Spätestens seit MSCHF seine absurd hyper-proportionierten Big Red Boots im Astro-Boy-Anime-Style gelauncht hat, ist das im New Yorker Szeneviertel Brooklyn beheimatete Künstler- und Medien-Kollektiv auch außerhalb der internationalen Art-Bubble in aller Munde.
Kein Wunder, denn MSCHF schafft es immer wieder, mit grotesken und oft provokanten Aktionen die breite Öffentlichkeit in ungläubiges Staunen zu versetzen. Eine ihrer neuesten Ideen ist dabei das „Our Cow Angus“-Projekt, bei dem MSCHF einen echten Jungbullen namens Angus gekauft hat. Angus ist dabei nicht einfach nur ein lebendes PR-Maskottchen, sondern vielmehr ein geplantes moralisches Dilemma.
MSCHF verkauft Angus nämlich schon heute online als zukünftiges Produkt, etwa als Burger-Pattys oder als ein paar wirklich coole Ledertaschen. Die Käufer erhalten allerdings erst einmal nur Tokens als Kaufbeleg. Die eigentliche Ware wird erst geliefert, wenn Angus geschlachtet wird.
Jetzt kommt aber der eigentliche Clou. Tokenholder können nämlich über ein „Remorse Portal“ ihre Vorbestellung stornieren und so dazu beitragen, dass Angus nicht geschlachtet wird. Es gibt allerdings einen kleinen Haken. Es gibt keinen Refund. Wer storniert, bekommt weder Geld zurück noch Ware. Wer storniert, zahlt also sicher und bekommt dafür absolut nichts.
Wer nicht storniert, bekommt Burger-Pattys oder eine wunderschöne Duffel-Bag, allerdings nur dann, wenn Angus tatsächlich geschlachtet wird. Wird Angus hingegen gerettet, gibt es am Ende weder Ware noch Refund, auch nicht für jene, die nicht storniert haben.
Was MSCHF hier mit seinem neuesten PR-Stunt spieltheoretisch inszeniert, ist ein klassisches Schwellenwert- und Koordinationsproblem mit klar definiertem Provision Point, allerdings ohne die übliche Refund-Mechanik. Jeder Tokenholder muss sich entscheiden, ob er altruistisch zum Wohl von Angus storniert, obwohl er damit sicher weder Geld noch Ware erhält, ohne Angus damit garantiert zu retten. Denn Angus überlebt nur, wenn genug andere ebenfalls stornieren und die Schwelle erreicht wird.
Damit Angus überlebt, müssen 50 Prozent aller Vorbestellungen storniert werden. Allerdings wurden bisher nur 31,8 Prozent (Stand 19. Januar 2026) aller Pre-Orders tatsächlich gecancelt. Es sieht also aktuell nicht gut für den stolzen Jungbullen aus.
Für MSCHF hingegen sieht es kommunikativ in jedem Fall gut aus. Egal wie das Experiment ausgeht, das Kollektiv hat wieder einmal maximale Aufmerksamkeit generiert und der Konsumwelt einen Spiegel vorgehalten. Das „schlimmste“, was MSCHF passieren könnte, ist, dass Angus gerettet wird und sie die generierten Einnahmen dafür verwenden müssen, den Jungbullen für den Rest seines natürlichen Lebens in einem „Home For Happy Cows“ unterzubringen.
