Die fürsorglichen Eurokraten der EU, die mit immer neuen Meldepflichten und digitalen Überwachungsinstrumenten unermüdlich daran arbeiten, uns Untertanen bis in den letzten Winkel unseres Privatlebens für sie gläsern zu machen, operieren selbst bekanntlich am liebsten in der intimen Dunkelkammer maximaler Intransparenz.
Auch wenn es den europäischen Institutionen normalerweise erstaunlich gut gelingt, ihre pikanten Kapriolen und Affären vor den naiven Augen ihrer Untertanen zu verschleiern, leakt hin und wieder doch einmal ein besonders delikater Skandal an die Öffentlichkeit.
In diesem Kontext erinnern sich sicherlich noch viele Leser dieser Zeilen an den legendären Korruptionsskandal rund um die sogenannte Kaviar-Diplomatie. Dabei hatte das autoritär regierte Aserbaidschan über Jahre hinweg ein regelrechtes Einflussnetzwerk innerhalb der Parlamentarischen Versammlung des Europarats aufgebaut und europäische Abgeordnete mit Luxusreisen, kostspieligen Geschenken und kiloweise Kaviar politisch gefügig gemacht.
Nun wissen aufmerksame Leser unserer Depesche ja schon länger, dass die bescheidenen Eurokraten der EU eine geradezu bizarre Liebe zu besonders exklusiven Luxusprodukten wie Hummer, Trüffel und Kaviar hegen.
Damit sich unsere Gäste auch einmal wie die vollkommen altruistischen und finanziell gänzlich sorgenfreien Abgeordneten der EU fühlen können, die uns naive Untertanen dankenswerterweise täglich mit bewundernswertem Engagement vor so schrecklichen Dingen wie dem Briefgeheimnis, abschraubbaren Getränkedeckeln, Bargeld und kleinbäuerlich erzeugtem Olivenöl schützen, haben wir vor einiger Zeit beschlossen, auch im Mon Amie Maxi ein Gericht mit Kaviar anzubieten, das selbst den maximal verwöhnten Eurokraten munden dürfte.
Unser Wolfsbarsch mit Caviar-Beurre-blanc, Kartoffelpüree und Erbsen wird schonend pochiert, damit sein feines, saftiges Fleisch seine elegante Aromatik vollständig bewahrt. Für den eigentlichen aromatischen Punch sorgt allerdings unsere Caviar-Beurre-blanc.
Die klassische französische Buttersauce lebt bekanntlich von einem ebenso komplexen wie faszinierenden Gleichgewicht aus Säure, Fett und Temperatur. Eine fein reduzierte Basis aus Weißwein, Noilly Prat und Zitrone sorgt für die notwendige Frische und aromatische Spannung, während die nach und nach eingearbeitete Butter der Sauce ihre cremige Textur, ihren seidigen Glanz und ihre fast schon obszöne Opulenz verleiht.
Erst ganz zum Schluss wird eine großzügige Menge Imperial-Kaviar sanft untergehoben, damit seine filigranen Perlen intakt bleiben und beim Essen weiterhin mit dem typischen „Pop“ auf der Zunge zerplatzen. Seine salzig-jodige Mineralität verleiht der üppigen Buttersauce eine beeindruckende Tiefe und genau die maritime Frische, die aus einer hervorragenden Beurre blanc eine geradezu frivol luxuriöse Caviar-Beurre-blanc macht.
Das samtige Kartoffelpüree dient dabei nicht nur als klassische Sättigungsbeilage, sondern als kulinarischer Resonanzkörper. Es nimmt die buttrige Sauce bereitwillig auf, verbindet sämtliche Komponenten miteinander und sorgt dafür, dass auch der letzte Tropfen der kostbaren Caviar-Beurre-blanc seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt werden kann.
Die knackig-süßen Erbsen setzen dem konzentrierten Zusammenspiel aus Fisch, Butter und Kaviar schließlich einen angenehm frisch-süßen Kontrapunkt entgegen. Ihre natürliche Süße federt die salzige Mineralität des Kaviars ab, während ihr knackiger Biss verhindert, dass das Gericht trotz seiner beträchtlichen Opulenz kulinarisch ins Statische kippt.
Wer sich jetzt übrigens fragt, was unser Loup de Mer mit Caviar-Beurre-blanc im Mon Amie Maxi kostet, dem sei gesagt, dass man sich für den Preis unseres Wolfsbarschs auch ziemlich exakt 8,84 Eier „Any Style“ per Roomservice in seine Penthouse-Suite im Viceroy Hotel Los Cabos liefern lassen könnte.
Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass das Viceroy ausschließlich ganze Eier anbietet und keine 0,84 Eier.
