In einem unserer letzten Newsletter haben wir einen ziemlich nerdigen Deep Dive in die betriebswirtschaftlichen Untiefen unserer vermeintlich sündhaft teuren Zwiebelsuppe unternommen und dabei festgestellt, dass sie betriebswirtschaftlich eigentlich nicht zu teuer ist, sondern zu billig.
In diesem Kontext ist uns jetzt noch eingefallen, dass wir unsere letzte wirklich exzellente Soupe à l’oignon bei unserer letzten Foodpedition nach Las Vegas in der Bouchon Brasserie für Euch degustieren durften.
Bei der Gelegenheit wollten wir natürlich auch wissen, was wir in der Bouchon Brasserie für die Zwiebelsuppe bezahlt haben. Da wir gut organisiert sind, haben wir die Rechnung sofort gefunden und festgestellt, dass die Soupe à l’oignon im Bouchon nicht wie bei uns mit 18,99 Euro auf der Speisekarte ausgepreist ist, sondern mit 26 Dollar.
Nun wissen amerikanophile Frequent-Traveller und aufmerksame Leser unserer Depeschen, dass in den USA die Preise auf Speisekarten ohne Sales Tax ausgewiesen werden und nicht wie in Deutschland rechtlich verpflichtend als Bruttopreise. Das bedeutet im Fall von Las Vegas, dass auf die 26 Dollar zunächst noch 8,375 Prozent Sales Tax on top dazukommen. Damit kostet die Suppe real auf einmal nicht mehr 26 Dollar, sondern 28,18 Dollar.
Damit ist die Rechnung allerdings noch nicht vollständig, denn in den USA ist Trinkgeld nicht freiwillig, sondern quasi verpflichtend. Obwohl Ihr ja schon gelernt habt, dass US-amerikanische Restaurants das Trinkgeld durch geschicktes Nudging mittlerweile weit über 20 Prozent gehoben haben, bleiben wir für unsere Überlegungen maximal konservativ und rechnen lediglich mit einem Minimum von 20 Prozent. Damit kommen noch einmal 5,20 Dollar hinzu und wir landen am Ende bei 33,38 Dollar.
Beim aktuellen Wechselkurs entsprechen 33,38 Dollar ziemlich genau 28,75 Euro.
Nun wollen wir an dieser Stelle aber fair bleiben und schlagen deshalb auch auf unsere Zwiebelsuppe die in Deutschland üblichen, aber komplett freiwilligen 10 Prozent Trinkgeld auf. Damit landen wir final bei 20,89 Euro.
Damit kostet die vermeintlich fair ausgepreiste Soupe à l’oignon in der Bouchon Brasserie am Ende real umgerechnet rund 38 Prozent mehr als die angeblich „viel zu teure“ Zwiebelsuppe im Mon Amie Maxi.
Es ist schon verrückt, dass eine Zwiebelsuppe in den USA für umgerechnet knapp 29 Euro als vollkommen normal bepreist durchgeht, während unsere Zwiebelsuppe im Mon Amie Maxi mit 18,99 Euro als teuer gilt. Speziell wenn man bedenkt, dass unsere Kollegen in Nevada nicht nur rund 70 Prozent weniger für Strom und über 80 Prozent weniger für Gas bezahlen, sondern durch das amerikanische Trinkgeldsystem auch noch mit deutlich geringeren Lohnkosten kalkulieren können.
Wir haben die Bouchon Brasserie übrigens nach unserem Besuch sofort für Euch unter das gestrenge Mookular genommen. Interessierte Leser, die den Artikel noch nicht kennen und mehr über die Bouchon Brasserie erfahren möchten, sollten jetzt auch noch den hier angehängten Link aktivieren.
