Politiker unterschiedlichster Couleur haben in den letzten Jahren immer wieder gerne behauptet, die Wirtschaft würde Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren. Die Lebenswirklichkeit handwerklich seriös arbeitender Gastwirtschaften in Deutschland sieht allerdings exakt umgekehrt aus. Hier ist es nämlich so, dass der Staat Risiko, Investitionen, Haftung, Bürokratie und die gesamte operative Arbeit vollständig privatisiert, während er am Ende die ohnehin schon mageren Gewinne über Steuern, Gebühren, Strafen und Abgaben praktisch vollständig in die eigenen Taschen sozialisiert.
Der Wirt trägt das unternehmerische Risiko, erledigt die Arbeit, finanziert die Einrichtung, haftet persönlich für Mitarbeiter, Gäste, Hygiene, Brandschutz, Arbeitszeitdokumentation, Mindestlohn, Ökotrophologiekennzeichnung, Kassenführung, Entsorgung und jeden denkbaren regulatorischen Kollateralschaden, während der Staat komplett risikolos an der Seitenlinie steht, die Gewinne abschröpft und gefühlt nur noch damit beschäftigt ist, Wirten immer neue Bürokratieknüppel in die Speichen zu rammen.
Das Signal der Politik an die Gastronomie ist damit eindeutig. Kein vernünftig denkender Entrepreneur sollte hierzulande noch ein handwerklich seriös arbeitendes Restaurant eröffnen oder in ein bereits bestehendes Restaurant investieren.
Nun wissen aufmerksame Leser unseres Newsletters ja schon lange, dass wir keine vernünftig denkenden Kaufleute sind, sondern leidenschaftliche Gastgeber und emotionale Lokalpatrioten, die unser Land und unsere geliebte Heimatstadt Frankfurt nicht einfach kampflos aufgeben wollen.
Wir investieren dementsprechend ständig gegen jeden kaufmännischen Sachverstand in unsere Restaurants. Gerade in der letzten Zeit haben wir eine regelrechte Investitionsoffensive gestartet. Wir haben dem Mon Amie Maxi nicht nur eine komplett neue Küche gegönnt und im M-Steakhouse in eine neue Markise investiert, sondern auch das Zenzakan mit einer Vielzahl kleiner und größerer Verbesserungen weiter perfektioniert. Unter anderem haben wir neue Varieté-Leuchten angeschafft, neue, speziell für uns personalisierte Chopstick-Holder anfertigen lassen, neue Teppiche bestellt und die Küche mit technischen Geräten wie einer neuen Tempura-Station und einer professionellen Kakigōri-Maschine massiv aufgerüstet. Wie Ihr seht, können wir es einfach nicht lassen, ständig im Geiste der japanischen Philosophie des Kaizen in unsere Etablissements zu investieren.
Die bittere Pointe ist nur, dass ausgerechnet diese kaufmännisch kaum noch zu rechtfertigende Unvernunft am Ende das Einzige ist, was viele deutsche Innenstädte noch vor der vollständigen Degastronomisierung bewahrt. Nicht die Politik hält Gastlichkeit, Urbanität, Arbeitsplätze und soziale Räume am Leben, sondern Wirte, die trotz explodierender Kosten, metastasierender Bürokratie und politischer Geringschätzung immer weiter investieren.
Wer diese Menschen dauerhaft behandelt wie Melkkühe mit Gewerbeschein, sollte sich später nicht wundern, wenn irgendwann niemand mehr übrig ist, der bereit ist, Risiko zu privatisieren, Verantwortung zu übernehmen und sich am Ende auch noch die letzten mageren Gewinne vom Staat praktisch vollständig wegsozialisieren zu lassen.
