Wer glaubt, Wirte seien vornehmlich damit beschäftigt, in ihren Küchen leidenschaftlich an leckeren Rezepten zu feilen und gut gelaunt ihre Gäste zu bewirten, irrt gewaltig.
In den vergangenen Jahren waren Wirte leider zunehmend damit beschäftigt, die immer neuen Attacken des Staates abzuwehren und gleichzeitig immer neue staatliche Auflagen, Schikanen und bürokratische Zumutungen zu bewältigen.
Jetzt durfte man auch noch der Frankfurter Neuen Presse entnehmen, dass rund 90 Prozent der Wirte auf der Kaiserstraße von der Stadt ein Schreiben erhalten haben, in dem ihnen eine illegale Sondernutzung des öffentlichen Raums vorgeworfen wird. Sollten sie ihre beanstandeten Sommergärten und Einfriedungen nicht zurückbauen, droht die Stadt nicht nur mit Zwangsgeldern, sondern auch noch mit einer für den Wirt kostenpflichtigen Zwangsbeseitigung.
Die Kaiserstraße gehört im Bahnhofsviertel zu den letzten halbwegs intakten Inseln in einem zunehmend bizarrer werdenden Zombieland aus offenem Drogenkonsum, Dealern, Verwahrlosung und aggressiven Schockbettlern.
Das liegt vor allem daran, dass die von der Stadt vollkommen im Stich gelassenen Wirte mit ihren „illegalen“ Terrassen, Mitarbeitern und Gästen das letzte Bollwerk gegen den kompletten Zerfall des Viertels bilden. Viele von ihnen bezahlen mittlerweile sogar aus eigener Tasche für Reinigung und Sicherheit, damit sich ihre Gäste überhaupt noch einigermaßen unbehelligt auf der Kaiserstraße bewegen können.
Besonders verblüffend ist dabei, dass die Stadt gegenüber Wirten erstaunlich kulant ist, wenn sie mit ihren Außenflächen dringend benötigten Parkraum vernichten. Dort dürfen ungenutzte Sommergartenmöbel bekanntlich auch gerne einmal über den gesamten Winter auf umgewidmeten Parkplätzen stehen bleiben. Wenn Gastronomen allerdings im Bahnhofsviertel versuchen, ihre Gäste mit Einfriedungen vor den dort herrschenden Zuständen zu schützen, entdeckt die Stadt plötzlich ihre kompromisslose Liebe zu Recht, Ordnung und Sondernutzungsvorschriften.
Es ist wirklich absurd, dass der Staat ausgerechnet gegen die rechtlich vorgeht, die in einem ansonsten faktisch rechtsfreien Raum mit ihrem unternehmerischen Engagement und auf eigenes Risiko zumindest für ein wenig Restsicherheit, Restsauberkeit und Restnormalität sorgen.
Immerhin kommt mittlerweile Bewegung in die Sache. Im Ortsbeirat liegen mehrere Anträge vor, die das Vorgehen der Stadt stoppen beziehungsweise Sonderregelungen für die besonderen Verhältnisse im Bahnhofsviertel ermöglichen sollen.
Wir drücken unseren ohnehin schon schwer gebeutelten Kollegen auf der Kaiserstraße jedenfalls sämtliche Daumen bei ihrem Kampf gegen die Stadt.
Wer jetzt übrigens wissen will, welche grotesken Auswüchse die einseitige Kulanz der Stadt gegenüber Sommergärten auf dringend benötigten Parkplätzen annehmen kann, sollte nach der Lektüre dieser Depesche auch noch den hier verlinkten Artikel lesen.
Wer jetzt übrigens wissen will, welche grotesken Auswüchse die einseitige Kulanz der Stadt gegenüber Sommergärten auf dringend benötigten Parkplätzen annehmen kann, sollte jetzt noch diesen Link aktivieren …
