Wie Ihr als emsige Leser unseres Newsletters ja sicherlich wisst, wird das Original Peter Luger Steakhouse in Brooklyn für uns emotional immer das beste Steakhouse der Welt bleiben. Nicht, weil es dort die elaboriertesten Vorspeisen oder Beilagen gibt oder der Service durch überschwängliche Herzlichkeit glänzt, sondern weil das Porterhouse immer noch unerreicht gut ist und Luger zudem maßgeblich dafür verantwortlich war, dass der CEO der Mook Group damals die folgenreiche Entscheidung traf, Frankfurt mit dem M-Steakhouse das erste echte Top-Notch-Steakhouse nach US-amerikanischem Vorbild in Europa zu schenken.
Peter Luger ist nicht nur für sein in Butterschmalz moussierendes Porterhouse weltberühmt, sondern auch für seine legendär ruppigen Kellner, seinen rustikalen German-Wirtshaus-Charme und seine skurrilen Teller. Maritime Motivteller, die vom Sujet her eigentlich überhaupt nicht zu einem monothematischen Steakhouse-Konzept wie Peter Luger passen.
Nun haben wir im Rahmen unserer letzten Steakpeditionen kürzlich auch die neu eröffnete Peter-Luger-Filiale in Las Vegas für Euch besucht und dabei verwundert festgestellt, dass auch dort wieder die seltsamen Motivteller zum Einsatz kommen.
Die Teller zeigen auf ihrem umlaufenden Bordürendekor eine nautische Vignettenlandschaft aus aufgewühlten Wellen, schäumender Gischt und alten Segelschiffen, die wie verblasste Erinnerungen einer längst vergangenen Zeit über den Tellerrand schweben. Das Motiv wirkt melancholisch, neblig, fast Turner-artig. Bei den Schiffen handelt es sich motivisch um romantisierte Galeonen, also um bauchige, hochseetaugliche Segelschiffe, die man unweigerlich mit historischen Handelsrouten, Fernweh, Expeditionen, Abenteuern und dem Zeitalter der Entdeckungen assoziiert.
Nun ist Peter Luger natürlich kein maritimes Seafood-Restaurant, sondern ein archetypisches Steakhouse-Konzept, das mit antiken Segelschiffen eigentlich ungefähr so viel zu tun hat wie eine Austernbar mit einem Schlachthof.
Da die maritimen Teller in einer glitzernden Wüstenmetropole wie Las Vegas natürlich noch deplatzierter wirken als im historischen Backsteinhaus des originalen Peter Luger Steakhouse in Brooklyn, wurden wir so neugierig, dass wir erst den Kellner und anschließend den eilig herbeigerufenen Manager nach der Geschichte hinter den nautischen Motivtellern befragten. Leider konnte uns keiner von beiden eine plausible Auskunft erteilen.
Daraufhin meldete sich der Nachbartisch zu Wort, ein charmantes älteres Pärchen aus New York, und erzählte uns eine kleine Luger-Legende. Angeblich habe das Steakhouse einst aus Sparsamkeit ausrangierte Teller der deutschen Reederei Hapag-Lloyd aufgekauft. Eine durchaus plausible Erklärung, weil Williamsburg schon um die Jahrhundertwende stark deutsch geprägt war und die großen Ozeandampfer der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft und des Norddeutschen Lloyd genau dort in New York anlegten. Es liegt also nahe, dass man damals bei einer Schiffsauflösung oder einer Auktion von Porzellan einfach billig zugeschlagen hat.
Demnach wären die maritimen Motivteller, bevor sie auf den rustikalen Holztischen bei Peter Luger landeten, ursprünglich in den eleganten Speisesälen der Luxusliner über die Weltmeere geschippert. Eine wirklich romantische Vorstellung
PS: Als Pete Wells, der sagenumwobene Restaurantkritiker der NEW YORK TIMES, Peter Luger im Jahr 2019 mit einer vernichtenden Zero-Star-Review abgestraft hatte, sahen wir uns in der Pflicht, sofort nach New York zu fliegen, um dort in der als Lugergate in die Geschichte eingegangenen Causa „Wells VS. Luger“ zu recherchieren und Peter Luger erneut unter das gestrenge Mookular zu nehmen.
Wir haben Euch hier einmal den Artikel angehängt.
