Eine der wohl berühmtesten kulinarischen Dialogszenen der Filmgeschichte verdanken wir sicherlich Quentin Tarantinos Meisterwerk „Pulp Fiction“. Dort erklärt John Travolta alias Vincent Vega seinem Partner Samuel L. Jackson aka Jules Winnfield während einer Autofahrt die kulturellen Unterschiede zwischen Europa und den USA anhand eines McDonald’s Quarter Pounder. In Paris, so erklärt Vincent, könne man den Burger nämlich nicht Quarter Pounder nennen, weil die Franzosen aufgrund des metrischen Systems überhaupt nicht wüssten, was ein Quarter Pound sei. Auf Jules’ interessierte Frage, wie das Ding dort stattdessen heiße, antwortet Vincent schließlich mit der mittlerweile legendären Catchphrase „Royale with Cheese“.
Tarantinos semantischer Ausflug in die internationale Burger-Terminologie ist dabei keineswegs nur ein hübscher Film-Gag, sondern durchaus faktenbasiert. Ein amerikanisches Pound entspricht nämlich tatsächlich nicht 500 Gramm, sondern lediglich rund 454 Gramm. Dementsprechend wäre es hierzulande schlicht falsch, einen Quarter Pounder mit umgerechnet rund 113 Gramm als Viertelpfünder zu bezeichnen. McDonald’s entschied sich deshalb, seinen in den USA überaus erfolgreichen Quarter Pounder in Europa nicht unter seinem amerikanischen Namen zu vermarkten, sondern unter dem wesentlich nobler klingenden Namen „Hamburger Royal“.
Diese kleine Anekdote bringt uns nun allerdings zu der eigentlichen Geschichte, die wir hier erzählen wollen. In den 1980er-Jahren wollte die amerikanische Burgerkette A&W dem extrem erfolgreichen Quarter Pounder von McDonald’s einen möglichst schlagkräftigen Konkurrenten entgegensetzen. Die Idee dahinter war eigentlich so simpel wie genial. Wenn McDonald’s seinen Gästen einen Quarter Pounder verkauft, wollte A&W ihnen einfach einen rund 33 Prozent schwereren Third Pound Burger zum gleichen Preis anbieten.
Die geniale Marketingidee floppte allerdings grandios. So grandios, dass A&W ein Marktforschungsinstitut beauftragte, um herauszufinden, warum. Das Ergebnis der Studie war ebenso überraschend wie simpel. Ein erstaunlich großer Teil der Kundschaft beherrschte offenbar nicht einmal die elementarsten Prinzipien der Bruchrechnung und glaubte tatsächlich, der Quarter Pounder von McDonald’s sei schwerer als der Third Pound Burger von A&W, weil vier ja bekanntlich größer ist als drei. Dass bei Brüchen ausgerechnet die größere Zahl im Nenner den kleineren Anteil bedeutet, war offenbar für viele Kunden alles andere als selbstverständlich.
A&W bot seinen Gästen also rund ein Drittel mehr Fleisch zum gleichen Preis an und musste trotzdem zusehen, wie ein Großteil der potenziellen Kunden weiterhin lieber zum vermeintlich größerem Quarter Pounder von McDonald’s griff. Der Third Pound Burger scheiterte damit letztlich an der komplett absurden Tatsache, dass ein erheblicher Teil der Kundschaft schlicht nicht verstanden hatte, dass ein Drittel mehr ist als ein Viertel.

Filmszene aus ‚Pulp Fiction‘, Regie: Quentin Tarantino, 1994