, den man in der Psychologie den Anchoring-Effekt nennt. Man droht zunächst mit der maximalen Katastrophe und versetzt alle Betroffenen in Schockstarre. Wenn der Puls auf zweihundert ist, wird der vermeintliche Retter vorgeschickt. Durch dieses geschickte Framing wirkt die eigentlich unverschämte Erhöhung der Pauschalsteuer um 150 Prozent im direkten Vergleich wie ein harmloser Kompromiss. Unser Gehirn ist in solchen Momenten so erleichtert über das nackte Überleben, dass es die brutale Erhöhung fatalerweise als echten Erfolg verbucht.
Ja, wir wollen insinuieren, dass es keineswegs ausgeschlossen ist, dass die gesamte Sache im Vorfeld abgesprochen wurde. Die Forderung, Minijobs faktisch abzuschaffen, ist nämlich so absurd dumm, dass selbst die Politik weiß, welchen unglaublichen volkswirtschaftlichen Schaden sie damit anrichten würde. Es ist deshalb durchaus denkbar, dass die Drohung vor allem dazu diente, die explosionsartige Erhöhung des Pauschalsteuersatzes um 150 Prozent anschließend auch noch als großzügige Rettung erscheinen zu lassen.
