Wir hatten kürzlich darüber berichtet, dass ein Gast unseren antizyklischen Erfolg damit erklärte, dass unsere Etablissements letztlich die nächstbeste und zugleich dramatisch preiswertere Option dazu seien, ins Flugzeug zu steigen und ein vergleichbares Restaurant in London, Las Vegas, Dubai, Miami, Singapur oder New York zu besuchen.
In Anbetracht der Tatsache, dass es hierzulande bislang kaum wirklich mit unseren Etablissements vergleichbare Restaurants gibt und die Hotel- und Restaurantpreise in den internationalen Metropolen in den letzten Jahren nicht nur prozentual deutlich stärker gestiegen sind als in Deutschland, sondern mittlerweile auch absolut teils absurde Sphären erreicht haben, ist das eine mehr als plausible These.
Trotzdem glauben wir nicht, dass der Erfolg eines Restaurants monokausal ist, sondern immer multikausal.
Ein Restaurant, das in einem maximal entrepreneurfeindlichen Umfeld wie Deutschland langfristig erfolgreich überleben will, muss als absolute Grundvoraussetzung leckeres Essen servieren, freundlichen Service abliefern und das Ganze auch noch in einer angenehmen Atmosphäre stattfinden lassen. Erst danach kommen weitere Effekte hinzu.
Ein sehr mächtiger Sekundäreffekt ist dabei der sogenannte Matthew-Effekt, der das erstaunliche Phänomen beschreibt, dass Erfolg zu noch mehr Erfolg führt. Aus diesem Prinzip heraus haben wir schon häufig die Binse paraphrasiert: „Ein Restaurant ist voll, weil es voll ist.“
Und in der Tat verkauft ein volles Restaurant im Gegensatz zu einem leeren Restaurant nicht nur Essen und Getränke, sondern auch Begehrlichkeit und die Gewissheit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Zugleich triggert es FOMO, the Fear of Missing Out, also die Sorge, etwas zu verpassen, was offenbar gerade alle anderen erleben wollen.
Die Auslastung wird so selbst zum Qualitätsindikator, der Unentschlossene neugierig macht, Zweifel zerstreut und Vertrauen stiftet. So entsteht eine sich selbst verstärkende Dynamik, in der Wahrnehmung und Realität ineinandergreifen und aus Frequenz Reputation wird.
Wer diese kritische Masse einmal erreicht hat, profitiert von einem ökonomischen Rückenwind, den man für Geld nicht kaufen kann, den man aber sehr wohl wieder verlieren kann, wenn man beginnt, sich arrogant auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Weil wir das wissen, arbeiten wir unermüdlich daran, unsere Etablissements nicht nur optisch, sondern auch kulinarisch immer weiter zu verbessern.
