Die fürsorglichen Eurokraten der EU, die mit immer neuen Meldepflichten, Dokumentationszwängen und digitalen Überwachungsinstrumenten unermüdlich daran arbeiten, uns Untertanen bis in die letzten Winkel unseres privaten und wirtschaftlichen Handelns für sie gläsern zu machen, operieren selbst bekanntlich am liebsten in der intimen Dunkelkammer maximaler Intransparenz.
Auch wenn es den europäischen Institutionen normalerweise erstaunlich gut gelingt, ihre pikanten Kapriolen und Affären vor den naiven Augen ihrer Untertanen zu verschleiern, leakt hin und wieder doch einmal ein besonders delikater Skandal an die Öffentlichkeit.
In diesem Kontext erinnern sich sicherlich noch viele Leser dieser Zeilen an den legendären Korruptionsskandal rund um die sogenannte Kaviar-Diplomatie. Dabei hatte das autoritär regierte Aserbaidschan über Jahre hinweg ein regelrechtes Einflussnetzwerk innerhalb der Parlamentarischen Versammlung des Europarats aufgebaut und deren Mitglieder mit Luxusreisen, kostspieligen Geschenken und kiloweise Kaviar politisch gefügig gemacht.
Nun haben aufmerksame Leser unserer Depesche ja schon gelernt, dass die medienscheuen Eurokraten der EU eine erstaunliche Liebe zu besonders exklusiven Luxusprodukten wie Hummer, Trüffel und Kaviar hegen.
Allerdings ist das natürlich vollkommen in Ordnung. Immerhin arbeiten sie auch täglich daran, uns mit bemerkenswertem Engagement vor so schrecklichen Dingen wie dem Briefgeheimnis, abschraubbaren Getränkedeckeln, Bargeld und kleinbäuerlich erzeugtem Olivenöl zu schützen. Deshalb haben sie es auch zweifellos verdient, sich regelmäßig mit Hummer, Trüffel und Kaviar für ihren selbstlosen Einsatz zu belohnen.
Damit sich unsere Gäste auch einmal kurz so fühlen können wie ein vollkommen sorgenfreier Eurokrat in Brüssel, haben wir vor einiger Zeit beschlossen, auch im Mon Amie Maxi ein Gericht mit Kaviar anzubieten, das selbst einem maximal verwöhnten EU-Abgeordneten munden dürfte.
Unser Wolfsbarsch mit Caviar-Beurre-blanc, Kartoffelpüree und Erbsen wird schonend pochiert, damit sein feines, saftiges Fleisch seine elegante Aromatik vollständig bewahrt. Für den eigentlichen aromatischen Punch sorgt dann aber eine üppig mit Imperial-Kaviar bestückte Beurre-blanc.
Eine klassische französische Beurre-blanc lebt bekanntlich von einem ebenso komplexen wie faszinierenden Gleichgewicht aus Säure, Fett und Textur. Die fein reduzierte Basis aus Weißwein, Noilly Prat und Zitrone sorgt dabei für die notwendige Frische und zitrische Spannung, während die nach und nach eingearbeitete Butter der Sauce eine fast schon obszöne Opulenz verleiht.
Damit die filigranen Perlen des Kaviars intakt bleiben und beim Essen weiterhin mit dem typischen „Pop“ auf der Zunge zerplatzen, heben wir die großzügige Portion Imperial-Kaviar erst ganz zum Schluss unter die Sauce. Seine salzig-jodige Mineralität verleiht der üppigen Buttersauce eine beeindruckende Komplexität und genau die maritime Nuance, die aus einer hervorragenden Beurre blanc eine geradezu frivol luxuriöse Caviar-Beurre-blanc macht.
Das samtige Kartoffelpüree dient dabei nicht nur als profane Sättigungsbeilage, sondern als kulinarischer Resonanzkörper. Es nimmt die buttrige Sauce perfekt auf, verbindet sämtliche Komponenten miteinander und sorgt dafür, dass auch der letzte Tropfen der kostbaren Caviar-Beurre-blanc seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt werden kann.
Die knackig-süßen Erbsen setzen dem konzentrierten Zusammenspiel aus Fisch, Butter und Kaviar schließlich noch einen angenehm frisch-süßen Kontrapunkt entgegen. Ihre natürliche Süße federt die salzige Mineralität des Kaviars ab, während ihr knackiger Biss verhindert, dass das Gericht trotz seiner beträchtlichen Opulenz kulinarisch ins Statische kippt.
Wer sich jetzt übrigens gerade fragt, was der Loup de Mer mit Caviar-Beurre-blanc im Mon Amie Maxi kostet, dem sei gesagt, dass man sich für den gleichen Betrag im Restaurant Guy Savoy in Paris auch ziemlich exakt 0,62 Portionen der legendären Artischocken-Trüffel-Suppe bestellen könnte.
Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Guy Savoy ausschließlich ganze Portionen serviert und keine 0,62 Portionen.
