Als gastronomische Trailblazer sind wir schon lange dafür berühmt, kulinarisch interessierte Early-Adopter regelmäßig mit neuen und in Deutschland bis dato noch praktisch unbekannten Delikatessen zu überraschen. So servierten wir unserer staunenden Gästeschar hierzulande beispielsweise erstmalig Wagyu-Katsu-Sandos, Pani Puris, Spam-Musubis, Tomahawk-Steaks, Coronation Chicken, Kushikatsus oder einen authentischen Wedge Salad.
Auch in Sachen Kakigōri waren wir in Deutschland unseres Wissens wieder einmal die absoluten First-Mover. Allerdings hatten wir damals nur eine kleine Haushaltsmaschine gekauft, die leider viel zu schnell ihren Geist aufgegeben hat.
In diesem Kontext haben wir Euch kürzlich erzählt, dass wir dieses Jahr einen neuen Anlauf starten wollen und dazu eine professionelle Kakigōri-Maschine bestellt haben. Jetzt ist das gute Stück, perfekt passend zu den hochsommerlichen Temperaturen, eingetroffen und funktioniert ganz hervorragend.
Als kulinarische Reminiszenz an das legendäre englische Eton Mess haben wir beschlossen, als Erstes ein Strawberry Kakigōri auf die Speisekarte des Zenzakans zu setzen. Die wilde Kombination aus fein geschabtem Eisschnee, Milchmädchen, Sahne, Erdbeeren und Erdbeersirup oszilliert irgendwo zwischen frisch gefallenem Schnee, Sorbet und kulinarischer Air-Condition und ist damit ein ziemlich unwiderstehlicher Kälte-Kick gegen die klimatischen Zumutungen des Hochsommers.
Kakigōri ist übrigens keineswegs einfach nur die japanische Antwort auf profanes Slushy-Slush, Piragua, Granita, Halo-Halo, Raspado, Chuski, Snow Cones oder Hawaiian Shave Ice. Vielmehr handelt es sich um eine erstaunlich alte, elegante und aristokratische Süßspeise, deren Geschichte bis in die japanische Heian-Zeit zurückreicht. Schon Sei Shōnagon beschreibt in ihrem berühmten Kopfkissenbuch, einem der großen literarischen Dokumente der japanischen Hofkultur um das Jahr 1000, geschabtes Eis als raffinierten Luxus der höfischen Elite.
Während wir heute einfach eine Maschine einschalten, war Eis damals ein kostbares, saisonal konserviertes Luxusgut. Wer im Sommer geschabtes Eis essen konnte, demonstrierte damit nicht nur Geschmack, sondern auch Nähe zur Macht, privilegierten Zugang zu seltenen Ressourcen und höfische Exklusivität.
Erst im 19. Jahrhundert wurde Kakigōri durch die bessere Verfügbarkeit von Natureis und neue technische Möglichkeiten breiter zugänglich. Aus einer aristokratischen Sommerdelikatesse wurde so nach und nach ein demokratischer japanischer Klassiker. Genau diese Ambivalenz macht Kakigōri so extrem spannend. Es ist zugleich kindlich, luxuriös, archaisch, altmodisch und modern. Was wiederum perfekt zum berühmten Leitspruch der Mook Group passt: „Es gibt kein Oder, sondern nur ein Und.“
