Wir leiden als Konglomerat aus handwerklich seriös arbeitenden Upscale-Restaurants nicht nur unter explodierenden Preisen, kollabierenden Margen und einer komplett freidrehenden Überbürokratisierung, sondern zunehmend auch darunter, dass immer mehr unserer wohlhabenden und gut ausgebildeten Gäste vor der iatrogenen Energie- und Wirtschaftspolitik der rot dominierten Marienkäferkoalition regelrecht aus Deutschland fliehen.
Der Trend zum Auswandern ist mittlerweile so massiv, dass sich rund um das Thema eine regelrechte Auswanderungsindustrie gebildet hat, die Menschen berät, die vor dem immer übergriffigeren Staat und gefährlichen Neidsteuerdebatten ins Ausland fliehen möchten. In München findet demnächst sogar die DEXIT statt, eine Konferenz, die sich ausschließlich mit dem Thema Auswanderung beschäftigt.
Auch wenn wir unter dieser toxischen Entwicklung extrem leiden, können wir die Entscheidung unserer Gäste, aus einem Land zu fliehen, das Risiko, Investitionen, Haftung und die gesamte operative Arbeit vollständig privatisiert, nur um am Ende die ohnehin schon mageren Gewinne über Steuern, Gebühren und Abgaben praktisch vollständig in die eigenen Kassen zu sozialisieren, durchaus nachvollziehen.
Wer viel arbeitet, viel Verantwortung trägt, viel investiert, viele Mitarbeiter beschäftigt, Vermögen aufbaut oder für das Alter vorsorgt, wird in Deutschland nicht mehr als fleißiger Leistungsträger betrachtet, sondern nur noch als fiskalisch noch nicht vollständig ausgepresste Zitrone.
Nun hat auch noch der Deutsche Gewerkschaftsbund ein Steuerkonzept aus der sozialistischen Mottenkiste der Hölle vorgelegt. Wenn es nach dem DGB geht, soll der Spitzensteuersatz auf 49 Prozent steigen. Der sogenannte Reichensteuersatz soll künftig 52 Prozent betragen und bereits ab einem zu versteuernden Einkommen von 140.000 Euro greifen. Die Abgeltungsteuer soll abgeschafft werden, sodass Kapitalerträge künftig nicht mehr pauschal mit 25 Prozent, sondern mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert würden. Wer also sein bereits versteuertes Geld investiert, weil die gesetzliche Rente natürlich nicht reichen wird, soll dafür künftig im Zweifel ebenfalls mit maximaler fiskalischer Härte behandelt werden.
Der DGB fordert außerdem eine Finanztransaktionssteuer, die Wiedererhebung der Vermögensteuer ab einer Million Euro Nettovermögen, die Überwindung des Ehegattensplittings, eine höhere Erbschaftsbesteuerung, eine mittelfristige Anhebung der Körperschaftsteuer auf 25 Prozent und eine Gemeindewirtschaftsteuer, in die auch Freiberufler einbezogen werden sollen. Ärzte, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater und andere bislang nicht gewerbesteuerpflichtige Berufsgruppen sollen also ebenfalls in den kommunalen Abgabetrichter geschoben werden.
Natürlich verkauft der DGB das Ganze nicht als das, was es ist, nämlich ein gigantisches Neidsteuerprogramm, sondern als angebliche Entlastung der arbeitenden Mitte. Das klingt zunächst sozial, ist aber in Wahrheit ein uralter Taschenspielertrick. Denn sobald der Staat erst einmal neue Zugriffsmöglichkeiten geschaffen hat, bleiben die Schwellenwerte nie dort, wo sie politisch ursprünglich versprochen wurden. Aus der Sonderbelastung für die sogenannten Reichen wird schnell eine Zusatzbelastung für Wohlhabende, und aus Wohlhabenden werden irgendwann alle, die auch nur einen Euro mehr verdienen als der Median.
Die Forderungen sind natürlich vollkommen überzogen. Aber sie sind politisch nicht dumm. Im Gegenteil. Sie sind gefährlich klug, weil sie das Overton-Fenster verschieben. Wenn der DGB 52 Prozent Reichensteuer, Vermögensteuer, Finanztransaktionssteuer, höhere Körperschaftsteuer, Gemeindewirtschaftsteuer und das Ende der Abgeltungsteuer fordert, wirken die ohnehin schon absurden Steuerfantasien der SPD plötzlich nicht mehr komplett absurd, sondern fast schon moderat.
Der eigentliche Denkfehler liegt allerdings noch tiefer. Vermögen ist eben kein gigantischer Dagobert-Duck-Geldspeicher, aus dem man ein paar moralisch verdächtige Goldmünzen herausschaufeln und gerecht unter das Volk verteilen müsste. Vermögen ist meistens produktiv gebundenes Kapital. Es steckt in Unternehmen, Immobilien, Beteiligungen, Maschinen, Rücklagen, Standorten, Arbeitsplätzen, Risiko und Zukunftserwartungen.
Genau deshalb ist die linke Vermögensteuerromantik so gefährlich. Sie verwechselt Vermögen mit konsumierbarem Einkommen. Wer Vermögen politisch abschöpft, schafft keinen neuen Wohlstand, sondern verwandelt langfristig produktives Kapital in kurzfristigen Konsum. Das ist volkswirtschaftlich ungefähr so klug, wie die Wohnungsnot mit einem Mietpreisdeckel beheben zu wollen oder das Klima zu retten, indem man emissionsarme Atomkraftwerke durch Kohlekraftwerke ersetzt.
Nun sind kluge Leistungsträger nicht dumm. Sie wissen, dass es in einem Land, in dem solche Dinge ernsthaft diskutiert werden, keine besonders gute Idee ist, ein Unternehmen zu gründen, eine Firma auszubauen, Kapital zu binden, Mitarbeiter einzustellen, Immobilien zu erwerben oder sein Vermögen mit großem Vertrauen in die politische Vernunft des Landes zu halten.
Doch anstatt diesen toxischen Brain-Drain zu stoppen, indem man Deutschland durch echten Bürokratieabbau, konkurrenzfähige Steuern und verlässliche Rahmenbedingungen wieder attraktiv macht, fällt dem Staat natürlich wieder nur die deutscheste aller deutschen Lösungen ein, nämlich die Wegzugsbesteuerung ständig weiter zu verschärfen.
Man macht also nicht das Land besser, sondern versucht, seine verzweifelten Leistungsträger mit einer Mauersteuer an ein Land zu ketten, das Leistung zunehmend bestraft.
Das ist nicht nur ein klares Signal an alle jungen, gut ausgebildeten deutschen High Potentials, ihr neues Start-up auf gar keinen Fall in Deutschland zu gründen, sondern auch an alle ausländischen High Potentials, auf gar keinen Fall nach Deutschland zu kommen. Was das für katastrophale Folgen für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland hat, muss man an dieser Stelle eigentlich nicht mehr erklären.
