Als Wirtschaftskanzler Friedrich Merz feierlich inthronisiert wurde, haben viele verzweifelte Wirte auf echte Reformen, Entbürokratisierung und eine wirtschaftsfreundliche Politik gehofft. Nach einem Jahr rot dominierter Marienkäferkoalition sind die meisten Wirte dermaßen resigniert, dass sie mittlerweile schon froh wären, wenn der Staat zumindest aufhören würde, ihnen ständig neue Knüppel in die Speichen zu rammen.
Leider hat die aktuelle Politik offenbar komplett andere Pläne. Beispielsweise soll ausgerechnet der für die Gastronomie so wichtige Minijob durch höhere Arbeitgeberabgaben massiv verteuert werden. Verantwortlich für diesen perfiden Plan ist laut F.A.Z. ausgerechnet Bundesgesundheitsministerin Nina Warken von der CDU, die damit offenbar zusätzliche Milliarden für die Sozialkassen aus den ohnehin geschundenen Betrieben abschröpfen will. Zu diesem Zweck sollen die allein vom Arbeitgeber zu zahlenden Pauschalabgaben um mehr als ein Viertel steigen.
Für einen handwerklich seriös arbeitenden Wirt wäre eine solch brutale Kostenexplosion ein absolutes Desaster. Denn Minijobs sind in der maximal volatilen Gastronomie ein unverzichtbares Instrument, um die extremen Auslastungsschwankungen eines Restaurants zumindest einigermaßen realistisch abbilden zu können.
Dazu sollte man als gastronomischer Zivilist noch wissen, dass Minijobs für Wirte schon heute exorbitant teuer sind. Während normale Sozialversicherungsbeiträge geteilt werden, trägt der Wirt beim Minijob die Abgaben nämlich nahezu allein. Trotzdem will Frau Warken diese brutale Belastung noch einmal massiv erhöhen, um ihre maroden Kranken- und Pflegekassen auf Kosten der ohnehin schon ausgebluteten Wirte finanziell zu alimentieren.
Vereinfacht paraphrasiert bedeutet das nichts anderes, als dass der Staat seine eigenen hausgemachten Probleme einfach zum Problem der Gastronomie machen will, die als klassische Minijob-Branche von dieser staatlich verordneten Umverteilung besonders brutal getroffen würde.
Für die Gastronomie kommt der angedrohte Suckerpunch zudem zur absoluten Unzeit, weil kaum eine andere Branche derzeit so massiv unter explodierenden Lebensmittelpreisen, kollabierenden Margen, steigenden Löhnen, absurd metastasierender Überbürokratisierung, geschwächter Kaufkraft und sinkender Konsumfreude leidet wie die handwerklich seriös arbeitende Individualgastronomie.
Trotzdem sollen nach Ansicht von Frau Warken ausgerechnet bei der Beschäftigungsform, mit der die weidwund geschossenen Betriebe ihre Stoßzeiten überhaupt noch halbwegs seriös auffangen können, die Arbeitgeberabgaben noch einmal um mehr als 25 Prozent erhöht werden.
Das Ergebnis wäre natürlich nicht, dass Wirte plötzlich massenhaft anfangen, neue Vollzeitstellen zu schaffen. Das Ergebnis wäre vielmehr, dass Schichten knapper besetzt, Öffnungszeiten verkürzt, Angebote reduziert, Preise erhöht und letztlich noch mehr strauchelnde Betriebe endgültig in die Insolvenz getrieben werden. Die aktuell grassierende Welle der urbanen Degastronomisierung würde damit unweigerlich noch einmal massiv beschleunigt.
Die angedrohte Erhöhung der Minijob-Abgaben ist deshalb keine moderate Sozialreform, sondern nichts weiter als ein weiterer brutaler Sabotageakt gegen die ohnehin schon in den Seilen hängende Individualgastronomie.
