Speziell in Deutschland wird Dubai bekanntlich häufig kontrovers debattiert. Aber völlig unabhängig davon, wie man über den glamourösen Wüstenstaat denkt, kann man seine Gastronomen als deutscher Wirt wirklich nur beneiden. Sie können bei dramatisch geringeren Kosten wesentlich fairere Preise realisieren und operieren in einem Umfeld, das Unternehmertum nicht grundsätzlich als verdächtige Tätigkeit betrachtet.
Statt permanent erniedrigt, überbürokratisiert, fiskalisch ausgeweidet und unter einen paternalistischen Generalverdacht gestellt zu werden, erfahren Gastronomen dort ein wirtschaftspolitisches Umfeld, das Hospitality proaktiv fördert und strukturell hofiert. Völlig anders als in Deutschland hat man in Dubai offenbar erkannt, dass Gastronomie eben nicht nur der Ort ist, an dem Menschen essen und trinken, sondern ein bedeutender kultureller, touristischer und wirtschaftlicher Faktor.
Dank dieser konsequent unternehmerfreundlichen Philosophie und eines extrem flexiblen Arbeitsmarkts hat sich Dubai innerhalb weniger Jahre zu einem echten gastronomischen Superhub entwickelt. Kaum irgendwo sonst entstehen momentan in einer derartigen Schlagzahl spektakuläre neue Hospitality-Konzepte, internationale Multi-Unit-Formeln und ambitionierte One-of-a-kind-Venues.
Aus genau diesem Grund reisen wir regelmäßig in das schillernde Eldorado der globalen Hospitality-Branche, um für Euch nach neuen Trends, Ideen, Konzepten und Rezepten zu fahnden. Im Rahmen dieser kulinarischen Feldforschung sind wir nun über ein besonders spektakuläres Restaurantkonzept gestolpert.
Die nagelneue Supervenue Clay auf Bluewaters Island liegt unmittelbar unter dem gigantischen Ain Dubai und kann nicht nur mit einem absolut atemberaubenden Scenic View auftrumpfen, sondern auch mit einer klug durchdachten und spektakulär präsentierten Nikkei Cuisine.

Die atemberaubende Larger-than-Life-Kulisse ist dermaßen surreal, dass man sich beinahe wie ein Protagonist in einem utopischen 4K-Game auf der neuesten Playstation fühlt. Überall blinken Lichter, futuristische Hochhäuser spiegeln sich im Wasser und direkt über einem erhebt sich das gigantische Ain Dubai.
Die besten Plätze, um diese geradezu absurde Szenerie zu genießen, befinden sich auf den spektakulären Außenbalkonen des Clay. Hier sitzt man tatsächlich unmittelbar unter dem riesigen Observation Wheel und erlebt die futuristische Kulisse praktisch in Vollbild.
Gerade in den Abendstunden entwickelt der Blick eine fast unwirkliche Dramaturgie. Dann verschmelzen Skyline, Meer, Lichtinstallationen und das gigantische Riesenrad zu einem Setting, das eher nach digital gerendertem Science-Fiction-Szenario als nach klassischer Restaurantterrasse aussieht.

Das Ain Observation Wheel ist schlicht gigantisch und mit seinen rund 260 Metern exakt doppelt so hoch wie das ohnehin schon riesige London Eye. Müßig zu erwähnen, dass das Ain damit natürlich das größte Riesenrad der Welt ist.
Die majestätisch rotierende Mega-Konstruktion soll rund 238 Millionen Euro gekostet haben und ist selbst für Dubai-Verhältnisse ein ziemlich absurdes Monument des Größenwahns. Besonders spektakulär sind die illuminierten Seilspeichen, die sich wie eine gigantische digitale Leinwand bespielen lassen und das komplette Riesenrad nach Einbruch der Dunkelheit in eine überdimensionale Lichtinstallation verwandeln.
Wenn man direkt darunter auf dem Außenbalkon des Clay sitzt, entwickelt das Ganze eine geradezu surreale Dimension. Ein unglaublich fulminantes optisches Spektakel!

Natürlich sind die begehrten Balkonplätze das absolute Highlight im Clay. Allerdings ist auch der eigentliche Gastraum ausgesprochen ansprechend gestaltet und fügt sich mit seiner eklektischen, leicht futuristischen Ästhetik perfekt in die spektakuläre Gesamtdramaturgie der Location ein.
Verantwortlich für das Interior Design ist die vornehmlich in den Vereinigten Arabischen Emiraten operierende Havelock One Interior Group. Die umtriebige Designschmiede hat in den vergangenen Jahren eine erstaunlich breite Palette an Hospitality- und Retail-Projekten realisiert.
Zu ihren bekanntesten Arbeiten gehören sicherlich das Babel, Asha’s und die coole Slider Station. Aber auch der glamourös inszenierte Charlotte-Tilbury-Retail-Store in der Dubai Mall gehört zum breit gefächerten Œuvre der Havelock One Interior Group.
Gerade diese Mischung aus Gastronomie, Retail und kommerziellem Interior Design merkt man dem Clay durchaus an. Alles ist sehr präzise durchkomponiert, visuell effektvoll und klar darauf ausgerichtet, dem Gast nicht nur einen Restaurantbesuch, sondern eine komplette Erlebniswelt zu verkaufen.

Wie man unschwer erkennt, ist auch der Ausblick vom eigentlichen Gastraum aus extrem beeindruckend. Durch die großen Fensterflächen öffnet sich der Blick direkt auf die futuristische Kulisse von Bluewaters Island und das gigantische Ain Dubai.
Leider können unsere Smartphone-Bilder die schieren Dimensionen dieser Szenerie nur sehr unzureichend wiedergeben. In natura ist die Wirkung noch einmal dramatisch imposanter. Gerade die unmittelbare Nähe zu dem riesigen Observation Wheel erzeugt ein fast schon surreales Raumgefühl und lässt die gesamte Kulisse eher wie ein aufwendig gerendertes Zukunftsszenario als wie eine reale Restaurantlocation erscheinen.

Die zahlreichen farbenprächtigen Portrait-Murals im Clay sind in einer erstaunlichen Mischtechnik aus Graffiti und klassischer Impasto-Malerei gefertigt und stammen aus dem kreativen Think Tank der Cape Town Signwriters.
Das in Südafrika beheimatete Künstlerkollektiv hat sich auf überdimensionale Wandmalereien, Logo-Paintings und kunstvolle Chalkboard-Beschriftungen spezialisiert und bewegt sich damit ziemlich souverän an der Schnittstelle zwischen Street Art, klassischem Signwriting und dekorativer Rauminszenierung.
Zu ihrem Kundenstamm zählen so illustre Namen wie Deus Ex Machina, Radisson, Deloitte und das Rupert Museum. Gerade die expressive Farbigkeit und die fast plastisch wirkenden Oberflächen der Murals verleihen dem Clay noch einmal eine zusätzliche visuelle Ebene und passen hervorragend zur ohnehin ausgesprochen eklektischen Gesamtästhetik der Location.

Hier sehen wir einen kleinen Blick in die offene Küche des Clay. Im Epizentrum steht ein imposanter Parrilla-Rundgrill der britischen Clay Oven Company. Die Spezialfirma baut neben solchen martialischen Hochleistungsgrills auch professionelle Tandoor-Öfen und gehört in dieser Disziplin seit Jahren zu den international etablierten Adressen.
Die Geräte der Clay Oven Company kennen wir übrigens ziemlich gut. Auch im Ivory Club vertrauen wir bei unseren Tandoor-Öfen auf Technik aus diesem Hause. Und das hat einen einfachen Grund. Wer täglich mit extremer Hitze, offenem Feuer und hoher Schlagzahl arbeitet, braucht Geräte, die nicht nur spektakulär aussehen, sondern im harten gastronomischen Dauereinsatz auch zuverlässig abliefern.
Der massive Parrilla-Rundgrill im Clay ist dafür geradezu prädestiniert. Fleisch, Fisch und Gemüse können auf unterschiedlichen Temperaturzonen gegart werden, bekommen kräftige Röstaromen und intensive Brandings und bleiben im Inneren trotzdem wunderbar saftig.
Dass so ein imposantes Gerät in einer offenen Showküche zusätzlich ordentlich Hospitality-Theater produziert, ist natürlich ein äußerst angenehmer Nebeneffekt.

Das kunterbunte Tiradito macht schon beim bloßen Betrachten gute Laune. Die farbenfrohe Komposition aus leuchtend orangefarbenem Lachs, gelber Passionsfrucht-Sauce, sattgrüner Minz-Creme, tiefschwarzen Tapioka-Crackern und feinen roten La-Yu-Chili-Öl-Tupfern sieht beinahe aus wie ein kleiner essbarer Farbanschlag.
Erfreulicherweise kann die furiose Kombination aber nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich überzeugen. Der fette, weiche Lachs trifft auf die exotisch-säuerliche Fruchtigkeit der Passionsfrucht, die kühle Kräuterfrische der Minz-Creme und die pikante Wärme des La-Yu-Chili-Öls. Dazu liefern Nori-Pulver und die krachend krossen Tapioka-Cracker zusätzliche Tiefe und vor allem ordentlich Textur.
Das Ganze ist bunt, laut, verspielt und trotzdem erstaunlich stimmig komponiert. Genau so macht moderne Nikkei-Cuisine wirklich Spaß!

Hier sehen wir eine ausgesprochen appetitlich angerichtete Ceviche-Selektion. Das kalt denaturierte Fisch-Concassée erfreut sich international seit Jahren immer größerer Beliebtheit. Kein Wunder, immerhin ist das populäre peruanische Nationalgericht nicht nur ausgesprochen köstlich, sondern mit seinem hohen Eiweißanteil, den frischen Zutaten und der weitgehend fettarmen Zubereitung auch noch erfreulich gesund.
Gerade die Kombination aus rohem Fisch, prägnanter Säure, Chili, Kräutern und frischen Gemüsekomponenten macht eine gute Ceviche zu einem der spannendsten Gerichte der südamerikanischen Küche. Gleichzeitig bildet sie natürlich eine perfekte Brücke zur Nikkei-Cuisine, in der japanische Präzision auf peruanische Aromatik trifft.
Wer übrigens mehr über Ceviche und die wunderbare Welt der Nikkei-Cuisine erfahren möchte, sollte sich unbedingt unseren Mookular-Bericht über das Coya durchlesen. Ihr findet den Artikel wie immer problemlos über die Suchleiste des Mook-Magazin-Blogs.

Das Wheel of Sushi ist natürlich eine kulinarische Reminiszenz an das imposante Ain Observation Wheel. Das miniaturisierte „Riesenrad“ ist dabei nicht nur eine lustige Idee, sondern auch ein echter Eyecatcher.
Überhaupt wird im Clay praktisch jedes einzelne Gericht mit erstaunlichem Aufwand und viel Liebe zum Detail inszeniert. Offensichtlich sind die Betreiber des Clay genauso detailverliebt wie die Mitglieder der Mook-Redaktion.
Hier noch ein sehr schönes Close-up auf die durchaus solide exekutierten Sushi-Kreationen.

Die Softshell-Crab Bao Buns werden im Clay ausgesprochen liebevoll mit einem Brandeisen gebrandet. Eine kleine, aber ziemlich wirkungsvolle Idee, die wir vielleicht irgendwann auch einmal aufgreifen sollten.
Überhaupt überlegen wir gerade ernsthaft, unsere beliebten Krabben-Brötchen wieder auf die Speisekarte des Zenzakan zu nehmen. Die kleinen Crowdpleaser hatten schließlich über Jahre eine ziemlich treue Fangemeinde.
Was meint Ihr? Sollen wir die Dinger wiederbeleben und erneut ins Zenzakan-Programm aufnehmen?

Seit das New Yorker Neo-Izakaya SakaMai sein frenetisch umjubeltes A5-Miyazaki-Wagyū-Sando gelauncht hat, sind luxuriöse High-End-Katsu-Sandos weltweit sprichwörtlich in aller Munde.
Lediglich hierzulande sind die exklusiven Schnitzel-Toasts noch immer weitgehend unbekannt. Unseres Wissens sind wir im Zenzakan sogar nach wie vor die Einzigen in Deutschland, die überhaupt ein A5-Miyazaki-Wagyū-Sando anbieten.
Solltet Ihr anderslautende Informationen haben, lasst es uns bitte wissen. Wir sind schließlich jederzeit bereit, unsere kulinarische Alleinstellungsbehauptung einer strengen Mookular-Prüfung zu unterziehen.

Hier sehen wir die von unserer Kellnerin geradezu euphorisch angepriesenen Maguro-Truffle-Tacos. Angeblich gehören die krossen Fingerfood-Häppchen zu den absoluten Bestsellern im Clay und werden praktisch von jedem zweiten Tisch bestellt.
Die kleinen Taco-Shells kommen herrlich knusprig daher und sind üppig mit fein geschnittenem Maguro, einer cremigen Trüffel-Komponente und frischen Kräutern gefüllt. Gerade die Kombination aus krosser Hülle, kühlem Thunfisch und der opulenten Trüffelaromatik funktioniert erstaunlich gut und trifft ziemlich genau den Nerv moderner Nikkei-Cuisine.
Kulinarisch ist das Ganze sicherlich kein leiser Puristen-Teller, sondern eher ein maximal gefälliger High-End-Crowdpleaser. Aber genau deshalb versteht man nach dem ersten Bissen auch ziemlich schnell, warum die Maguro-Truffle-Tacos im Clay offenbar permanent durch die Pass laufen.

Offensichtlich scheut das Clay auch vor kaufmännisch vollkommen irrsinnigen und eigentlich komplett redundanten Kosten nicht zurück. Selbst beim Geschirr wird konsequent auf maximale Inszenierung gesetzt. Teilweise benutzt das Clay sogar exakt dieselben spektakulären Teller wie wir im Franziska.
Ein finanzieller Seppuku, den vermutlich nur ästhetische Profis wirklich zu schätzen wissen. Denn solche filigranen Teller sehen zwar grandios aus, sind aber nicht nur sündhaft teuer, sondern im harten gastronomischen Alltag auch ausgesprochen empfindlich.
Jeder kleine Chip, jeder Haarriss und jeder unachtsame Moment in der Spülküche kann aus einem dekorativen Kunstwerk innerhalb von Sekunden einen ziemlich kostspieligen Scherbenhaufen machen. Aber genau solche kaufmännisch schwer vernünftigen Entscheidungen sind am Ende oft dafür verantwortlich, dass aus einem guten Restaurant eine visuell wirklich außergewöhnliche Venue wird.

Das Clay setzt wirklich neue Standards für spektakuläre Foodpräsentationen. Speziell das große Dessert-Potpourri ist an opulenter Dekadenz kaum noch zu übertreffen.
Wir müssen an dieser Stelle sogar neidlos eingestehen, dass die Dessert-Variationen im Clay noch beeindruckender inszeniert sind als bei uns im Zenzakan. Eine Erkenntnis, die uns natürlich nicht vollkommen kaltlässt.
Die Challenge ist deshalb angenommen. Wir werden demnächst noch einmal sehr intensiv an unserem Nachspeisen-Hangiri arbeiten und prüfen, wo sich noch die eine oder andere Eskalationsstufe einbauen lässt.
Eine professionelle Candy-Cotton-Maschine ist übrigens gerade bei uns eingetroffen. Mal schauen, ob wir das ohnehin schon recht opulente Ding damit noch ein kleines bisschen weiter in Richtung kulinarischer Größenwahn treiben können.

Unser Besuch im Clay war wirklich inspirierend. Aber auch insgesamt war unsere Foodpedition wieder einmal ein großartiger Erfolg. Wir haben diverse neue und spektakuläre Restaurantkonzepte besucht und konnten unzählige neue Ideen, Inspirationen und Anregungen für Euch mit nach Frankfurt nehmen.
Die Erfahrungen unserer aufwendigen Recherche werden sich deshalb schon bald in unseren Speisekarten, Präsentationen und Restaurants widerspiegeln. Genau dafür unternehmen wir schließlich diese Foodpeditions. Nicht um einfach nur möglichst viele Restaurants abzuhaken, sondern um zu schauen, was international gerade passiert, welche Ideen tatsächlich funktionieren und welche davon sich sinnvoll weiterdenken lassen.
Auch werden wir sicherlich noch den einen oder anderen Mookular-Bericht über unsere letzte Dubai-Foodpedition verfassen. Es bleibt also spannend.
Zum Abschluss noch ein letzter nächtlicher Blick auf das gigantische Ain Dubai. Ein ziemlich passender Schlusspunkt für eine Reise, bei der es gastronomisch und optisch wieder einmal ausgesprochen wenig Zurückhaltung gab.
