Jan Fleischhauer, der eloquente Journalist, Kolumnist und Autor, hat sich in seinem aktuellen Podcast in der Folge „Bärbel Bas im Glück: 6,8 Millionen Jobs weg“ mit den Vorschlägen der von der rot dominierten Marienkäferkoalition sorgfältig handverlesenen Rentenkommission beschäftigt.
Im Kontext des Vorschlags, Minijobs künftig praktisch abzuschaffen, sagte er wörtlich: „Leute, die sowas in Papiere schreiben, scheinen sich von der Realität komplett entkoppelt zu haben.“
Und genau so ist es. Denn ein derart absurder Vorschlag kann nur von komplett branchenfremden Zivilisten stammen, die noch nie selbst in der Gastronomie gearbeitet haben, noch nie einen stressigen Samstagabend überlebt haben, noch nie eine Terrasse bei einem plötzlichen Wetterumschwung abbauen mussten und nie erlebt haben, wie volatil, saisonal und personalintensiv die Speisegastronomie tatsächlich ist.
Dementsprechend ist das vorgelegte Rentenkonzept nicht, wie SPD-Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas euphorisch jubelt, ein „Gesamtkunstwerk“, sondern vielmehr der absolute Super-GAU für die handwerklich seriös arbeitende Speisegastronomie. Denn wer Minijobs in der Gastronomie faktisch abschafft, schafft keine besseren Arbeitsplätze, sondern schafft massenhaft Wirtschaften ab, in denen wertvolle und sinnstiftende Arbeitsplätze überhaupt erst erschaffen werden.
Minijobs sind in der Gastronomie nämlich kein nettes Gimmick, sondern ein absolut essenzielles und überlebenswichtiges Tool. Sie fangen Spitzen ab, retten Abende, ermöglichen Terrassenbetrieb, Veranstaltungen, Messegeschäft, Wochenenden, Saisonphasen und kurzfristige Ausfälle. Wer dieses Instrument zerstört, zerstört nicht nur legale Flexibilität, sondern gleich eine gesamte Branche.
Man braucht wirklich keine präkognitiven Fähigkeiten, um zu verstehen, was im Fall der Fälle mittelfristig passieren würde. Öffnungszeiten werden dramatisch verkürzt, Veranstaltungen werden gecancelt, überforderte Wirte werden nervlich noch weiter überfordert, der Service wird schlechter, die Preise werden noch weiter explodieren, und am Ende werden extrem viele Gastronomen einfach komplett resigniert das Handtuch werfen.
Die Folgen sind klar. Noch schneller sterbende Innenstädte, mehr Arbeitslosigkeit, weniger soziale Geselligkeit und weiter steigende Sozialleistungen. Und natürlich, auch wenn es in den perfekt klimatisierten Kommissionsräumen niemand hören möchte, wird auch die Schwarzarbeit weiter steigen. Nicht, weil seriöse Wirte plötzlich Lust bekommen, coole Outlaws zu werden, sondern weil ein Staat, der legale Beschäftigung immer weiter verteuert, verkompliziert und letztendlich komplett verunmöglicht, am Ende genau die Schattenwirtschaft proaktiv produziert, die er anschließend mit moralisch bebender Stimme verspricht, noch härter zu sanktionieren.
Allerdings werden die komplett weltfremden Schreibtischtäter hinter dem grotesken Rentenkonzept schon sehr bald feststellen müssen, dass massenhaft insolvente Restaurants keine Steuern zahlen, keine Sozialabgaben abführen, keine Mitarbeiter beschäftigen, keine Mieten überweisen und keine Innenstädte beleben. Leider wird es dann aber schon zu spät sein.
Und Leser, die unseren kleinen Newsletter schon länger verfolgen, wissen, dass wir mit unseren Prognosen schon immer zu 100 Prozent richtig lagen.
